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Texte / Wirtschaft

Kempinski verlässt Rügen durch die kalte Küche
Hotelbetreiber Dr. Jürgen Hutter hat am 1. August den endgültigen Zuschlag für das Fünf-Sterne-Haus vor dem Amtsgericht Bergen erhalten. Preis: rund 13,5 Millionen Euro.

Binz (ostSeh) "Das Gebäude des Kempinski Bel Air Resort in Binz ist verkauft worden", teilte die Geschäftsleitung der überraschten Belegschaft des Hotels in einer Betriebsversammlung mit. Das war am 27. Juli, also vergangene Woche. Kempinski-Pressesprecherin Birgit Abate-Daga aus München bestätigte jedoch nur den Fakt an sich. "Wir wollen demnächst eine Erklärung abgeben", sagte sie angesichts der Einspruchsfrist bis zum 1. August. Wie auf der Betriebsversammlung deutlich gemacht worden sein soll, würde das Haus jedoch erst einmal als Hotel weiter betrieben. Der neue Eigentümer Dr. Michael Hutter, auch Eigentümer des "Rugard"-Strandhotels Binz, benötige neben gut qualifizierten Führungskräften auch Personal vor Ort. Hutter hatte bei der Auktion Anfang Juli den Zuschlag für das Hotel vorläufig erhalten. Die Kempinski-Gruppe habe nicht mitgeboten, bestätigte das Amtsgericht. Nach Insolvenz der früheren Eigentümergesellschaft stand das Fünf-Sterne-Haus unter Verwaltung der Bank Euro Hypo AG. Nach Angaben von Teilnehmern der Auktion liege der Kaufpreis bei rund 13,5 Millionen Euro.

Zur Frage, ob die Kempinski-Fahne zum 1. August oder später eingezogen wird, wollte bisher niemand Angaben machen. Übergeben werden soll das Hotel jedoch noch während dieser Saison. Auch im "Rugard"-Hotel möchte man nach Anweisung von Hotelmanagerin Birte Löhr frühestens in drei Wochen dazu Stellung beziehen. Ebenso bedeckt hält sich Kempinski-Direktor Stefan Schwind, der die Möglichkeit eines Verkaufs noch bei seinem Amtsantritt Anfang Juli für unwahrscheinlich gehalten hatte. Die Geschäftsführung des Kempinski Binz hat inzwischen laut eines Interneteintrages von Stefan Intertal, Kempinski München, zu dem Juristen Rainer Steffens gewechselt.

Wilfried Rothkirch, DEHOGA-Vorsitzender auf Rügen, glaubt nicht, dass die Kempinski-Gruppe überrascht worden ist und ein Managementfehler vorliegt. "Nach meiner Ansicht wollen die sich komplett von Rügen zurückziehen, weil es auch keine Erweiterungsmöglichkeiten mit anderen Gebäuden mehr gegeben hat", sagt Rothkirch. Der ERFA-Gruppen-Vorsitzende Stefan von Heine würde es für ein katrastrophales Signal halten, wenn sich eine renommierte Hotelgruppe auf diese Art von Rügen verabschiedet.

Das Hotel Kempinski in Binz besteht derzeit aus 116 Zimmern und vier Maisonettesuiten und zählt mit wenigen anderen Resorts der Kempinski-Gruppe zu einer neuen Geschäftsstrategie. Noch vor zwei Jahren investierte die Gruppe in einen neuen Wellnessbereich. Dauerhaften Belegungsproblemen begegnete man zuletzt unter Direktor Arild Sjoedin durch eine Marketingoffensive auf Kaffeetüten zusammen mit einem bekannten Röster.

Am Standort des Kempinski nahe des Fischerstrandes im ruhigeren Teil von Binz befand sich zu früheren Bäder-Zeiten das alte Klündersche Strandhotel. Nachdem zu DDR-Zeiten dort Mietwohnungen betrieben wurden, sind die dortigen Mieter 1989 als erste gegen ihre Lebensbedingungen auf die Straße gegangen. Nach Verkauf an einen Wurstfabrikanten aus Münster fiel das denkmalgeschützte Haus in klassischer Bäderarchitektur in einer Nacht- und Nebelaktion trotz Protesten dem Abriss zum Opfer. Allerdings ist das neue Gebäude noch immer nicht frei von Problemen. Kenner sprechen davon, dass auf der Hangseite Schubkräfte sowie Wasserprobleme einwirken und es so einen Bedarf an Nachinvestitionen gebe.

© ostSeh 2006 / küstermann

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