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Texte / ReportagenAus dem Nebel am Bollwerk aufgetaucht
Dann zieht er sich mit dem für die Überfahrt mitgenommenen, befreundeten Navigator Jürgen Seele auf die Brücke zurück. Der Barther Bodden ist im Zickzack zu befahren und birgt viele Gefahren durch Untiefen. Kurz darauf steht Heinrich Olbert im Blaumann im Maschinenraum. Die Kipphebel der Ventile müssen vor dem Start und dann alle zwei Stunden geschmiert werden. Klassische Arbeit mit dem Ölkännchen für den Schmiermaxen. Der heißt in unserem Fall Matrose und Anja Lawatsch, die sich zwischen Gästen, Maschine und den anderen, beweglichen Arbeiten an Bord bewegt. Olbert erklärt vor dem Start das Phänomen Wasserschlag. "Das geschieht bei Wasser im Zylinder, das sich im Gegensatz zu Gasen nicht verdichten lässt. Daher wird jeder Kolben in eine bestimmte Position gedreht, um Wasser auszuschließen. Ein Wasserschlag bedeutet Explosion und das absolute "Aus" für einen Motor." Doch natürlich startet die Maschine und nach Übergabe der Papiere von Produktionsleiter Matthias Moritz dreht Heiner Olbert die Lamara auf der Stelle im Hafen auch ohne Bugstrahlruder und steuert sie der Ausfahrt entlang der Barther Stadtkulisse zu. Zeit zu erzählen, da Nebel und Dunst jegliche Optik an Land schlucken. 1990 fand die Lamara von Laboe kommend in Baabe eine neue Heimat, springt Olbert 2003 zur zur Übernahme mit Anja Lawatsch. Als die frühere Beamtin Lawatsch und Olbert als Fluss- und Hafenkapitän den Betrieb aufnahmen, trafen sie einen Fahrgast aus Wewelsfleth, der in der Werft von der Lamara erzähle. Nur kurze Zeit später kam so Manfred Kleinke, Vorstandsvorsitzender der Peters Schiffbau AG, vorbei. Die bauen heute Megayachten, Passagier- und Containerschiffe. Während einer Fahrt um die Insel Vilm habe Manfred Kleinke aus der Vergangenheit erzählt und wie das Schiff 1959 mit der Baunummer 500 für einen Kieler Reeder gebaut worden sei. Als Seeschiff für sogenannte Butterfahrten nach Dänemark. Das Kommando für Dieter Partsch, den Masten zu klappen, erinnert dann an die Gegenwart mit dem nahenden Rügendamm. Drunter durch und 16.18 ist die Lamara nach Fahrt durch die Having wieder im Binnengewässer. Gegen 16.52 Uhr liegt sie nach sechs Stunden Fahrt fest. "Wir haben noch vier Wochen, bis die Saison beginnt, weiß Anja Lawatsch. Und am 14. Juli wird mit der Lamara Geburtstag gefeiert", kündigt der Kapitän an. © 2009 ostSeh / ANDREAS KÜSTERMANN INFO Der Schiffsdiesel MAK MV 36 wurde 1959 nach der Kiellegung als Sonderborg auf der Werft Hugo Peters in Wewelsfleth an der Stör eingebaut. Bei einer Umdrehung von 500 U/Minute bringt der „Langhuber“, also ein Motir mit langem Hubraum, 118 kW, was 160 PS entspricht, auf die Schraube. Er treibt damit 124 Tonnen bei einer Verdrängung von 113,85 Kubikmetern. Die Maße der LAMARA belaufen sich 29,33 Meter Länge, 5,86 Meter Breite und 1,50 Tiefgang. Da die alte Dame, deren runder Geburtstag am 14. Juli 2009 gefeiert wird, für die Hochsee als Butterschiff unter dem Namen Sonderborg gebaut wurde, ist sie als Oldtimer im Bodden noch immer mehrfach abgesichert. 1961 ging ihr Weg als Fair Lady in die Niederlande, 1974 nach Kiel wo sie ab 1975 in der Kieler Förde lief. 1990 kam sie als Lamara nach Rügen. KÜMA zurück | weiter | Bilder der Überfahrt
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