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Tierkadaver treten jeden Tag auf
Vogelkundler rätseln über Verbreitung durch Singschwäne Gingst/Bergen/Rügen. (ostSeh) Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU), der am Sonnabend auch Rügen besucht, äußerte sich im ZDF am Vormittag des Freitags kritisch über die Vorgehensweisen der Behörden auf Rügen. Seehofer wie Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Backhaus (SPD) kritisierten, dass der Landkreis seinen Aufgaben nicht gewachsen sei. Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) wies das in der morgendlichen Pressekonferenz des Krisenstabes des Landkreises Rügen empört zurück. Dietrich Raschke ist Gemeindevertreter in dem kleinen Ort Vieregge nahe des ersten Seuchengebietes der Wittower Fähre. Von seinem Haus aus beobachtete er am Montag noch vor den bestätigten Virusmeldungen der Vogelgrippe einen jungen Schwan beim Verenden. „Da hob er noch den Kopf, war aber schon apathisch", so Raschke. Weil er im Gemeindeparlament sitzt, bat ihn sein Nachbar Volker Gotthardt, doch bei den Behörden Bescheid zu geben. Gotthardt hält rund 20 Hühner nur wenige Meter entfernt und hielt sich an die Anweisung, auffällige Tiere nicht anzufassen. Raschkes Anrufe beim zuständigen Ordnungsamt des Amtes Südwestrügen in Samtens brachten jedoch keine Reaktion. „Lassen sie ihn doch in Ruhe sterben", habe ihm der zuständige Sachbearbeiter (Name der Redaktion bekannt) als Auskunft gegeben. Am Dienstag habe er in Samtens nachgehakt. Keine Reaktion. „Als ich den Bericht am Abend ím Fernsehen sah, rief ich direkt um 23 Uhr noch im Veterinäramt des Landkreises an. Da war tatsächlich jemand und die interessierte das auch", so Raschke. Geschehen sei wieder nichts. Abgeholt sei das Tier jedoch erst am Donnerstag vormittag worden, gab Raschke an. Petra Koch als leitende Verwaltungsbeamtin der regionalen Behörde erklärte auf Nachfrage, am Montag sei noch kein Personal dafür vorhanden gewesen. "Am Dienstag hatten wir dann zwei Leute, die an der Wittower Fähre eingesetzt wurden, wo die meisten Tiere lagen. Jetzt sind es 27 Einsatzkräfte, meist von der Feuerwehr, weil es nun höher angebunden ist", so Koch. Den Plan für Donnerstag, einen Helikopter einzusetzen, war wegen des Nebels ebenso wie am Fraitag misslungen. Im Laufe des Freitag Vormittags, jedoch lange nach der von Til Backhaus gesetzten Frist von zehn Uhr am Vormittag, arbeiteten wieder Fahrzeuge des Bauhofes und der Feuerwehr Stralsund vor Ort an der Wittower Fähre. Mit einem Eisschlitten der Feuerwehr wurden die weiterhin zahlreich verendenden Tiere in Ufernähe geborgen und von den Helfern in Schutzkleidung abtransportiert. Rund 80 Tiere liegen derzeit auf der Insel Riems zur virologischen Untersuchung vor. Vor Ort herrscht zunehmendes medieninteresse. Zahlreiche Fernsehteams aus Deutschland übertragen life vor Ort. "Solche Bilder gehen um die Welt", so Seehofer. "das müssen wir vermeiden, weil sie auch wirtschaftspolitische Bedeutung haben", betonte Seehofer bei der mittäglichen Pressekonferenz. Er habe kein Verständnis dafür, dass diese Plätze bis jetzt frei zugänglich sind. (c) 2006 andreas küstermann
Vogelgrippefälle auf Rügen: Geflügelwirtschaft
Bauer Kliewe nach der Stunde Null: Medienstar wider Willen/ Hoffen auf schnelle Entschädigung/ Der weitere Verkauf von Geflügelspezialitäten und von Futtermitteln sollen Hof über Wasser halten/ Kliewe will irgendwann wieder mit der Zucht beginnen Mursewiek/Rügen. (ostSeh) Der Geflügelzüchter Holger Kliewe gähnt. Reibt sich die Augen. An Schlaf konnte der Landwirt aus Mursewiek im Westen der Insel Rügen eine Woche lang kaum denken. Und auch jetzt, Tage nach der Tötung seines Geflügelbestandes von 2000 Hühnern, Gänsen und Enten, sieht es nicht besser aus. Im Viertelstundentakt rufen selbst abends noch immer Journalisten an. Gerade fragt einer, ob beim Keulen der Tiere ein Seelsorger dabei gewesen sei. Bauer Kliewe verneint. Nimmt sich aber doch die Zeit, den Anrufer detailliert aufzuklären. Der 42jährige Rüganer und sein 55 Hektar großer Hof mit Laden, Ferienwohnungen und Futtermittelhandel avancierte über Nacht zum Medienstar der Republik. Wider Willen, sagt er angekratzt. Nur weil er nahe beim ersten Fundort Virus infizierter Wildvögel liegt und durch den Hofverkauf jedermann zugänglich ist. "Mit den Journalisten", sagt er, "hätte ich auch meine Kundschaft ausgesperrt." Die bestehe nicht nur aus Privatleuten. Täglich kommen auch Hotel- und Küchenchefs der Sternehäuser Rügens zu ihm. "Dicht machen wollte ich daher erst auf behördliche Anordnung. Der Verkauf ist ja meine Existenz." Und die ist jetzt gefährdet. Stunde Null auf dem Hof. "Die Keulung hat mir dennoch einen riesigen Mühlstein von den Schultern genommen". Der Agraringenieur holt tief Luft. "Die Gefahr, dass sich auch mein Federvieh hätte infizieren können, war gegeben. Ein Makel, mit dem ich nicht hätte leben mögen." Er zeigte Verständnis für die Behörden. Genauso wie für das hektische Interesse der Medienmeute. "Bei uns am Bodden landen Wildgänse direkt neben meinen Wiesen. Was für unsere Urlauber stets ein Spektakel war, wurde nun zum Verhängnis." Aufgeben will er deswegen noch lange nicht. Ob man denn noch Tiere auf seinem Hof sehen könne, will nun eine Anruferin wissen. Sie habe für März gebucht. "Sicher", antwortet Kliewe. "Hasen, Kaninchen und die Haflinger-Pferde sind alle noch da". Solche Anrufe geben Hoffnung. "Uns bauen auch die vielen E-Mails und Briefe von Gästen und Bekannten auf. Obwohl sie oft wie Kondolenzschreiben klingen." Aber zum Überleben braucht der Betrieb mit 20 Beschäftigten mehr. Besonders dringend die Entschädigung aus der Seuchenkasse. "Beantragt ist alles. Eingegangen ist aber noch nichts." Viel Geld hat Holger Kliewe zusammen mit seiner Frau Susanne, ebenfalls studierte Landwirtin, in den ehemals elterlichen Hof gesteckt. Erst 2005 hatten sie den Laden mit Restaurant eröffnet. Geflügelspezialitäten wie Putenbuletten, Entensauerfleisch, Sülze und Salami gehen da über den Tresen. Auch Überland verkaufen die Kliewes ihre Spezialitäten. Geschmerzt hat ihn, dass ausgerechnet das örtliche Amt Präsentkörbe abbestellte. "Geflügel sei keinem mehr zu zumuten, lautete die Begründung." Bis Ostern will er die Lagerbestände verkaufen. Er hofft auf guten Absatz. Der Futtermittelhandel läuft. Seine Stammgäste halten ihm die Treue, wollen weiter auf dem Hof Urlaub machen oder, wie Hoteldirektor Stefan von Heine, bald wieder bei ihm einkaufen. "Ich werde bald wieder mit der Geflügelzucht anfangen." Kliewes Optimismus ist ungebrochen. Schon einmal, nach dem plötzlichen Tod seiner Eltern 1986, hat er den Hof aus dem Nichts wieder aufgebaut. Sollte das diesmal nicht gelingen, habe er noch einen Plan B. Wie der lautet, behält er für sich. (c) 2006 andreas küstermann
Informationen von Kreis- und Landeszüchtern
Gingst. (ostSeh) Manfred Puchert, Kreisvorsitzender der Rassegeflügel- und Kleintierzüchter, bestätigt, dass am Sonntag ab neun Uhr eine Veranstaltung mit Amtstierarzt Dr. Bernd Nostitz im Gingster Dorfkrug stattfinden soll. "Abgesagt hat er noch nicht", so Puchert. Ab zehn Uhr soll Dr. Nostitz zu den Problemen der Vogelgrippe sprechen. "Unsere Züchter haben ja meist keine Probleme, weil ihre Tiere in Volieren sind. Doch wenn ältere Menschen beispielsweise Hühner haben, fehlt ihnen oft der Platz für eine lange Einstallung und sie geben die Haltung auf", so Puchert, der bei längerer Stallpflicht auch Probleme für die Zucht bestimmter Rassen sieht. "Auch vom Landesverband kommt jemand und wir gehen davon aus, Informationen aus erster Hand geben zu können", so Puchert. Übergeben sollen an diesem Tag auch die Preise des letzten Kreisausscheideswerden. (c) 2006 andreas küstermann
Kleintierzüchter wollen differenzierte Betrachtung
