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Texte / Interviews

Naturtourismus bietet eigentliches Rügenpotenzial

Der Pädagoge Christian Zepf (35) war seit seiner Diplomarbeit über die Personalentwicklung im Nationalpark und der wissenschaftlichen Arbeit "Mit der Wildnis im Dialog" am Beispiel des Nationalparks Jasmund mit Rügen befasst. Seit August 2001 arbeitete er am Nationalparkzentrum. Erst als Bildungsreferent, später im Marketing. Nach fünf Jahren nun ist er ausgeschieden. Im gegenseitigen Einvernehmen und als einer der letzten des Aufbaustabes. Doch Zepf bleibt auf Rügen. ostSeh sprach mit ihm über Perspektiven.

?? ostSeh: "Warum sind sie nicht im Nationalparkzentrum geblieben, Herr Zepf?"

!! Christian Zepf: "Es gab keine Perspektive mehr für mich und fünf Jahre sind dann eine gute Zeit zum Aufhören. Da ich aus einer Unternehmerfamilie komme, kenne ich die Selbstständigkeit. Sie hat auch ihren Reiz. Einen richtigen Zeitpunkt dafür gibt es sowieso nicht. Das ist wie beim Kinderkriegen. Und den Markt des Naturtourismus auf Rügen kenne ich wie wenig andere."

??: "Dahin also soll die Reise gehen? Ein weiterer Touristiker oder haben sie bei ihrer Arbeit Nischen entdeckt?"

!!: "Nun, Vorhandenes lässt sich natürlich in ein Netzwerk einbinden und effektivieren. Aber es existieren vor allem zu wenig exklusive Angebote der Insel für Wiederkehrer. Die können nicht erneut das Nord/Süd-Programm geboten bekommen. Jagdschloss, Kap Arkona, Königsstuhl ... Die Hotels haben für Neuerungen meist keine Zeit. Wer jedoch blickt mit Gästen hinter die Kulissen von Gutshäusern, Schlössern oder geht andere Wege? Das müssen auch keine Reiseleiter von Rostock oder sonstwoher machen. Aktives Erleben ist das Thema. Mit dem Gast beispielsweise in den Sanddorn gehen, ernten, vor Ort pressen und dabei im Gespräch sein. Wir haben ein umfangreiches Themenpotenzial. Daraus müssen für unsere Touristen besondere Veranstaltungen entstehen. Das ist authentisch."

??: "Ruht sich die Insel also zu viel auf Bewährtem aus?"

!!: "Nun, meiner Meinung nach wird zu viel reagiert und wenig agiert. Nur wenige Touristiker holen ihre Gäste bei anderen Bedürfnissen ab wie das Hotel Park Ambiance in Sellin mit seinen erlebten Landschaften, das Atrium in Juliusruh mit geführten Wanderungen oder die AVR Göhren mit ihren Urlaubsrangern. Aus meinen Kontakten mit den Entscheidungsträgern weiß ich jedoch, dass der Bedarf an ökologisch und regional ausgerichteten Angeboten existiert. Das funktioniert mit vielen Themen. Die Kreide beispielsweise ist ein weiteres. Oder jetzt im Herbst die Vogelführungen."

??: "Also auch weitere Berührungen mit dem Nationalparkzentrum?"

!!: "Das weiß ich noch nicht. Aber ich wünsche den Kollegen dort auf diesem Weg erst einmal alles Gute. Und dass die jetzt noch vorhandenen Arbeitsplätze erhalten bleiben."

"Danke für das Gespräch."

© ostSeh 2006 / ANDREAS KÜSTERMANN

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