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Texte / Reportagen

Kornkreise
Rügen ist ein Kornkreismekka

Rügen · (ostSeh/mv) Altefähr"Haben sie die Kornkreise selber gemacht?" fragen Spaziergänger die beiden Männer, die in einem Getreidefeld neben der B96 auf Rügen mit langen Stangen und Kameras daran hantieren. Grafiker Jan Schwochow aus Hamburg und Chemielaborant Frank Laumen aus Leverkusen kennen solche Unterstellungen schon. Sie befinden sich inmitten eines Musters in dem Weizenfeld, das durch seltsame Verwirbelungen der Halme auf rund 50 Quadratmetern geometrische Formen erhalten hat. Kornkreise, wie sie auch in Raps, Facelia oder gar Schilf schon gesichtet wurden. Frank Laumen, einer der Fotografen der Gruppe "invisible circle", kommt gerade vom Flugplatz Güttin. Ob sie nicht wüssten, wer die Kreise gemacht habe und nicht welche etwas weiter weg entstehen könnten, wurde er gefragt. Klar das Ansinnen. Kornkreise sind am Schönsten aus der Luft und bringen Umsatz für den Flugplatz. Doch darüber können Laumen und Schwochow nur schmunzeln. Sie nennen sich Kornkreisforscher und besuchen Rügen, weil 12 der in Deutschland gemeldeten 30 Formationen auf der Ostseeinsel zu sehen sind oder waren. Nahe Rambin beispielsweise, wo sie gerade aus vier Meter Höhe am Ende der Stangen die Kamera auslösen. "Dieser Kreis muss in der Nacht entstanden sein". Schwochow ist begeistert. "Keine Fußspuren, die typisch abgeknickten Halme in 10 bis 15 Zentimeter Höhe und das Getreide ineinander verwirbelt. So einen frischen Kreis habe ich noch nie betreten."

RambinFrank Laumen hat dieses Muster vom Flugzeug aus entdeckt, als er direkt daneben eine ältere Formation ablichten wollte. Fast alle Kornkreismeldungen für 2002 liegen im Südwesten der Insel, wobei Beobachtungen aus DDR-Zeiten auch Jasmund nennen, wie Waltraud Kummer aus Lohme frühere Beobachtungen bestätigt. Und weil Kornkreise vergänglich sind und die Forschung im Ungewissen, sucht sich ein Teil der Gruppe von insgesamt sechs Männern häufig ihr Urlaubsziel nach diesem Kriterium aus. Wobei Laumen am Tag vorher in Kassel auch schon geflogen ist und den Flug von einem Landwirt bezahlt bekommen hat, der unbedingt Fotos der Formation in seinem Feld haben wollte. "Das ist nicht die Regel", weiß vor allem Jan Schwochow, zuständig am Boden für die grafische Dokumentation und Vermessungen mittels Satellitennavigation. "Oftmals holen Landwirte die Polizei und erstatten Anzeige wegen Sachbeschädigung". Doch gegen wen? Der Rüganer Landwirt Stefan Hönck, auf dessen Acker der erste Kreis in diesem Jahr entdeckt wurde, sieht es gelassen. "Wenn keine Leute drin rumtrampeln, hält sich das mit dem Schaden in Grenzen. Ich mag nur nicht den Rummel mit Ufos und solchem Blödsinn." Doch gegen seriöse Forschung hat Hönck nichts. Darauf achten auch "croppies", indem sie auf ihren Internetseiten feste Verhaltensregeln bei Entdeckungen vorgeben. Vor allem nichts kaputt trampeln und Distanz halten, ist die Maßregel.

"Ich bin der Meinung, sie sind alle Menschenwerk", bekennt Harald Hoos aus Landau in der Pfalz. Auch er beschäftigt sich seit Jahren mit den Erscheinungen. Gemacht sagt er auch von den Rügener Kornkreisen, obwohl er sie nicht gesehen hat. Hoos kommt gerade aus England zurück, wo er die dortigen Kornkreise besichtigt hat. Ihm genügt die Faszination, die er beim von ihm empfundenen Zusammenspiel der Menschen und der Landschaft empfindet. Und ebenso wie Jan Schwochow veröffentlicht er Bücher zu dem Thema.

Güttin Kassel

"Wir gehen davon aus, dass die meisten der Formationen nicht von Menschenhand stammen", ist sich Jan Schwochow sicher. AuswertungIhre Antworten werden vorsichtig abgewogen. "Ufologen sind wir nicht", betonen beide jedoch sofort. "Eher analysiert unsere Gruppe das landschaftliche Umfeld und versucht, daraus Rückschlüsse zu ziehen". Alte Besiedelungsformen wie Hügelgräber oder große Steine sind Schwochow zufolge Orte mit Energie, von denen heute kaum noch Kenntnis besteht. Unterirdische Wasseradern könnten damit zu tun haben. Lokale Wirbelwinde ergeben eine andere Theorie. Doch Forscher sind vorsichtig mit öffentlichen Bekenntnisse. Zu schnell überlagern Vorurteile oder Unwissen das, was ja erst bewiesen werden soll. Die Geologie des Bodens, die geringe Leitfähigkeit von Mergel oder Kreide, Elektromagnetismus, ... nur ein paar Stichworte. Genauere Festlegungen gibt derzeit aber niemand. "Wir haben zwar einige studierte Wissenschaftler im Hintergrund, doch das Thema Kornkreis ist in der Öffentlichkeit zu stigmatisiert. Obwohl Kornkreise schon in alten Märchen wie dem der 12 Schwäne auftauchen. Doch wer will schon mit Unerklärlichem in Zusammenhang gebracht werden? Also machen Jan Schwochow und Frank Laumen in diesem Jahr wieder die Feldforschung, ein dritter Kollege ist in England, dem Mekka der (gefakten) Kornkreise und zu Jahresende geben sie gemeinsam wie seit einigen Jahren üblich eine Dokumentation heraus. www.invisiblecircle.de

Derweil aber wird ab 12. September 2002 der Hollywoodstreifen "Signs" die Debatte sicher neu anheizen.
küma
 
Insel Rügen August 2002

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