Gingst. (ostSeh) Der Saal war voll am Sonntag im Gingster Dorfkrug auf Rügen. Alleine, der angekündigte Kreisveterinär Dr. Bernd Nostitz war nicht erschienen. "Hätte ich nicht angerufen, wäre nicht einmal eine Absage gekommen" empörte sich Kleintierzüchter-Kreisvorsitzender Manfred Puchert. Er war der Ansicht, eine Viertelstunde hätte Dr. Nostitz schon erübrigen können. Parallel war bei den Züchtern schon durchgesickert, dass beim nahe Geflügelhof Kliewe alles zum Keulen des Bestandes von rund 700 Tieren bereit stand. Wie zur bestätigung fuhr ein bereitgestellter Radlader und ein Transporter vorbei. Doch der ebenfalls herbeigeeilte Landesvorsitzende der Kleintierzüchter, Dieter Brandt, gab sich ebenfalls irritiert über die Vorgehensweise des Landkreises. "Ich verstehe nicht, dass die Chance einer solchen Veranstaltung mit Multiplikatoren nicht wenigstens kurz genutzt wird." Landrätin Kerstin Kassner hatte auf Pressenachfrage am Mittwoch selbst angeregt, dies zu tun. Brandt, der sich sehr zurückhaltend gab, sprach dennoch Klartext. Obwohl die Kleintierzüchter bei ihren privaten Beständen völlig andere Voraussetzungen hätten, würden sie nicht einmal eingeladen, wenn die Landestierärztin eine Veranstaltung mache. "Uns fragt auch keiner, wenn 1000 Tiere getötet werden", so Brandt, der deutlich machte, dass er auf keinen Veranstaltungen teilnehme, wo beraten wird, wie am besten und schnellsten Tiere getötet würden. "Der Landesverband tut alles, weil er gesunde und lebendige Tiere haben möchte. Ich halte es für einen Fehler, dass wir mit den Großbetrieben in einen Topf geworfen werden. Die Großanlagen haben mit unseren Mitgliedern nichts zu tun. Daher sollte uns das auch nicht treffen." Brandt verdeutlichte aus seiner Sicht, dass hier Fendbilder aufgestellt würden, die Züchter jedoch weder Tiere in den Handel brächten noch Bilanzen von Kosten und Nutzen erstellten. "Es sind zwei unterschiedliche Hemden, die nicht beide über den selben Kopf passen. Wir essen und verbrauchen das doch alles selber." Noch gebe es auch in Europa keinen Fall, dass die Seuche auf den Menschen über gesprungen sei. Denn die Bedingungen seien hier völlig anders bei den Hobbyzüchtern und den Profis. "Jeder, der sich von uns mit dem Geflügel beschäftigt, ist in erster Linie interessiert, dass der bestand Gesund bleibt. Dafür tun unsere Züchter viel." Eingestallt habe man daher auch schon vorher, obwohl dies für manche Rassen bedeute, dass sie sich eine Saison lange nicht vermehrten, weil das im Stall biologisch nicht gehe. Dennoch riet Brandt, derzeit keine fremden Tiere aufzustallen und auch nicht im Züchterkreis zu handeln. "Verendete Tiere sollten sie sofort beim Veterinäramt melden. Die Situation ist außerordentlich ernst und die Wissenschaft steht vor einem Rätsel der Übertragung. Lassen sie sich dennoch nicht wild machen von der Gerüchteküche." Brand hob vor allem darauf ab, dass die kleinen von ihm vertretenen Bestände wie bei Zoogeflügel immunisiert werden könnten. Das sei in einigen Ländern schon üblich. Und er bezweifelte, dass bei Kleintierzüchtern ohne Feststellung der Hühnerpest getötet werden dürfe. "Denken sie immer daran: Wer die Tötung anordnet, muss sie auch bezahlen. Eine Entschädigung wie bei den Profis gibt es für Kleintierzüchter nicht." (c) 2006 andreas küstermann
Jeden Tag neue Tierkadaver / untere Behörden überfordert / erste Stornierungen
Gingst/Bergen/Rügen. (ostSeh) Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU), der am Sonnabend auch Rügen besucht, äußerte sich im ZDF am Vormittag des Freitags kritisch über die Vorgehensweisen der Behörden auf Rügen. Seehofer wie Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Backhaus (SPD) kritisierten, dass der Landkreis seinen Aufgaben nicht gewachsen sei. Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) wies das in der morgendlichen Pressekonferenz des Krisenstabes des Landkreises Rügen empört zurück. Dietrich Raschke ist Gemeindevertreter in dem kleinen Ort Vieregge nahe des ersten Seuchengebietes der Wittower Fähre. Von seinem Haus aus beobachtete er am Montag noch vor den bestätigten Virusmeldungen der Vogelgrippe einen jungen Schwan beim Verenden. „Da hob er noch den Kopf, war aber schon apathisch", so Raschke. Weil er im Gemeindeparlament sitzt, bat ihn sein Nachbar Volker Gotthardt, doch bei den Behörden Bescheid zu geben. Gotthardt hält rund 20 Hühner nur wenige Meter entfernt und hielt sich an die Anweisung, auffällige Tiere nicht anzufassen. Raschkes Anrufe beim zuständigen Ordnungsamt des Amtes Südwestrügen in Samtens brachten jedoch keine Reaktion. „Lassen sie ihn doch in Ruhe sterben", habe ihm der zuständige Sachbearbeiter (Name der Redaktion bekannt) als Auskunft gegeben. Am Dienstag habe er in Samtens nachgehakt. Keine Reaktion. „Als ich den Bericht am Abend ím Fernsehen sah, rief ich direkt um 23 Uhr noch im Veterinäramt des Landkreises an. Da war tatsächlich jemand und die interessierte das auch", so Raschke. Geschehen sei wieder nichts. Abgeholt sei das Tier jedoch erst am Donnerstag vormittag worden, gab Raschke an. Petra Koch als leitende Verwaltungsbeamtin der regionalen Behörde erklärte auf Nachfrage, am Montag sei noch kein Personal dafür vorhanden gewesen. "Am Dienstag hatten wir dann zwei Leute, die an der Wittower Fähre eingesetzt wurden, wo die meisten Tiere lagen. Jetzt sind es 27 Einsatzkräfte, meist von der Feuerwehr, weil es nun höher angebunden ist", so Koch. Den Plan für Donnerstag, einen Helikopter einzusetzen, war wegen des Nebels ebenso wie am Fraitag misslungen. Im Laufe des Freitag Vormittags, jedoch lange nach der von Til Backhaus gesetzten Frist von zehn Uhr am Vormittag, arbeiteten wieder Fahrzeuge des Bauhofes und der Feuerwehr Stralsund vor Ort an der Wittower Fähre. Mit einem Eisschlitten der Feuerwehr wurden die weiterhin zahlreich verendenden Tiere in Ufernähe geborgen und von den Helfern in Schutzkleidung abtransportiert. Rund 80 Tiere liegen derzeit auf der Insel Riems zur virologischen Untersuchung vor. Vor Ort herrscht zunehmendes medieninteresse. Zahlreiche Fernsehteams aus Deutschland übertragen life vor Ort. "Solche Bilder gehen um die Welt", so Seehofer. "das müssen wir vermeiden, weil sie auch wirtschaftspolitische Bedeutung haben", betonte Seehofer bei der mittäglichen Pressekonferenz. Er habe kein Verständnis dafür, dass diese Plätze bis jetzt frei zugänglich sind. Der Hotelier Stefan von Heine, Hotel Park Ambiance, Sellin, spricht von ersten Stornierungen oder Umbuchungen und zitiert auch seine Kollegen in Selliner Kollegen aus der gemeinsamen Erfa-Gruppe dahingehend. "Wir haben schon alleine drei Absagen. Ein Stammgast sagte am Donnerstag, er sei mit seiner Familie emotional nicht in der Lage zu fahren. Da könnten sie nicht entspannen, wenn alle Welt von der Seuche spräche. "Das kann ich schon verstehen", so von Heine, ebenso die Parallelen zum Saisonauftakt im vergangenen jahr sieht. (c) 2006 andreas küstermann
Umgang mit Stornos verschieden
Rügen. (ostSeh - akn) Wie umgehen mit Stornos, ist die Frage der Stunde auf Rügen angesichts der Vogelgrippe. Die Rechtslage ist klar. "Storniert kann nur werden, wenn der Zugang zum Urlaubsgebiet per Anordnung verwehrt wird", sagte Prof. Ronald Schmid, Experte für Reiserecht an der Technischen Universität Dresden am Montag gegenüber Focus-Online. "Wenn ein Gebiet auf Grund einer Schutzmaßnahme gesperrt ist, kann und darf ich dort nicht hinfahren. Deshalb habe ich das Recht, kostenlos zu stornieren", erläuterte der Experte. Anneke Pilgrim trifft für das kirchliche Glower Hotel Atrium am Meer eine andere Aussage. "Wir verzichten bewusst auf Stornogebühren, obwohl wir seit gestern auch erste Stornos für März bekommen. Aber die Menschen haben eben keine Lust auf Katastrophenbilder im Urlaub. "Alles andere wäre kontraproduktiv", so die Marketingfrau. Ganz anders die Binzer Chefmanagerin von Arkona und Strandhotel Birte Löhr. Sie hält den Vogelgrippenachweis auf Rügen für keinen Stornierungsgrund und ihre Gäste zu gut informiert, dass sie das als Stornierungsgrund anführen könnten. "Wer jetzt zurücktritt, muss die anfallenden Gebühren bezahlen", so Löhr. Georg Heissler, Geschäftsführer der Appartementvermittlung Rügen (AVR) in Göhren verbucht mit seinen beiden Hotels und Appartements heftige Einbrüche. "Keine Neubuchungen und Stornos für die nächsten drei Monate", so sein erstes Fazit. "Das wird ein immenser wirtschaftlicher Schaden, der mit Bildern der Bundeswehr am Rügendamm anfing". (c) 2006 andreas küstermann
