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Verlagsarbeiten / Der Strandvogt von Jasmund / Philipp Galen

Trivialität war sein Lebenselexier

Der Autor Philipp Galen (1813 bis 1899) hatte 100sten Todestag
(Forts. vom 17. Februar)

Franz Brümmer, Zeitgenosse und Herausgeber des »Biografischen Jahrbuchs von 1900« bescheinigt Galen .."ein liebenswürdiges Erzählertalent, plastische Gestaltungskraft und die Gabe, interessante Charaktere zu erfinden und sie mit psychologischer Feinheit und minutiöser Sorgfalt zu entwickeln". Reine sittliche Tendenz gebe er zudem überall kund. Seine Meisterschaft sei die ausgeprägt getroffene Lokalfarbe und Wiedergabe der Sitten und Gebräuche sowie häuslicher Gewohnheiten. Gleichzeitig werden allerdings "Nationale Überschwenglichkeiten" in seinen Kriegsromanen als maßlos gegeißelt. Beispiele dafür sind »Andreas Burns« (1856) und der »Strandvogt« (1859).

Trotz Geißelung von Stil und Art des Werkes Galens erscheint es wechselweise in fast allen zeitgenössischen und späteren Nachschlagwerken. Spannend dabei ist, wie sich mehr und mehr bei der Recherche herausstellt, daß Galen auch 150 Jahre nach seinem Ersterscheinen noch immer Interesse weckt. So sind zum »Strandvogt« allein in diesem Jahrhundert bisher mindestens sieben Nachweise auszugsweiser oder kompletter Neuauflagen neben den Nachdrucken belegt. Trotzdem kommt er als Trivialschriftsteller häufig schlecht weg dabei. "Im Souterrain der Literatur" siedelt ihn der Forscher Gustav Sichelschmidt 1969 an und richtig ist sicher, daß Galen, wie viele andere Trivialschriftsteller dominante Themen der öffentlichen Meinung aufgriffen, ohne diese irgendwie in Frage zu stellen. Eine starke Typisierung und schwarz-weiß-Malerei ist einer der angeführten Kritikpunkte wie auch die "schicksalhafte Gerechtigkeit", die letztlich zum Happy-End führt. So kann sich der positive Held trotz widerfahrener Ungerechtigkeit vorbildhaft verhalten, erträgt sein Unglück, "handelt moralisch und menschlich einwandfrei und wird dafür am Ende vom Schicksal noch belohnt, das sich statt seiner die Finger schmutzig macht". Lesefreundlichkeit und Treue zu einmal gewählten Stoffen sowie verständliche Sprache und Verzicht auf jegliche literarische Experimente bescheinigt ihm im Jahre 1861 »Fernbachs Journal für Leihbibliothekare«. Hinzu mag das Zusammentreffen mit bekannten historischen Figuren in Galens Romanen kommen, was in den »Blättern für literarische Unterhaltung« (1855) "einen großen Reiz Galens Schaffens" ausmachte und in der Zeitschrift »Deutsches Museum« (1854) als "Jesuitengeschichten und Hof- und Liebesabenteuer" gebrandmarkt wurde. Der eigentlich wichtige gesellschaftliche Konflikt des beginnenden 19. Jahrhunderts, das Anwachsen und die Verelendung des Proletariats, wird in keinem seiner Romane behandelt. Stattdessen läßt er sich an manchen Passagen sogar lang und breit gegen Entwicklungen aus, wie im »Strandvogt« beispielsweise zur allzu modernen Erziehung junger Frauen in Pensionaten. Eine Erkenntnis, die übrigens das von ihm wiedergegebene Arztbild ebenfalls betrifft. Von den medizinischen Errungenschaften seiner Zeit findet sich nichts im Werk. Eher verharrt er im althergebrachten. "Doch wer die bestehende Ordnung hält, den belohnt das Schicksal", konstatiert Wolfgang Schemme 1975 in »Trivialliteratur und literarische Wertung«.

küma
 
Ostsee-Anzeiger Insel Rügen 3. März 1999

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