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Texte / Reportagen

Forschen nach unsichtbaren Denkmalen
Unterwasserarchäologen sichern Wracks vor Dranske

Die Geschichte des Blohm & Voss Flugbootes BV138, das am 2. Mai 1945 vor Dranske abstürzte, ist bekannt. Der Pilot, hatte in diesen letzten Kriegstagen einen Arzt erschossen, weil er den Hitlergruß nicht erwiderte. Archäologische Taucher trugen zur Klärung bei.

Dranske · Die besagte BV 138 ist schon 1965 von einem Taucher entdeckt worden. TaucherErst 1984 jedoch gingen Froschmänner der damaligen Sektion Tauchen aus Dranske den Spuren genauer nach. Nur sie hatten damals die Lizenz zum Tauchen. Forschungstaucher Martin Gloede besucht das Wrack auch heute immer wieder im auftrag des Landesamtes für Bodendenkmalpflege, um seinen Zustand und mögliche Zerstörungen zu kontrollieren. Als Bodendenkmalpfleger und Unterwasserarchäologe. "Alles nachzulesen in dem Buch ‚Rügens geheime Landzunge', wiegelt er Fragen nach dem Flugzeug ab. Doch erinnert seine Kontrolle an dessen Denkmalstatus. Die Entnahme von Teilen ist verboten. An diesem Tag bei stahlblauem Himmel und Ostwind gilt Gloedes Interesse zusammen mit Bergungsleiterin Sunhild Kleingaertner, Taucher Mike Belasus und dem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger und Bootsführer Jörg Ehrismann zwei schwedischen Wracks direkt vor den Buhnen des Strandes. "Eines davon ist gefährdet, weil hier Strandaufspülungen erfolgen sollen", begründet Kleingaertner den zehntägigen Einsatz. Alle sind froh, dass der Wand stabil aus Osten kommt. "Bei Westwind geht hier nichts und die Schwebstoffe machen einen völlig blind", weiß Martin Gloede.

"Wir haben hier im Sommer schon einmal kartografiert, ein Fotomosaik erstellt und alles beschriftet, dann einen Teil abgeborgen und an die Buhnen gelegt", schildert die Leiterin den Sachstand. Es geht raus aufs Wasser. Flachbodenboote aus dem vermutlich 17. Jahrhundert mit Brandspuren liegen da. So viel können die Vier schon sagen. Zwei werden auch jetzt wieder tauchen und zwei in Reserve stehen und ihre Kollegen im Notfall oder bei Erschöpfung ablösen. "Rund zwei Stunden mit kleinen Pausen geht das Tauchen bei derzeitigen acht bis zehn Grad Wassertemperatur", erklärt Gloede, während er die Flasche prüft und nach den Flossen greift. Er will mit einem knallgelben Scooter Sand von schon geborgenen Teilen spülen. In einem vorherigen Arbeitsgang hatten die Taucher abwechselnd vom Boot aus in zwei Metern Tiefe Keile zwischen Spanten und Planken getrieben, um die Holznägel absägen zu können. "Das Holz riecht noch richtig nach Kiefer und Teer, erzählt Sunhild und man merkt ihr trotz dieses wenig spektakulären Jobs die Begeisterung für jeden Auftrag an. Schon geborgene Holzstücke sind zwischenzeitlich mit Nummernschildchen aus roter Plaste betackert. Auf Ballaststeine hat man die Nummer draufgeschrieben. Das dient dem Zusammensetzen. Und auch die Löcher der Bohrmuschel sind im Holz deutlich zu sehen. Neben Raubtauchern ein zweiter, ernst zu nehmender Gegner der Archäologen.

Taucher
Mit dem Scooter, der wie ein Gebläse unter Wasser funktioniert, spült
Martin Gloede Sand von Wrackteilen.

Aus ersten dendrochronologischen Untersuchungen des Sommers kennen die Experten nicht nur das Alter des Holzes. Ebenso seine Herkunft. Es kommt aus Schweden.
"Hier ungefähr müsste es sein." Sunhild Kleingärtner hat ein Kartenbrett wie bei Vermessern vor dem Bauch und lässt Jörg Ehrismann das rote Bergungsboot mit dem starken Yamaha-Motor in einem Buhnenfeld stoppen. Hier im Küstennähe nutzt man die eigene Bootstechnik vom Trailer. Geht es in tiefere Gewässer, wird der ebenfalls knallrote Seefuchs, ein alter und umgebauter Sassnitzer 23-Meter-Kutter gechartert. Martin geht über die Treppe ins Wasser, Mike gibt ihm den Scooter, der wie ein Gebläse funktioniert. Ein letztes Mal soll er runtergehen und die im Sommer zwischengelagerten Teile abbergen. Doch eine Überraschung wartet. Prustend kommt er wieder hoch. "Habt ihr dort Sandsäcke abgelegt? So richtig große?" Sunhild verneint. "Dann haben die hier die Buhnen gesichert. Die Holzteile müssen wir mit Gerät von Land abbergen."

Taucher Taucher
Erschöpft heben die Taucher die vollgesogenen Holzteile eines
schwedischen Wracks vor Dranske zum Abtransport aus dem Wasser.

Es geht zurück. Am Ufer ziehen die beiden Männer im Taucheranzug die Spanten so weit wie möglich im Wasser zum Land. "Wenn sie gehoben werden, sind sie unglaublich schwer", sagt die eher zierliche Sunhild und schleppt derweil Steine. Mit den letzten Hölzern auf dem Schultern kommen Mike und Martin erschöpft nach. Die Trockenarbeit kann beginnen.
küma
 
Rügen, 19.11.2003

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