Vogelgrippefälle auf Rügen: Tourismus Rügen Stimmungsbilder
Sellin/Binz/Stralsund. (ostSeh küma/bem) Das Gastgewerbe auf der Insel Rügen verzeichnet die ersten Stornierungen aufgrund der mit dem Vogelgrippevirus infizierten toten Wildvögel. Ziemlich genau ein Jahr, nach dem Küstenabbrüche in mehr als 400 Mediennennungen die Insel in Verruf brachten. Besonders Gäste, die dieser Tage zum Urlaub auf Deutschlands größter Insel anreisen wollten, sagten wieder ab oder buchten den Urlaub auf später um. Nach Tagen der Seuchenbilder kommen auch komplette absagen. Einheimische, die es sich aussuchen können, versuchen durch Bekannte auf dem Festland die tägliche Fahrt durch die Seuchenwannen zu umgehen. Weitere Gäste stellen besorgte Fragen zu den Auswirkungen der Vogelgrippefälle. Die Hoteliers versuchen dem Trend mit sachlicher Aufklärung entgegen zu steuern. Das ergab eine Umfrage unter Vermietern. Immer weniger Hotels halten sich mit Aussagen zum aktuellen Gästeverhalten zurück. Noch verweisen sie darauf, dass die Buchungen für die Hauptsaison im Sommer weiterhin überraschend gut verlaufen. Nur vereinzelt stellten anwesende Gäste an der Rezeption verunsicherte Fragen, sagt etwa Uwe Petermann, Empfangschef vom Binzer IFA-Ferienpark, einem großen Hotelkomplex mit mehreren hundert Betten. Vereinzelte Anfragen wurden beantwortet. Stornierungen liegen auch jetzt nur vereinzelt vor. "Wir beraten besorgte Gäste im Zweifel auf Umbuchung zu einem späteren Zeitpunkt, so Petermann. Stabil bleibe die Lage dennoch durch viele Reisgruppen. In anderen Häusern gibt es zwischenzeitlich zunehmend Absagen von besorgten Urlaubern. "Bei uns waren es drei Stornierungen wegen der Vogelgrippe, jeden Tag eine", sagte Steffi Smolka von der Rezeption des Dorint-Hotels in Binz. Auch in kleineren Häusern und bei Ferienwohnungen gibt es Rücktritte. "Eine Partei hat heute abgesagt und den Urlaub auf Mai verschoben", sagte Elisabeth Schildt, die 13 Zimmer in Sellin vermietet. Auch von Nachbarn habe sie gehört, dass es spontane Stornierungen gebe. Bei anderen Vermietern reisten alle Gäste, die gebucht hatten auch an. Das bestätigte die Hotelfachfrau Ramona Mhamdi vom Selliner Dünenhaus. Horst Samulewitz von der Pension "Elisabeth" hatte auch noch keine Absagen. "Nur keine Panik machen, sondern aufklären", heißt sein Rat. Gelassen optimistisch sieht die Lage die Chefin der fünf-Sterne-Hotels Hotels Rugard und Arkona in Binz, einer Anlage mit 430 Zimmern. "Wir hatten nur eine Stornierung und haben sonst keinerlei aktuelle Probleme," schildert die Chefmanagerin Birte Löhr. Sie hält die Gäste für "super" darüber informiert, dass durch die toten Wildvögel keinerlei Gefahr für Menschen besteht. Für den Februar rechnet sie für ihre beiden Häuser sogar mit einer Spitzenauslastung von 70 Prozent. Außerdem seien Vogelgrippenachweise auf Rügen kein offizieller Stornierungsgrund. "Wer jetzt zurücktritt, muss die anfallenden Gebühren auch bezahlen" sagt die Arkona-Chefin Birte Löhr. "Kostenlose Stornierungen sind nur dann möglich, wenn ein Gebiet aufgrund einer Schutzmaßnahme gesperrt ist und der Gast da nicht hin kann", bestätigte auch der Experte für Reiserecht Prof. Ronald Schmidt gegenüber Focus-Online. Anneke Pilgrim, Marketing-Frau des Hotels Atrium am Meer in Glowe verzichtet dennoch auf Stornogebühren. "Gestern erhielten wir die beiden ersten Stornierungen für März. Die Gäste haben einfach keine Lust auf Katastrophenbilder. Gebühren machen aus Imagegründen dennoch keinen Sinn." Eine gute Zeit, bei An- und Abreise von und nach Rügen auch über die Bahn nachzudenken. Denn die Züge passieren mit lächelnden, zumindest staunenden Gästen den Rügendamm und auch an den Bahnhöfen Sassnitz, Binz und Bergen wird keine Seuchenmatte ausgelegt, bestätigte ein Mitarbeiter der Konzernzentrale. "Nur auf Anordnung." Die Autofahrer jedoch stehen, da das Passieren der Matten nur im Schritt möglich ist. Die Stauzeit am Rügendamm von und nach der Insel hat sich zwischenzeitlich auf zwei Stunden eingepegelt. Ohne Urlauber, nur der reine Tagesverkehr. (c) 2006 andreas küstermann
Feuerwehr ist empört über Seehofers Auftritt.
Gingst/Wittower Fähre. (ostSeh) "Wir sind sehr empört über den Auftritt des Bundes-Landwirtschaftsministers", wurde aus Kreisen der Rügener Feuerwehr von Gingst, Trent, Kluis und Samtens am Rande eines Einsatzes bei Kapelle geäußert. Der Trenter Wehrführer Olaf Spieker präzisierte, dass er sich von einem Informationsbesuch Horst Seehofers anderes erwartet hätte. "Der sprach vor drei verschiedenen Kulissen mit den Medienvertretern und war dann wieder verschwunden. Dass er uns fragt, die wir vor Ort die Tiere beseitigen, kam ihm wohl nicht in den Sinn", so Spieker, der am frühen Nachmittag auch mit anderem Unbill zu kämpfen hatte. Als die Kameraden bei Kapelle nahe Gingst weitere 20 Tote Schwäne bergen wollten, wurden sie mehrfach in ganz geringer Höhe von einem Helikopter mit Kamerateam überflogen. Normalerweise gelten für zivile Luftfahrzeuge Mindestflughöhen. Bis auf einen Meter kam der Helikopter herunter. 121 Helfer sind zwischenzeitlich neben zwei Bundeswehrtrupps auf Rügen im Einsatz. Wie Jens Peter Westphal, der stellvertretende Wehrführer von Trent. Er zog sich am Nachmittag mit zwei Kameraden zum Kadaver bergen an. Schutzanzug, Stiefel, Maske und Handschuhe mussten sein. Jemand hatte auch alte Besamungshandschuhe mit langem Schaft aufgetrieben. Nicht zu vergessen die Atemmaske. Das ABC-Fahrzeuig von Samtens stand auch abseits. Wie schwierig das Suchen an den gesamten 574 Kilometern Küste ist, zeigte sich exemplarisch in Kapelle. Für den Transport am und über das Eis benötigten die Kameraden ein Schlauchboot. Im schlammigen Wasser mit Wathosen laufen ging nur bedingt. An jedem Eck tauchten zudem neue Tiere auf, die teilweise noch ins Eis gefroren waren. Nationalparkwächter Willi Schröder hatte hier am Freitag schon elf Tiere ausgemacht. Und das nur von Land aus. Anwohner nannten gleich weitere Fundstellen. (c) 2006 andreas küstermann
Zu Vogelgrippe Clip gedreht
Karow/Rügen. (ostSeh) Es war beim Renovieren des Bades. Friedemann und seine Freundin Susann alberten über Vogelgrippe. "Kurz vorher bin ich fast von einem THW-Fahrzeug mit Blaulicht von der Straße abgedrängt worden. Es war einfach alles zu krass, die letzten Wochen. Dann haben sie uns noch am Rügendamm angehalten, ob wir Hühner im Bus transportieren." Sowas muss raus. Bei Friedemann Hinz (30) schlägt sich "sowas" in Worten nieder. Aus denen Songs werden. Der Shouter der Hardcore-Band C.O.R textet alles: "Hoch im Norden dieses Landes fern am schönen Oststseestrande, wo der Mensch noch gern verweilt, macht sich Angst und Schrecken breit". Vieles erlebt der Musiker auf seine subjektive Art, doch das Verhalten der Behörden ist für ihn objektiv überzogen, erzählt er. "Binnen drei Stunden stand der Text. Fünf musikalische Arbeitsschritte weiter mit den drei anderen C.O.R-mitgliedern, und alles war arrangiert. Nun steht "Mein Huhn hat Grippe" auf der Website von C.O.R . Und ist seither weit über 10000 mal heruntergeladen worden, sagt deren Provider "Selbst der Tierschutz richtete nach Gratulation einen Link ein. "Dabei war alles nur als Geschenk für unsere Fans gedacht. Zudem hatten wir nie daran gedacht, aus der Krise der Insel Kapital zu schlagen", ärgert sich Friedemann über manche Medien-Kommentare. "Wir finden den Umgang mit den Tieren einfach dekadent. Und das sagen wir." Zwischenzeitlich ist aus der Aktion ein Selbstläufer geworden. Radiosender wie Fritz oder Lohro spielen den Song und C.O.R ist darin irgendwie .... weicher. Das Lied ist nicht gebrüllt und zeigt eine unbekannte Facette der Hardrocker. "Dass wir als Band auch andere Seiten haben, kommt hier gut raus. Findet Friedemann. Ebenso erging es der Potsdamer Film-Produktionsfirma Apple Boxx. Die drehen Clips mit Rammstein oder kürzlich Knorkator. Apple Boxx will den Song mit Handlung diese Woche in Szene setzen. "Wir erfahren auch da eine riesige Solidarität. Normalerweise kostet solch ein Dreh 30000 bis 50000 Euro. Aber es soll mit Apple Boxx unser Beitrag sein, Rügen wieder normal zu bekommen. Das Medium Musik erreicht zu dieser Thematik mehr Menschen, als viele annehmen." ‚Verfolgt, gestellt und ermordet‘ ist die Kurzform der Handlung um das arme, kleine Huhn. Die Requisiten dazu stellt der Ausstatter SEK, bei dem der Name Programm ist. Martialische Beigaben sollen THW, BGS, GSG und andere symbolisieren. Da kommt Spannung auf. "Die komplette Produktion wird in Fernsehqualität gefahren," ist dem Musik-Profi Friedemann Hinz dann doch ein klein wenig Aufregung anzuhören. Denn ein Kontakt zu MTV existiert schon. Noch eine Woche Schniutt nach dem Dreh. Und dann.... Rüganer Jungs werden doch mal träumen dürfen.... (c) 2006 andreas küstermann
