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Verlagsarbeiten / Der Strandvogt von Jasmund / Philipp Galen

Trivialität als Lebenselixier

Autor Philipp Galen alias ERNST PHILIPP KARL LANGE hatte 1999 den 100. Todestag

Bergen/Rügen · "Kennen Sie Philipp Galen fragte mich meine Vermieterin Maria Marx im Jahre 1995. Nein, den kannte ich wahrlich nicht und noch viel weniger den bürgerlichen Namen Ernst Philipp Carl Lange, unter dem der Schriftsteller am 21. Dezember 1813 geboren worden war. Nun, da mir der Name längst vertraut ist, bekomme ich häufig selbst solche Antworten auf mein Nachfragen. Maria Marx drückte mir damals dennoch ein zerfleddertes rotes Büchlein aus Zeiten der Jahrhundertwende, gedruckt auf Dünndruckpapier, in die Hand.

Es war dieses Buch zugleich auch der Schlüssel für alle Antworten auf Fragen nach Philipp Galen. Denn wer auf Rügen oder in nördlichen Regionen nach dem "Strandvogt von Jasmund" fragt, erhält die bejahende Antwort sogleich. Ja, mit dem sei man aufgewachsen, weil die Mutter immer daraus vorgelesen habe, doch das Buch sei leider verloren gegangen oder nicht zurückgegeben worden und man wolle es gerne wieder haben, sind klassische Antworten. Denn der »Strandvogt« ist neben den "Insulanern" und "Die Perle von der Oie" Galens bekanntestes Werk in M-V.

Für das Preußen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts muß zudem noch das Buch "Der Irre von St. James" erwähnt werden, das insgesamt Galens zumindest literarisch bedeutsamstes Buch sein dürfte. Insgesamt 35 mehrbändige Romane und unzählige Geschichten sind noch in Literaturverzeichnissen gelistet. Der Sammler allerdings wird nur selten fündig. Wer aber stand hinter Philipp Galen alias Lange? Das deutsche Literaturarchiv in Marbach/Nekar weiß von keinen Nachlaßstandorten, wie Museen oder Archiven, die mit persönlichen Zeugnissen genannt werden. In Marbach finden sich nur die Literaturlisten in zeitgenössischen Nachlagewerken. Auch im Brandenburgischen Landesarchiv inmitten des Schlosses Sansoussi, das wegen des Potsdamer Geburtsortes zuständig wäre, ist nichts authentisches zu finden. Doch in Potsdam hat der Schriftsteller und hauptberufliche Arzt vor allem gewirkt. Ein Jahr Chirurgie an der Charite' ging der Zeit als Militärarzt beim Potsdamer Garde-Reserve-Regiment voraus, wo sich Galen nach Überlieferungen aus zeitgenössischen Literaturzeitschriften vor allem für Gemütskranke in Irrenhäusern und Gefängnissen interessierte. 1845 kam die Ernennung zum Oberarzt und zwei Jahre später zum Stabs- und Bataillonsarzt beim 15. Landwehrregiment in Bielefeld. Überliefert ist, daß er nach seiner Heirat im April 1847 wegen der kärglichen Besoldung eine Landarztpraxis im Teutoburger Wald übernahm. Als Chefarzt eines Feldlazarettes nahm Galen am Feldzug in Schleswig und später auch am Wintermarsch der Preußen in Kurhessen teil. Eine Typhuserkrankung brachte ihn 1857 wieder nach Potsdam zurück, wo er im Alter von 65 Jahren als Oberstabsarzt im September 1878 pensioniert worden war.

Ein erstes Trauerspiel mit 14 und ein erster Roman mit 15 Jahren sind in Potsdam entstanden. Doch sein Literaturverzeichnis beginnt mit der auf Latein geschriebenen Doktorarbeit über die "Struma" vom März 1839. Vieles wurde erst lange nach Entstehung veröffentlicht, ist aus literarischen Quellen zu erfahren. 1853 erscheint "Der Irre von St. James".

Galens eigene Jugend und das heimatliche Potsdam beschreibt der Roman "Walter Lund" aus dem Jahre 1855. Dem folgt "Fritz Stilling", der Lebensroman eines Arztes und vermutliche Tribut an das Leben seines Vaters, der ihn zum Medizinstudium gezwungen hatte, statt dem Wunsch des Sohnes zur Schauspielausbildung nachzugeben. "Der Inselkönig", dem "Verlagscomtoir in Grimma und Leipzig" als Philipp Lange zum Druck angeboten, erschien ohne sein Wissen unter dem Namen Galen und er behielt das Pseudonym. Neben dem "Strandvogt" (1859) erschienen "Die Insulaner" (1868) und ,"Die Perle von der Oie" (1880) als Lebensbilder, wie Galen es nannte.

Franz Brümmer, ein Zeitgenosse und Herausgeber des "Biografischen Jahrbuchs von 1900" bescheinigt ihm ... "ein liebenswürdiges Erzählertalent, plastische Gestaltungskraft und die Gabe, interessante Charaktere zu erfinden."

küma
 
Ostsee-Anzeiger Insel Rügen 17. Februar 1999

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