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Texte / ReportagenMit dem Bodendenkmalpfleger über den Goldberg Erlebnis von 3500 Jahren Kulturlandschaft
Eine nahrhafte Umgebung, wie man sie sich so in Sichtweite des Örtchens Sagard und des Fährhafens Sassnitz heute noch vorstellen kann. Eine sogenannte "siedlungstopografisch günstige Lage." Eben brechen ein paar Damböcke ohne Schaufeln aus einem Quelldickicht. Eine alte Schaufel finden wir beim Weitergehen auf dem Acker. Ebenso wie tausende Stücke von Feuersteinabschlägen, geglätteten Mahl- und Krähensteinen oder einem Stein zum Graben. "Hier liegt eine eiszeitlich geprägte Siedlungslandschaft, wie sie im Buche steht", erläutert Stübe. "Bis zum Siebenberg existieren hier 26 sichtbare und unsichtbare, geschützte und teils schon planierte Fundstellen." Und Stübe erzählt anhand der Karte, in die der Altmeister der Rügener Frühzeitexperten, Peter Herfert, auch die Lage der von Hagenow gefundenen Gräber eingezeichnet hat. "Hier geht es lange nicht mehr um den alten Scherbenfund, sondern die alte Kulturlandschaft, die trotz Schutz nach und nach verloren geht. Urlauber, die sich rundum auf Jasmund einquartieren, suchen das." Niemand wolle Puppenstuben. Diese herbe Landschaft, die sei das Original. "Und sie wird immer seltener, egal wie wichtig der Abbau von Bodenschätzen sein mag." Stübe erzählt wie jenes Buch, was er von der Landschaft weiß. Wie die Bevölkerung des Neolithikums sesshaft wurde und wie hier 3000 bis 3500 Jahre Geschichte vor uns liegen. "Die verschiedenen Grabkulte belegen das." Beim Weiterlaufen erzählt Stübe von der Abwägungsfrage bei Grabungen und wie Archäologen als Bremser angesehen werden. Und dass es ihm heute nicht mehr um Grabungen ginge, da schon Spitzenfunde wie der Feuerwagen Peckatel oder massenhaft Handwaffen vorliegen. "In der Bronzezeit gab es nochmals eine gegenseitige Beeinflussung, wo Feuersteinschläger gegossene Bronzedolche nachahmten. Selbst so etwas lässt sich heute ohne Grabungen beweisen." Dann liegt ein Söll, diese Niederung mit Wasser, vor uns, in das seit vermutlich Jahrzehnten Steine aus dem Ackerbau wandern. "Mahlsteine finden sich hier gleich, ebenso bearbeitete Findlinge, die von Gräbern oder später herrühren könnten. Merken sie, wie sich das Klima hier sofort ändert? Das macht ein echtes Biotop aus."
Stübe, der gelernte Hochseefischer und heute teils ehrenamtliche, teils angestellte Archäologe weiß, dass zu DDR-Zeiten für LPG-Großagrarier Hügel ebenso wie die Hecken zwischen den Schlägen fallen mussten. "Die Gräber wurden planiert, sind jedoch hier noch zu sehen", weist er auf vier Erhebungen am Zenit einer Kreidescholle. So wird auch aus Sicht der Landschaft der dort geplante Kreideabbau in mehreren Schuppen verständlich. "Da die inneren Bauten der planierten Gräber vermutlich abgesackt sind, erwarten wir beim Freilegen natürlich auch Funde. Obwohl die Hügel keine Bodendenkmale mehr sind." Funde an diesen Stellen müssen jedoch gemeldet werden, die Bergung muss möglich sein und die Finanzen trägt der Verursacher, lautet die Gesetzeslage. Stübe zweifelt. Das Ganggrab in Nipmerow fällt ihm als "abschreckendes" Beispiel ein. Dort legte nach Intervention des Bodendenkmalpflegers Willi Lampe die Einzigartigkeit den Kiesabbau lahm. 1974, zu DDR-Zeiten. Stübe zum Abschied: "Die alte Kulturlandschaft ist tot. Diese kleine Insel am Goldberg muss deshalb erhalten bleiben." de.wikipedia.org/wiki/Bronzezeit © ostSeh 2007 / ANDREAS KÜSTERMANN
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