Tiere lagen tagelang rum
Gingst/Bergen. (ostSeh) Dr. Bernd Nostitz ist leicht genervt. Im Seuchenzentrum des Landratsamtes klingelt seit gestern Abend das Telefon. "Sprechen sie mit der Pressestelle. Wir müssen unseren Job machen", ist seine verständliche Ansage nachdem ersten Bericht von N24 heute nacht. Landrätin Kerstin Kassner bestätigt gleich darauf, dass vier gefundene Schwäne und eine Ente vom vergangenen Freitag nach einem ersten Untersuchungsergebnis vom Dienstag Abend mit dem Virus H5N1 infiziert seien. Gleichwohl gingen sie nun teilweise nach London ins Labor zur Gegenprobe. "Wir werden jetzt einen Krisenstab bilden", so Kassner. Zwischen Hiddensee und Rügen ist bis zur Wittower Fähre eine Zone von drei Kilometern Breite und zehn Kilometern Länge eingerichtet, in der schon seit längerer Zeit alles eingesammelt würde, was an Tierkadavern aufzufinden sei. "Die Jäger und Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind damit beschäftigt", so Kassner. Am Donnerstag ist Einstallpflicht auf ganz Rügen. Ganz andere Erfahrungen hat Dietrich Raschke gemacht. Von seinem Haus in Vieregge beobachtete er seit zwei Tagen einen jungen Schwan beim Verenden. "Am Montag hat er noch den Kopf gehoben", so Raschke. Seine Anrufe beim zuständigen Ordnungsamt in Samtens haben jedoch nichts gebracht. "Lassen sie ihn doch in Ruhe sterben", habe man ihm als Auskunft gegeben. Am Dienstag hatte er noch in Samtens nachgehakt. Keine Reaktion. "Als ich den Bericht ím Fernsehen sah, rief ich direkt um 23 Uhr noch im Landratsamt an. Da war tatsächlich jemand und die interessierte das auch." Manfred Puchert, Kreisvorsitzender der Rassegeflügel- und Kleintierzüchter hat ganz andere Sorgen. Am Sonnabend wollen sie eine Veranstaltung mit Amtstierarzt Bernd Nostitz im Gingster Dorfkrug organisieren. "Ab zehn Uhr sollte Dr. Nostitz dann zu den Problemen der Vogelgrippe sprechen. Unsere Züchter haben ja meist keine Probleme, weil ihre Tiere in Volieren sind. Doch wenn ältere Menschen beispielsweise Hühner haben, fehlt ihnen oft der Platz für eine lange Einstallung und sie geben die Haltung auf", so Puchert. Landrätin Kerstin Kassner will sich nun dafür einsetzen, dass Bernd Nostitz am Sonntag trotz angespannter Lage um zehn Uhr in den Gingster Dorfkrug kommt und interessierte Bürger sich so aus erster Hand informieren können. Illona Thom vom Ökohof Thom in Samtens sagt, für ihren betrieb sei das keine besondere Bedrohung, da die rund 700 Tiere wegen des Schnees schon eingestallt seien. Einbußen habe man vor allem im Herbst gehabt, weil Tiere im Stall immer reduzierte Leistung bringen. (c) 2006 andreas küstermann Haschisch in der Politik Rügens
Am Rande kommentiert
Ein Stück Haschisch - darüber könnte jetzt Gras wachsen. Wobei der Begriff Gras vielleicht ein wenig kokett ist in dieser Angelegenheit. Also reden wir vom Schwamm, der über das Piece gelegt werden könnte. Denn es ist nebensächlich. Darum geht es nur bedingt. Das öffentliche Interesse an einem solchen Sachverhalt entsteht durch den Umgang damit. Immerhin regiert auch Amerikas Vize Al Gore noch heute, obwohl er öffentlich seinen Marihuana-Konsum zugegeben hat. Mit der Aussicht, seinen Präsidenten früher oder später im Amt zu beerben. Clinton wiederum, der meinte, eine Lewinski Affaire aussitzen zu können, ist derzeit in arger Bedrängnis. Amerika kritisiert nicht sein Sexualleben. Amerika erwartet von einem Professor der Juristerei, daß er die Konsequenzen eines Meineides kennt. Oder einfacher: die einer öffentlichen Lüge. Wer ein staatstragendes Amt ausübt, wer über die Ordnungskräfte verfügt, wer medienwirksame Razzien veranstaltet, unterliegt diesem Interesse. Deshalb darf er trotzdem Mensch bleiben. Wenn nun auf der Insel geschwätzig Gramm zu Pfunden, zu Kilos werden, hat die Presse eine definierte Aufgabe. Diese heißt, anstatt von Amts wegen, Öffentlichkeit herzustellen. Ganz einfach machen es sich nun Politiker, die von einer Kampagne sprechen. Auch geschehen in der nichtöffentlichen Sitzung des Kreistages, wo der Sachverhalt umgekehrt werden sollte. Damit würde nach alter Traditon der Überbringer der schlechten Botschaft liquidiert. Nun täuscht sich aber, wer meint, daß es hier um Schuld ginge. Die ist in einem Rechtstaat erst zu belegen und so lange gilt die Unschuldsvermutung. Auch für den Juristen Rainer Feit. Doch die politischen Dimensionen bei einem obersten Ordnungshüter sind andere. Warum sonst wäre der Artikel (OZ 10.12.) am selben Tag zigfach kopiert im Amtsgericht kursiert? Warum gibt es seit Donnerstag eine neue Kultur von Witzen auf der Insel? Weil der gebotene, offensive Umgang mit diesem Sachverhalt unterblieb. Weil ausgesessen werden sollte. Und weil damit Tür und Tor geöffnet wurde, vom öffentlichen Wasserpredigen und heimlichen Weintrinken zu munkeln. Weil der Anschein einer Vertuschung so viel gewichtiger wurde, als die Unschuldsvermutung. Und das spricht gegen den Schwamm über der Sache.
Feit-Verfahren wurde erneut eingestellt
Feit-Verfahren wurde erneut eingestellt Kleve · Das Berufungsverfahren von Rainer Feit vor dem Landgericht Kleve wurde nach einer fast fünfstündigen Verhandlung am vergangenen Dienstag eingestellt. Der 1. Beigeordnete der Landrätin war am 11. September 1998 während der Einreise aus den Niederlanden im Zollgrenzbezirk von einer Zivilstreife angehalten und durchsucht worden. Sie fanden rund zehn Gramm einer Masse, die sie als Haschisch definierten, unter dem Beifahrersitz. Gegen die Einstellung des Verfahrens wegen geringfügigen öffentlichen Interesses hatte Feit mit Begründung seiner öffentlichen Position Beschwerde eingelegt und auf eine Verhandlung gedrungen. Im Verfahren auf der Klever Schwanenburg, in dem Rainer Feit neben seinem Essener Anwalt auch vom Bergener Amtsgerichtsdirektor beraten wurde, kamen mehr Widerspüchlichkeiten als Klärungen von beiden Seiten auf. So differierte die genaue Menge des Fundes, den die Fahnder nach ihrem Bekunden eindeutig definiert hatten, um ein Gramm. Der Versuch einer nachträglichen Prüfung der Masse scheiterte, weil sie im November 1998 schon vernichtet worden war. Auch die Erinnerungen der Zeugen waren nach einem Jahr nicht besser geworden. Streitpunkt war auch ein laut den Beamten während der Leibesvisitation abgelegtes Geständnis. Dem hatte Rainer Feit in der Verhandlung widersprochen. Er sei auf der Suche nach Lampen gewesen, die in Venlo wesentlich billiger zu haben seien als in Deutschland. Hauptgrund der Einreise sei aber der 90. Geburtstag einer Tante gewesen. Zur Erhellung des Sachverhaltes forderte der Anwalt die Vernehmung weiterer Zeugen, die des Amtsrichters aus dem vorherigen Verfahren und auch die Ladung beteiligter Personen von Rügen zu beantragen. Dies hätte eine Unterbrechung der Hauptverhandlung bedeutet und wurde abgelehnt. Das Ringen mit Finessen der Strafprozessordnung gipfelte in einem Misstrauensantrag des Verteidigers gegen den vorsitzenden Richter. Ein hinzugezogener Richter-Kollege lehnte diesen Antrag ab. Um nicht weiter an Feits Nerven zu zerren und das Gericht zu entlasten, signalisierte die Verteidigung der Staatsanwaltschaft Kompromissbereitschaft. Das Verfahren wurde wiederum eingestellt. Damals wollte Rainer Feit einen glatten Freispruch ohne jeden Makel erreichen. Das gelang auch diesmal nicht.
