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Texte / ReportagenEine Karawane, die mächtig schluckt Rügen · Derweil sind Henryk Kindt und Fahrer Bodo Mehrlich aus Leupoltsgrün und Jüterbog schon seit Freitag früh mit offenem Verdeck die 609 Kilometer bis Sassnitz unterwegs. "Bin ich froh, einen Schal eingepackt zu haben. Der kommt mir nicht mehr vom Hals", sagt Henryk und zeigt auf den blau-weißen Stoff, der die Lücke unter der Lederhaube schließt. Sie fahren die Nummer 42, einem IFA F9, 1939 von DKW entwickelt. Und stoßen gerade bei Bobbin auf die Rüganer Udo Köpping und Manfred Rudolf, die , ebenfalls flankiert von ihren Oldtimern, einen Kontrollpunkt betreiben. "Wer die Trophäe möchte, muss hier durch und sich registrieren lassen. Die Fahrtzeit schätzen die Piloten ein und müssen sie möglichst einhalten. Auch Geschicklichkeit wird erprobt", erläutert Udo und reicht die gestempelten Papiere wieder ins Auto. Von dem rostroten IFA sind mehrere dabei - alle offen. Am Freitag abend sind sie eingetroffen auf Einladung des Oldtimerclubs Rügen, der die Fernfahrt zusammen mit dem Club Feuer Fest aus Zittau schon das dritte Mal veranstaltet. Und obwohl das Cabrio mit den klassischen Rund-Armaturen mit nahezu 80 Stundenkilometern auf der Straße seinem typischen Sound verbreitet, bleibt manchmal Zeit für einen Schwatz. Wie mit der netten Motorradfahrerin auf der alten BMW, die geblitzt wurde. "Pech", sagt sie, "von vorne". Ihr Nummernschild jedoch ist hinten.
Täuschend echt anzuschauen sind auch die beiden VoPos auf der MZ 250 F. "F steht für Funk", erklären Klaus und Sieghard Krahl aus Groß Dubrow bei Bautzen. Sie fahren in original Uniformen. "Unterwegs haben wir in Neubrandenburg sogar schon mit Polizisten gefachsimpelt. 95 Prozent der Leute reagieren eher freundlich überrascht auf uns", meint Klaus. Überrascht sind auch die Passanten, die immer wieder enthusiastisch winken, wenn einzelne Fahrzeuge wie gerade der Unimog oder die Moto Guzzi von 1936 mit Thomas Hentschel auf dem Bock passieren. Immer winken die Fahrer zurück.
Wiek ist passiert und die Fährstelle über den Breetzer Bodden naht. Langsam verdichtet sich auch die Kolonne wieder, die nun in Etappen übersetzen möchte. Wohnwagen, Versorgungsfahrzeuge und natürlich Transportanhänger fahren den nicht enden wollenden Tross mit, in dem auch Wolfgang Koschig mit seinen 2,2 Pferdestärken wacker mithält. Seine Phänomen aus Zittau hat 98 Kubikzentimeter Hubraum und 2,2 Pferdestärken. Das Publikum nutzt die Beladung der Fähre für einen Schwatz. Da öffnet auch Lutz Jokisch die Haube seines EMW 340 / 2 und man fachsimpelt, bestaunt den sauberen Motor. Dann ist die Fähre am Anlieger, Gingst wartet und das Mittagessen auf einem Bauernhof. Jürgen Petzold fährt zufrieden nach Juliusruh zurück. "Seinen" Lada hat er nicht gesehen. Aber einen Mosquitsch und vieles mehr.
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