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Texte / InterviewsRügen mit seinen Schätzen bewahren
AHGZ: Herr Iwand, Sie haben den Touristikern auf Rügen 2004 mit ihrer Forderung nach Naturstandards ein schönes Päckchen mit auf den Weg gegeben. Was macht sie so sicher, dass sie der Insel Rügen touristisch mehr geben könnten? Wolf-Michael Iwand: Rügen ist für die TUI innerhalb des Deutschlandprogramms Modellregion. Rügen hat hervorragende Voraussetzungen dazu und dieses Schatzkästlein wollen wir natürlich bewahren. Deswegen komme ich weder mit Versprechungen noch mit Forderungen, sondern will Dialog. Das schließt nicht nur lokale Tourismusveranstalter und Behörden mit ein, sondern ganz klar die Bevölkerung. Ebenso wie die Naturschutzverbände. Dieser Prozess, den wir mit unserer Konfliktrecherche auf den Weg gebracht haben, bringt anderswo meist positive Ergebnisse. AHGZ: In der von Ihnen zitierten und für die TUI AG in Auftrag gegebenen "Konfliktrecherche Naturparke" sind Lösungsmöglichkeiten angeboten, das Verhältnis Natur und Wirtschaft zu entspannen. Wie würden sie am Beispiel Rügen damit umgehen? Wolf-Michael Iwand: Alle Interessengruppen müssen offen Farbe bekennen. Es ist ja eine Menge an Potenzial vorhanden. Ich habe zwischenzeitlich auch gemerkt, dass der Naturparkprozess weiter geht. Daher habe ich an der Eröffnung des Nationalparkzentrums am Königsstuhl teilgenommen, und der Erfolg gibt diesem ganzen Projekt absolut recht. Dort wird auch Natur in Wert gesetzt. Sie sagten eben, Natur und Wirtschaft auf Rügen und in der Tat geht es nicht nur um Tourismus, sondern wir müssen alle Wirtschaftszweige ebenso partnerschaftlich mit betrachten. Erst wenn wir feststellen, welche Wertschöpfung bei welcher Tätigkeit herauskommt, können wir uns gewisse Werte auch leisten. AHGZ: Sehen Sie mit ihrer Kenntnis anderer Naturparkregionen und deren Entwicklung ein rügentypisches Problem? Steht sich die Insel bei ihrer Entwicklung gar selbst im Weg? Wolf-Michael Iwand: Ich würde ihnen zustimmen, dass diese Probleme überall auftauchen, weil in den Naturparken mehr Bewegung drin ist. Unter dem Terminus wird eben massiver Naturschutz verstanden. Nicht jedoch, dass Naturparke im Grunde genommen sehr viel mehr als Nationalparke den Schlüssel für eine positive Regionalentwicklung beinhalten. Nun muss man sagen, dass Rügen eine unglaubliche Ausstattung an Großschutzgebieten hat und so respektiere ich auch die Meinung derjenigen, die bei FFH und Natura 2000 daran erinnern, dass es noch Aufgaben wirtschaftlicher Entwicklung gibt. Das will ich nicht unter den Teppich kehren. AHGZ: Wie also soll man beiden Positionen gerecht werden? Wolf-Michael Iwand: Das Bestreben der Touristiker, einfach ein anderes Label drauf zu machen, funktioniert jedenfalls bei uns nicht. Da fehlt eine grundsätzliche Philosophie über das Naturkapital der Region, mit dem man wie ein guter Vermögensanleger umgehen muss. Da würde ich mir wünschen, dass Rügen im landesweiten Dialog die Vorreiterrolle als die Sonneninsel Deutschlands erfüllt. Rügen weiß um sein Natur- und Kulturerbe. Dann erlangt Deutschlands größte Insel Rügen nicht nur heute Wettbewerbsfähigkeit, sondern garantiert auch noch für die Gäste im Jahr 2050 oder 2060. Unsere jüngsten Gäste wollen wir mit gutem Grund auch als rüstige Senioren noch auf der Insel sehen. Sie haben dann wieder mehr Interesse, weil sie nicht mehr so viel ins Ausland fahren. Dann erkennen sie, wie wertvoll Deutschland mit seinen Urlaubsgebieten ist. Die Rügenurlauber von morgen leben heute. Allgemeine Hotel und Gaststättenzeitung, Samstag, 05.02.2005
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