Eine Gerichtsreportage
Eine Gerichtsreportage Das Berufungsverfahren von Rainer Feit vor dem Landgericht Kleve wurde nach einer fast fünfstündigen Verhandlung am Dienstag vor acht Tagen eingestellt. Rainer Feit war am 11. September 1998 während der Einreise aus den Niederlanden im Zollgrenzbezirk von einer Zivilstreife angehalten worden. Im Verlauf der RoutinekontroIIe wurden die Fahnder mit rund 10 Gramm fündig. Gegenstand des Verfahrens war die Herkunft und auch die Frage, was genau dort gefunden worden war. Kleve · Auch ein Jurist hat es in den sogenannten Mühlen der Justiz nicht leicht, wie das Klever zweitinstanzliche Verfahren unseres ersten Beigeordneten zeigte. Und dabei hatte er auf der mittelalterlichen Schwanenburg in der Stadt nahe den Niederlanden zur Beratung noch hochkarätige Unterstützung in Person des Bergener Amtsgerichtsdirektors Eggers mitgebracht. So findet sich im kalten Flur der zum Gericht umgewidmeten Burg eine kleine Schar von Menschen ein, die sich während der Wartezeit skeptisch beäugt. Staatsanwältin, Zivilfahnder, Juristen und die Presse. Da Strafprozesse meist öffentlich sind, begibt sich dieses Grüppchen zur Urteilsverkündung des vorherigen Termins in den wärmeren VerhandlungsaaI. Dort verkündet der Einzelrichter mit seinen beiden Laienrichtern (Schöffen) gerade ein Urteil, bei dem er die charakteristischen Eigenschaften von Beschaffungsfahrten in die Niederlande darlegte. Schliesslich kenne man sich damit in Kleve aus. Das unverhoffte Publikum nahm's mit Interesse zur Kenntnis. Immer gut zu wissen, wen man da so vor sich hat. Mit einer halben Stunde Verspätung beginnt dann der eigentliche Termin. Mit Bedacht der letzte auf der Tagesordnung, betont der Vorsitzende zu Beginn der Verhandlung. Denn das sei Sinn dieser zweiten Instanz, dass genügend Zeit vorhanden wäre, alles nochmaIs ausführlich zu beleuchten. Und diesem Anspruch wird er gerecht. Ausführlich lässt er sich von Rainer Feit den Sachverhalt, die Gründe der Fahrt und vor allem des Grenzübertritts schildern. Auch sein Arbeitsverhältnis kommt dabei zur Sprache, in das er nur "gegen erheblichen Widerstand wesentlicher Teile der Inselpolitik und der Landrätin" gewählt worden sei. Da eine Besprechung wegen des Theaterbudgets auf Rügen länger gedauert habe, als angenommen, sei es auch viel später geworden und so waren die Geschäfte in Venlo, Niederlande um kurz vor halb neun schon geschlossen. Von Rügen ist man eben die Bäderregelung mit längeren Öffnungszeiten gewohnt. Und weil Rainer Feit sich an einer bestimmten Abfahrt dort immer verfährt, landete er nach Absetzen eines Tramperpärchens auf der Landstrasse. Das hatte fatale Folgen.
Von Zivilfahndern aufgebracht Die beiden Zivilfahnder, ein Kriminalkommissar und ein Oberkommissar, machen ihren Job dort schon sehr lange. Fremde Kennzeichen auf der Landstrasse seien schonmal ein Grund für eine intuitive Kontrolle. Zuerst alles Routine. Eigensicherung, Papiere abverlangen und diese überprüfen. Kein Führerschein, aber dafür die Karte des deutschen Jagdverbandes. Und die Frage: War die Brieftasche mit den Papieren runtergefallen und der alte Ordnungsamtsdienstausweis und Jagdschein zufällig oder gezielt vorgewiesen worden? Man führt ein lockeres Gespräch. Dann kommt es zur Sache. Rauschgiftfahndung. Ob man den Wagen kontrollieren könne. "Rauschgift habe ich nicht - sie können gern nachsehen", war die Antwort von Rainer Feit. "Dann war wie vom Donner gerührt, als der jüngere Beamte auf uns zukam und eine Tüte in die Höhe hielt." Eine vom durchsuchenden Beamten und seinem Kollegen nach Augenschein im Protokoll und der ersten Verhandlung als Haschisch definierte Pressmasse zwischen 9,3 und 10,3 Gramm von einer Druckleisten- und Gummibärentüte ummantelt, soll sich im Wagen unter dem Beifahrersitz befunden haben. Der Rechtsbelehrung des nunmehr Beschuldigten folgt nach Aussagen der Beamten die Leibesvisitation, im Amtsdeutsch der Beamten fortan mit körperlicher Durchsuchung bezeichnet. Während einer weiter durchsucht, greifen langgeübte Verhörstrategien. "Meist muß man nach solch einem Fund Druck machen, weil die Spannung raus ist", erläutert der ältere Beamte. Bei der Leibesvisitation soll das umstrittene Geständnis gegenüber dem Beamten gefallen sein. An sowas wie "das habe ich mir geholt, aber mehr sage ich nicht", will sich der, Fahnder erinnern. Rainer Feit bestreitet dieses überhaupt. Weil der Satz ohne den Kollegen als Zeugen gefallen sei, erwähnte der Fahnder ihn im Protokoll gar nicht erst. Sagt er auf Vorhalt aller Seiten, dass dies doch ein schwerer Fehler sei. Ein Punkt, auf dem alle Beteiligten lange herumreiten. Gilt der Mann doch als Profi und erfahren. Seine Begründung: Richtig grosse Verfahren und Untersuchungen gingen erst ab 70 Gramm los. Hier sei man von einer vereinfachten Verfahrensweise ausgegangen. "Wir wollten auch nichts falsch machen, weil er gleich mit seinem Dienstausweis gekommen ist." Das sollte die Staatsanwaltschaft entscheiden. "Wir hatten schon Beamte, Doktoren oder Rechtsanwälte. Für uns nichts besonderes." Aber ein gutes Gefühl habe man dabei auch nicht gehabt, hatte der jüngere Kollege vorher noch ausgesagt. Einig ist man sich wieder darüber, dass Rainer Feit dann sehr drastisch auf die Folgen des Fundes hingewiesen habe. "Leute tut mir das nicht an. Wenn das ruchbar wird, kann ich mich ja gleich aufhängen - ich habe Familie" soll gefallen sein. Hier widerspricht niemand. Mit Begründung seiner herausragenden Position hatte Rainer Feit gegen die ursprüngliche Einstellung des Verfahrens wegen geringfügigen öffentlichen Interesses Beschwerde eingelegt und auf eine Verhandlung gedrungen. Gegen den daraufhin erlassenen Strafbefehl durch die Staatsanwaltschaft von zehn Tagessätzen a 250 Mark legte er damals Rechtsmittel ein. So folgte eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Geldern. Dort legte wiederum die Staatsanwaltschaft Berufung gegen den Freispruch ein. Juristischer Poker vom Feinsten Das Verfahren auf der Klever Schwanenburg brachte mehr Widersprüchlichkeiten als Klärungen von beiden Seiten auf. So differierte die genaue Menge des Fundes, den die Fahnder nach ihrem Bekunden eindeutig als Haschisch definiert hatten, um ein Gramm. Der Versuch einer nachträglichen Prüfung der Masse scheiterte, weil schon im November 1998 vernichtet. Auch die Erinnerungen der Zeugen nach einem Jahr sind nicht besser geworden, gehen wiederum aber weiter ins Detail, als beim Amtsgericht. Zur Erhellung des Sachverhaltes sollte das Vorhaben des Anwaltes dienen, die Vernehmung weiterer Zeugen wie den Amtsrichter des vorherigen Verfahrens und auch die Ladung beteiligter Personen von Rügen zu beantragen. Dieses hätte eine Unterbrechung der Hauptverhandlung bedeutet, was nach Strafprozessordnung für 12 Tage möglich ist. Mit Hilfsbeweisanträgen, die dann Beweisanträge werden, wird gereizt, weil erstere laut Rechtsprechung des BGH erst im Urteil beschieden würden. Das Ringen mit Finessen der Strafprozessordnung gipfelt in einem Befangenheitsantrag gegen den vorsitzenden Richter. Denn dieser spricht bei Protokollierung der Vernichtung des Asservats von "Betäubungsmitteln" statt "Gegenständen", wie ihm aus dem Zuschauerraum vom beobachtenden Richterkollegen Eggers noch korrigierend zugerufen wird. Mit mißbilligendem Blick wiederholte der Richter nochmals "Betäubungsmittel". Zurufe bei Gericht aus dem Publikum werden in der Regel sofort gerügt und geahndet. Grund für die Aussage der Verteidung, der Richter sei schon zu einem deutlich früheren Zeitpunkt festgelegt und beeinflusse die Schöffen dadurch. Revisionsgründe werden gesammelt. Mittlerweile ist es 15 Uhr. Immer wieder hat es Unterbrechungen durch Anträge und Beratungen gegeben. Der nach Geschäftsverteilungsplan hinzugezogene Richterkollege, vom Vorsitzenden auf den Fluren gesucht, lehnte den Befangenheitsantrag ab. Als der Richter dann zwei Beweisanträge ablehnt, sich aber bereit findet, den Amtsrichter zu laden, wendet sich das Blatt. Hat er doch damit signalisiert, alles zur Aufhellung mögliche unternehmen zu wollen. Überraschend signalisiert die Verteidigung ab diesem Punkt dann doch der Staatsanwältin Kompromissbereitschaft, auch wenn sich letztere nicht bereit findet, die Einstellung zu beantragen. Schließlich kommt die Berufung von ihr. "Um nicht weiter an den Nerven des Angeklagten zu zehren und die Gerichtsbarkeit zu entlasten", wie der Verteidiger begründet, wolle man nun doch auf Einstellung plädieren. Somit erfolgt diese (Paragraf 31 Absatz 2, BtmG) unter gleicher Begründung, wie im Jahre 1998 schon von der Staatsanwaltschaft vorgenommen. Damals wollte Rainer Feit einen glatten Freispruch ohne jeden Makel, erreichen. Sicher verständlich. Doch die Göttin Justitia mit der Feinwaage ist ja bekanntlich blind. lebendige Kulturinsel
Klassenkampf um Erhalt der Güter
Klassenkampf um den Erhalt der Güter Alle finden Gutsanlagen schön, anziehend, reizvoll. Wenn sie restauriert sind. Alte Anlagen sind häufig ungeliebt. Denn sie erfordern viel Geld für Instandsetzung. Eine Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung führte vergangene Woche Experten und Enthusiasten auf Rügen zusammen. Venz · Eine Gutsanlage auf Westrügen. Repräsentativ für viele der ehemals 216 Güter und Domänen auf der Insel, die inclusive der Besitztümer derer zu Putbus einmal rund 60 000 Hektar ausmachten. Das zentrale Gebäude mit mächtigen, verzierten Schweifgiebeln zeugt von viel Arbeit. In der Vergangenheit und der Zukunft. Denn neben der architektonischen Fassade warten lnnenausbau und Farbgebung auf Realisierung. Wie viele Gutsinhaber wohnt auch das Ehepaar Berger einstweilen bescheiden in einem kleinen Nebenbau. Nicht sichtbar weil in den Mauern verborgen ist ein mittelalterlicher Wehrturm, der bis in die Zeit der ersten Nennung 1486 zurückzuführen ist. Und daran zeigt sich der wahre geschichtliche und kulturhistorische Wert solcher Anlagen. Doch die Rettung oder Revitalisierung der 2201 Anlagen im Land stößt auf Widerstand. Rund zehn Prozent davon, so hatte Ministerpräsident Ringstorff einmal vorgegeben, könnte sich das arme Land leisten. Das ruft noch heute bei den 130 versammelten Experten aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung auf dem wiedererstellten Venzer Kornboden Empörung hervor. Sie waren dem Ruf der Friedrich-Ebert-Stiftung zu dieser Tagung so zahlreich gefolgt, dass die Veranstaltung, initiiert durch die Venz-Erbin Dr. Sibylle Berger, wegen Überfüllung fast als Geheimtip gehandelt wurde.
Rolf-Peter Bartz, selbst im Förderverein ECOVAST aktiv, weiss, dass auch neue Nutzungen noch kein Garant für die Weiterexistenz sind. "Der Erhalt erfordert eine hartnäckige und geduldige Öffentlichkeitsarbeit. Denn die Anlagen sind Teile unserer eigenen ldentität." Doch dem stehe oft die Meinung in der Bevölkerung gegenüber: "Lasst das doch, das regelt sich von selbst", womit sich in ärmeren Regionen das Unverständnis über das Engagement für vermeintliche Feudalbauten ausdrückt. Woher dies kommt, erläutert Dr. Dirk Schleinert vom Landesarchiv Greifswald, der beispielsweise den undifferenzierten Junkerbegriff und seine Politisierung bis in die heutige Zeit als Ursache ausmacht. Leibeigenschaft, Feudalherrschafft und andere Begriffe würden damit weiterhin transportiert bis hin zur Ideologie der Rittergüter in der NS-Zeit, wo durch die NS-Agrarpolitik den Erfahrungen des Steckrübenwinters im ersten Weltkrieg vorgebeut werden sollte und daher die Güter als wichtige Lebesmittellieferanten privilegiert waren. Eine These, die auch Dr. Wolfgang Urban am Beispiel Gottlieb von der Lancken zu belegen versuchte, dem bis heute ein falscher Ruf als Despot anhafte.
Darf man über Hitler lachen?
OAZ: Herr Somuncu, sie lesen als Einziger in Deutschland aus Hitlers mein Kampf. So viel ich weiss, hat die bayerische Regierung da die Hand drauf. Dürfen sie das? OAZ: Sie haben sich entschieden, nicht das Tuch der Verdunklung darüber zu legen und gehen einen anderen Weg... OAZ: Die Kritik ist, dass sie mit einer ernsten Tatsache Klamauk veranstalten. Sie klingen aber und nachdenklich... . Wie würden sie ihre Art der Auseinandersetzung mit dem Buch bezeichnen? OAZ: Könnte man sagen, dass sie das Buch entmystitizieren? OAZ: Haben sie Angst bei ihren Lesungen? OAZ: Gibt es denn Vorkommnisse, die neben der Routine von 260 Vorstellungen Angst aufkommen lassen?
OAZ: Sie sind auch Türke. Was löst, die Arbeit bei den Lesungen in ihnen aus? Ist das nicht manchmal abstrus, bedenkt man, dass gerade das Wort "Türken raus" den gleichen Klang in Deutschland hat, wie damals "Juden raus"? OAZ: Werden häufig Veranstaltungstermine von Schulen abgelehnt?
Doch: Auch über Hitler darf gelacht werden
Der Schauspieler Serdar Somuncu war keine komische Nummer Die Zeit ist reif. Und lange hat es gedauert. Allerorten entstehen neue Umgangsformen um die Person Hitler, dem Thema Faschismus. Nun hat sich die Böll-Stiftung dem Thema angenommen. Eine Variante davon konnte vergangene Woche auf Rügen frei Haus erfahren werden. Ohne das bekannte Moralin und vor allem für Jugendliche im Rahmen des Geschichtsunterrichts aufbereitet. Die Chance der freien Veranstaltung am Abend für älteres Publikum nutzten allerdings wenige.
"Wir hatten nie gedacht, dass das so spannend ist und sind überrascht", bedanken sich Janet Vahldieck und Julia Ficht bei ihm. Ihnen wurde die Geschichtsstunde nicht langweilig. Szenenwechsel ins Sassnitzer Ostseegymnasium. "Wir haben gehört, was dieser Mann so drauf hat und da erwarten wir Hintergrundwissen und Spannung', äußert sich Mario Hanke vor Somuncus Auftritt und auch Jana von Dach will mehr, als Unterrricht absitzen. Die Schüler sind exzellent vorbereitet, die Lehrer weniger. Lange nach Beginn betreten Pädagogen den Raum und als Somuncu gerade zum Thema KZ ansetzt, lauft der Chemie-Kurs pünktlich mit dem Gongschlag durch die Aula. Mitsamt der Lehrerin. Unter sarkastischem Kommentar des Mimen. Doch auch hier ist lmprovisation sein Programm, belegt von Fakten. Schon diese Vorstellung gleicht kaum der Anderen. "Für Schüler muss ich das so aufbereiten, dass sie sich von mir abgeholt fühlen und nicht den moralischen Zeigefinger vermuten." Ganz anders auf der dritten Vorstellung am Abend in einem Zirkuszelt in Zessin. Ruhig geht es dort zu, weil er das Gefühl hat, die Gäste benötigten keinen didaktischen Anspruch sondern einfach Information. Wenn auch nur 20 Zuschauer gekommen sind. "So viel hab' ich noch nie gelesen", beendet er völlig erschöpft den Tag.
Oper nicht nur für Experten
Das war das letzte Festival
Lauterbach · Am Ende der zweiwöchigen Spielzeit war die Resignation auch in der Stimmung zu spüren, die unter dem Eindruck eines Fiaskos der Besucherzahlen litt. Zahlen wie zu Anfang vor sieben Jahren beim Beginn des Festivals in Putbus, meinte Beate Keitel in der zweiten Woche eines Abends resigniert und wohl auch etwas traurig. Zu dieser Zeit war Wilhelm Keitel auf das Thema "Runter von Rügen" noch nicht gut zu sprechen. Doch nach dem sonntäglichen Picnic musicale, bei dem schon kein Eintritt mehr erhoben worden war und dennoch kaum Publikum erschien, seien Keitels mit einigen Vertrauten, darunter auch Ausstatter Peter Schmidt, in Klausur gegangen und hätten den Entschluss festgeklopft, bestätigte Beate Keitel auf Nachfrage am Dienstag telefonisch die Entscheidung. Gerhard Reese, Putbuser Bürgermeister, bedauert die Entscheidung, so sie tatsächlich feststehe, will sie aber derzeit noch nicht kommentieren, weil er zum Zeitpunkt der Anfrage keine offizielle Kenntnis davon hatte.
küma Mysteriöser Untergang der "Beluga"
Gedenken an Besatzung der Beluga
Sassnitz. (ostSeh) Rund 20 Angehörige und Freunde trafen sich am Sonnabend in Sassnitz zum Gedenken für die auf See gebliebenen Hochseefischer. Ein gleichnamiger Verein lädt seit dem Untergang des Fischkutters Beluga (SAS 104) immer am Sonnabend vor dem 18. März ans Mahnmal neben den Kurplatz. Auch diesmal dominierten die Anverwandten von Lehrling Martin Senfft (19), Maschinist Hartmut Gleixner (40) und Kapitän Frank Schneider (38). "Wir haben auch Angehörige des am 8. November 2006 verunglückten Kutters Hoheweg eingeladen." Sagt Beate Schneider ein wenig traurig, dass sie ihre angebotene Unterstützung bei der Trauer für die Angehörigen der beiden dabei verunglückten Rügener Fischer nicht anbringen können. Das Schiffsunglück der "Beluga" jährt sich am 18. März zum zehnten Mal. 2009 konnten die Mitglieder des eigens gegründeten Vereins für die auf See gebliebenen Fischer mit einer Spende die Stadt Sassnitz veranlassen, das Mahnmal aus DDR-Zeiten zu renovieren. Der Sassnitzer Kapitän im Ruhestand Jürgen Stange pflegt es und bereitet es an solchen Tagen vor. Doch etwas trennt die beiden verunglückten Schiffe auch. Während der Untergang der Hoheweg in einem Sturm akribisch bis zur Aufklärung untersucht wurde, fehlen für den plötzlichen Beluga-Untergang bei mondheller Nacht und Windstärke drei bis heute plausible Gründe. "Es haben sich eigentlich immer neue Rätsel aufgetan, auf die beispielsweise Schiffsgutachter Kersandt bis heute hinweist. Doch selbst der Petitionsausschuss hat es nicht für notwendig befunden, die Akten der Marine zu Unstimmigkeiten einzusehen", so Beate Schneider. Daher bleibt sie in der Öffentlichkeit. Die anderen Angehörigen schweigen.
15.03.2009
Beate Schneider lässt nicht locker
ostSeh??: "Frau Schneider, wie ist das als Frau des verunglückten Kapitäns, zehn Jahre nach einem ungeklärten Unglück wie dem Untergang des Fischkutters Beluga? Sie reden noch darüber, die beiden anderen Frauen schweigen zwischenzeitlich in der Öffentlichkeit..." Beate Schneider!! "Für uns und mich ist das ja dennoch nicht abgeschlossen. Eben habe ich das Buch von Lutz Riemann und Michael Schneider über den Untergang nochmals gelesen. Alles ist noch unvorstellbar und ich will da einfach nicht locker lassen. Das Schlimmste für mich ist, dass mein Mann auch noch Schuld tragen soll." ostSeh??: "Haben sie nochmals etwas für sie Erhellendes gehört?" B.S.:!! "Nun, Gutachter Dr. Diethard Kersandt hatte ja auf die verschiedenen Computerausdrucke des Schleppers Eisvogel für eine Position hingewiesen. Welche sind richtig? Stand der Kran innenbords oder außenbords bei Auffinden des Kutters und wie kamen die Schäden da hin und an das Brückenhaus? Wegen des internationalen Marine-Manövers ‚Jaguar‘ im Seegebiet hätte der Petitionsausschuss zumindest noch bei der deutschen Marine nachfragen müssen, was es an Aufzeichnugnen gibt. Ausländische Streitkräfte dieses internationalen Manövers sind ja überhaupt nicht gefragt worden. Aber da hat uns der Abgeordnete Adam dann auch im Stich gelassen, obwohl er auch im Verteidigungsausschuss saß. Bis heute habe ich daher die Hoffnung, dass irgend jemand sagt, ‚jetzt trau ich mich, etwas zuzugeben‘. Sonst bleibt die Wut, die ich auch an meinen Kindern sehe." ostSeh??: "Was enttäuscht sie noch heute? B.S.:!! "Dass der Petitionsausschuss auf meinen Brief 2007 gar nicht mehr geantwortet hatte. Dann schickten die einen Brief an Peter Michael Diestel, der nicht mehr unser Anwalt war. Und wir mussten 2008 aus der Zeitung erfahren, dass der Petitionsausschuss seine Arbeit in Sachen Untergang der Beluga einstellt. Schauen sie auf den Untergang des Fischkutters Hohe Weg. Das ist zweieinhalb Jahre später lückenlos aufgeklärt. Uns dagegen bleiben nur zahlreiche Fragen."
Danke für das Gespräch.
Der Untergang der BELUGA von Michael Schmidt und Lutz Riemann
Sicher ist, dass in der Nacht vom 18. März alles sehr überraschend kam. Offensichtlich hatten Maschinist Hartmut Gleixner und Lehrling Martin Senfft auf dem letzten Weg von ihren Kojen hoch zum Deck nicht einmal Zeit gehabt, Überlebensanzüge anzulegen, während Kapitän Frank Schneider ein "Manöver des letzten Augenblicks" fuhr, wie die Fahrthebelstellung auf „Rückwärts“ annehmen lässt. Und nicht einmal Zeit für einen einzigen Pieps am Funk, für Funkfreak Frank Schneider. 15 bis 20 Minuten Überlebenskampf bei drei Grad Wassertemperatur folgten. Bergungskräfte stellten zwei Wochen später im Sassnitzer Hafen keinen äußeren Grund für das schnelle Sinken des seetüchtigen Kutters fest. Er fischte nicht und es gab keine Hinweise auf eine technische Havarie. Das Rostocker Seeamt fällte dann den Spruch, der laut Fischer Fritz Peters, einem Freund von Kapitän Frank Schneider, nach einer "zielgerichteten Befragung..." zustandekam. Das ergänzte Anwalt Diestel durch den Zusatz "... mit Blick auf ein bestimmtes Ergebnis". Demnach soll die Beluga schon mit einer großen Menge Schmutzwasser im Fischbearbeitungsdeck ausgelaufen sein, obwohl zuvor wegen einer Reparatur tagelang nicht gefischt worden war. Fritz Peters bestreitet das vehement. Denn er war am 17. März noch an Bord, um den Platz für eine neue Netztrommel zu vermessen. Anders als in der Rostocker Verhandlung vernahm das Hamburger Oberseeamt ausgiebig die Taucher zum vorgefundenen Zustand des Wracks. Froschmänner des BGS und der Wasserschutzpolizei MV waren wiederholt getaucht, um nach der Besatzung, später nach Beweisen zu suchen. Alle Taucher wurden detailliert nach ihrem Wissen um die Stellung des Bordkranes befragt. Von dessen Beschädigungen leiten die Sachverständigen der Angehörigen ihre Theorie des Fremdverschuldens ab. Denn statt in Ruhestellung hing dieser mit ausgeschwenktem Arm über der Backbordseite. Doch seit wann? In früheren Aussagen von Froschmänner schon vor dem 24. März. Doch erst da riss sich der Anker des BGS-Schiffes Neustrelitz los, dem die Beschädigungen offiziell nach einem missglückten Ankermanöver zugeschrieben werden. Nach Feststellung des renommierten Brandenburger Materialkundlers Dr. Klaus Ibendorf, bestätigt vom Gießener Materialexperten Prof. Hermann W. Kurth, habe es sich bei am Kran festgestellten Spuren um „eine Trosse von wenigstens 18 Millimetern oder dem Teil einer größeren Trosse in gespanntem Zustand gehandelt“, die den Kran in seine Position gezogen haben könnte. Darauf deuten nach Gutachtersicht Schleifspuren am Platz des abgetrennten Hydraulikmotors. Die These, des missglückten Ankermanövers nahm die Kammer als gesichert an. Nicht dagegen, dass eine Trosse den Hydraulikmotor abgerissen und den Kran aus seiner Ruhestellung gelöst haben könnte. So muss offiziell die Frage nicht gestellt werden, woher die Trosse gekommen sein könnte, über deren Schleifspuren sich wenigstens zwei Kriminaltechniker einig sind. Von einem zivilen oder militärischen Schleppverband? Wolfgang Henckel, Chef der Sassnitzer Seefischer e.G ist aufgebracht: "Wissenschaftliche Gutachten sind wieder nicht bewertet worden. Fischer können die Variante des Wassereinbruchs nicht nachvollziehen. " Bleibt der Petitionsausschuss des Bundestages. Der sollte im Februar zu diesem Thema weiterbringen. Doch ......Materie einarbeiten.......Vielleicht haben Volksvertreter ja mehr Zugang zu den Unterlagen des Manövers "Jaguar", zu dem das Miliär nur wenig sagt. Doch könnte nicht die Marine, ohne eine Schuld einzugestehen, endlich ihre Radaraufzeichnungen jener Nacht offen legen? Nachdem die dänischen Aufzeichnungen auf Bornholm schon vier Wochen nach dem 19. März gelöscht worden sind, soll auch die Station in Putgarten auf Rügen nichts mehr haben?. Warum hat das Militär kein Interesse, die öffentlichen Mutmaßungen um einen Schleppverband einfach wie Bürger in Uniform aus der Welt zu räumen. Die Radaraufzeichnung könnte Klarheit bringen darüber, welche Schiffsbewegungen in jener Nacht tatsächlich stattfanden. Denn für die Angehörigen ist Gewissheit der letzte Trost. ##end## Das Buch zum Thema: Der Untergang der BELUGA von Michael Schmidt und Lutz Riemann, edition ost, ISBN 3-360-01028-0
Der Zweifel bleibt im zehnten Jahr
Der Zweifel bleibt im zehnten Jahr: Am 18. März 1999 um 15.31 Uhr erreichte das Rettungszentrum in Glücksburg die Meldung zu einem Schiffsunglück vor Rügen. Ein Bundeswehrflugzeug hatte 15.15 Uhr einen Ölteppich gesichtet und Gewässerverunreinigung nebst einem Wrack gemeldet. Es war die SAS 103 Beluga, die gegen drei Uhr nachts gesunken sein muss. Frank Schneider, Hartmut Gleixner und Martin Senfft waren die Opfer. Von ANDREAS KÜSTERMANN Sassnitz. · (ostSeh) Am vergangenen Sonnabend trafen sie sich wieder in Sassnitz. Am Gedenkstein für die auf See gebliebenen Seeleute hat das Unglück der Beluga einen neuen Brauch initiiert. Immer vor dem 18. März treffen sich dort Angehörige. Mit dabei Beate Schneider, die Frau des Beluga-Kapitäns Frank Schneider, die als einzige heute noch über das Unglück spricht. Dass Frank Schneider es verursacht haben soll, bestreitet sie bis heute vehement. Schneider sei ein umsichtiger Kapitän gewesen. Doch das Oberseeamt hatte darauf abgezielt, dass die Beluga durch eigenes Verschulden wegen Wassereinbruchs gesunken sei. Auch der Petitionsausschuss des deutschen Bundestages gab letztlich auf. Doch die Unglücksursache ist bis heute Gerüchteumrankt. So handeln diese beispielsweise von einer militärischen Beteiligung am Unglück. Der Petitionsauschuss hätte die Möglichkeit umfangreicher Akteneinsicht beim Bundesverteidigungsministerium gehabt. Auch diese wird den Angehörigen nach wie vor verwehrt. Die Hauptthese, darin sind sich drei weitere, nahmhafte externe Gutachter mit dem Havarieexperten Diethard Kersandt aus Rostock einig, ist das Unterlaufen einer Leine, gewaltsame aufstoppen, einfädeln und über achtern in Folge kentern. "Dabei geht es nicht um die Polypropylenleinen, wie sie der Eisvogel für Bombenatrappen schleppt. Wir wissen aber von Fischern, dass auch das Abschleppen von Fregatten im Kriegsfall geübt worden ist. Wer sagt uns, mit welchen Trossen das die ebenfalls beteiligten und nie gefragten Franzosen, Polen, ja gar Russen machen", sagt Diethard Kersandt. Diese Schlepphöhe hätte zu den ebenso ungeklärten Beschädigungen am Kran und Brückenhaus gepasst. Kersandt kennt zwar das Prozedere, dass sich das Gericht an ein Gutachten halten kann, das schon 42 000 Euro gekostet hat. Doch sagt er klipp und klar, dass darin vertretene Thesen wie der sogenannten Resonanzschwingung, also laienhaft gesagt einem Aufschaukeln bis zum Wassereinbruch fachlich nicht aufrecht zu halten sei. Ein Argument überzeugt dabei: "Der Charakter bestimmter Handlungen in der Not ist unverfälscht, da keine Zeit zur Beschönigung bleibt. Daher werden sie zur Aufklärung normalerweise herangezogen. Wenn also Kapitän und Mannschaft teils unbekleidet, vor allem jedoch ohne Schwimmweste und Überlebensanzüge ins Wasser gehen, muss der Vorfall es schnell und nicht 1,5 Stunden dauernd gewirkt haben. Es gab so viele unlogische Fakten, dass das Urteil des Gerichts weiterhin stark in Zweifel zu ziehen ist." © 2009 ostSeh / ANDREAS KÜSTERMANN
Beluga und kein Ende
Beluga und kein Ende Am 18. März 1999 um 15.31 Uhr erreichte das Rettungszentrum in Glücksburg die erste Meldung zu einem Schiffsunglück vor Rügen. Nach Stunden der Ungewissheit eine Klarheit: Es war die SAS 104 Beluga. Doch Ungewissheit begleitet die Angehörigen der drei Toten Seeleute bis heute. Was passierte wirklich in jener Nacht? Hamburg/Rügen · Ein Urteil ist es nicht, was als Ergebnis des Oberseeamtes die Akten zum Fall "Schiffsuntergang Beluga" schließen soll. Doch der Spruch kommt einem Urteil gleich. Die mit Schifffahrtsexperten besetzte Kammer folgte dem Obergutachten des Sachverständigen Siegfried Kamrath, der nun endgültig auf die Unglücksursache "Wassereinbruch" abhob. Binnen 2,5 Stunden soll der Fischkutter in der Nacht zum 18 März 1999 durch zu hohen Tiefgang und offene Abflüsse unterhalb der Reling (Speigatte) bei ruhiger See so viel Wasser gezogen haben, dass das Schiff bei dann schon starker Schräglage (Krängung) und einer achterlichen Vertrimmung von rechnerisch 1,12 Metern binnen 10 bis 15 Sekunden gesunken sein soll. Ein Spruch, der den Angehörigen wieder keine Ruhe bringt. Denn daran glaubt niemand von ihnen. Ihr Wunsch ist Gerechtigkeit für die Besatzung, vor allem für Kapitän Frank Schneider, der nach dieser Logik lange Zeit das veränderte Verhalten seines Schiffes nicht bemerkt haben dürfte. Dass alles sehr überraschend kam, davon zeugen die Monate später aufgefundenen Leichen der Besatzungsmitglieder Hartmut Gleixner und Martin Senfft, die nicht einmal Zeit hatten. Ihre Rettungsmittel anzulegen. Ebenso die Details vieler Zeugenaussagen in dem Verfahren, die sich vor allem um den vorgefundenen Zustand des Wracks drehten. Froschmänner des BGS und der Wasserschutzpolizei Mecklenburg-Vorpommerns waren wiederholt getaucht, um anfangs nach den in einer Luftblase vermuteten Besatzungsmitgliedern, später nach Beweisen für den Untergang der Beluga zu suchen. Alle Taucher wurden vom Kammervorsitzenden Fritz Frantzioch, dessen Auftrag vor allem die Klärung der Vorwürfe von Fahrlässigkeit gegen den Berufung führenden Sassnitzer Berufsgenossenschaftsbeamten war, detailliert nach ihrem Wissen um die Stellung des Bordkranes befragt, von dessen Beschädigungen die Sachverständigen der Opferangehörigen ihre Theorie des Fremdverschuldens ableiten. Nach Feststellung des Brandenburger Materialkundlers Dr. Klaus Ibendorf beispielsweise, bestätigt nochmals von dem Gießener Materialexperten Prof. Hermann W. Kurth, habe es sich um eine Trosse von wenigstens 18 Millimetern oder dem Teil einer größeren Trosse in gespanntem Zustand gehandelt. Doch die Taucher hatten übereinstimmend den Kran nicht beachtet, weil ihnen daran nichts Unnormales aufgefallen sei. Die These, dass das BGS-Schiff Neustrelitz durch ein missglücktes Ankermanöver Verursacher der unnormalen Kranstellung gewesen sei, wird von der Kammer als gesichert angenommen. Nicht dagegen die These, dass gerade die besagte Trosse den Hydraulikmotor abgerissen und den Kran aus seiner Ruhestellung gelöst haben könnte. Die Trossenspuren seien "unter der Mannkraft eines Armes" entstanden und somit nicht einem Schleppverband zuzuordnen, gab der Gutachter zu Protokoll. Gerade jene Spuren aber lassen sich mit kriminalistischen Mitteln einordnen, ob von einem Anker oder einem Stahlseil stammend.
Wolfgang Henckel, Chef der Sassnitzer Seefischer e.G. und Sprecher der in Hamburg anwesenden Angehörigen und Freunde, war schon vor der Bekanntgabe des Spruches am Montag entsetzt. "Die wissenschaftlichen Gutachten sind wieder nicht bewertet worden. Wir als Kollegen können die Variante des Wassereinbruchs nicht nachvollziehen. Doch wir stoßen nur auf Unverständnis." Nun ist der Spruch gefällt. Doch eine weitere Instanz ist Willens, notwendige Klarheit in die Vorgänge zu bringen. Mit Heidemarie Lüth (PDS) hat sich die Petitionsausschussvorsitzende des Bundestags der Angelegenheit auf Bitten von Angehörigen angenommen. Vielleicht haben gewählte Abgeordnete ja mehr Zugang zu den Unterlagen des Manövers Jaguar, bei dem Fregattenkapitän Tom Miller vor dem Oberseeamt nur von "keinen besonderen Vorkommnissen" und "keinen Unterlagen zu anderen Schiffsbewegungen im Manövergebiet" zum Zeitpunkt des Schiffsunterganges des SAS 104 Beluga berichten kann. Dort aber wird eine mögliche Unglücksursache in einem Schleppverband vermutet. ##end##
Ermittlungspannen zur Beluga sind Schläge ins Gesicht Aller
Gutachter: "Ermittlungspannen zur Beluga sind Schläge ins Gesicht Aller" Es war höchste Zeit. Zeit für diese Pressekonferenz. Denn die Spekulationen ufern zwei Jahre nach dem Untergang der "Beluga" am 18. März 1999 wieder aus. Dazu trägt natürlich auch Peter Michael Diestel als Anwalt der Angehörigen bei, wenn er sagt, dass er "zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass es der Staatsanwaltschaft um eine aufrichtige, beschleunigte Ermittlungshandlung ging". So in der Pflicht, legte Diestel nun Fakten der Gutachter auf den Tisch, die wenig Gutes an den Arbeiten ihrer Kollegen ließen. Rostock/Rügen · "Das Gutachten der Staatsanwaltschaft ist so abwendig und einfach falsch, dass wir dazu aus unserer heutigen Sicht Stellung beziehen müssen", eröffnete Peter Michael Diestel am 12. März gemeinsam mit dem NDR eine Pressekonferenz. Bezug nahm er mit den beiden anwesenden Experten dabei vor allem auf die Arbeit des Ostsee-Kontors von Kapitän S. Kamradt. Dieser kam zusammenfassend ein zweites Mal zu dem Ergebnis, "dass Wasser in großen Mengen in die Beluga eingedrungen sei". Ursachen für ein Fremdverschulden sieht Kamradt nicht, weshalb die Staatsanwaltschaft auch das personenbezogene Verfahren eingestellt hatte. Darauf vor allem bezieht sich der Experte für Schiffssicherheit, Diethardt Kersand, der seine Dienste vor einem Jahr wegen der Ungereimtheiten den Angehörigen unentgeltlich angeboten hatte. "Ich sehe bei dem Gutachten und ebenso dem des Germanischen Lloyds eine so zielorientierte Ermittlung, die in meinen Augen gravierende Fehler nach sich zieht. Die Formel der Wellenlänge und Wellengeschwindigkeit, nach der Gutachter Kamradt belegen möchte, dass die "Beluga" von einer Welle überrollt worden sei, ist schlichtweg in der Ostsee falsch. Dazu benötigte ich keine acht Monate, sondern musste nur fünf Minuten in ein Lehrbuch schauen, das die Wellenlängen der Ostsee für solche Berechnungen angibt", führte er nicht ohne Süffisanz aus. Auch der nach Backbord gerichtete Kran, auf den sich die aktuellsten Untersuchungen von Klaus Ibendorf beziehen, ist seit dem 24. März 1999 auf einem Video der Bereitschaftspolizei belegt. "Orientierte Spuren vom Heck steuerbords unten zum Bug steuerbords oben mit schleifendem Abrieb ermöglichen metallographische Untersuchungen zur weiteren Eingrenzung des Verursachers", ließ Ibendorf übermitteln. Eine Ankerkette oder einen Anker schließt er als Ursache aus.
Genau diese Spuren aber könnten daher der Schlüssel dafür sein, ob die Beluga in ein Hindernis gefahren ist, das zu einer solchen rückwärtigen Beschleunigung führte, dass der Mast sich ohne Spuren zum Vorschiff hin verformt hat und der Fischkutter binnen Minuten übers Heck sank. Niemand kann heute sagen, ob es sich dabei um Fahrzeuge des Manövers "Jaguar" gehandelt haben könnte, jedoch legt Kersand auch hier durch navigatorische Koppelungen dar, dass der Marine-Zielschlepper "Eisvogel" sich durchaus im Unglücksgebiet befunden haben könnte. Im Beisein der Angehörigen kritisierten die Fachleute auch nochmals harsch die Tatsache, dass der Schiffsuntergang von 15.15 Uhr, als das Ölsuchflugzeug Meldung machte, bis 21 Uhr nur als Ölhavarie und nicht als Seeunfall gehandhabt worden war. "Schon allein dies widerspricht der Einstellung des Verfahrens wegen fahrlässiger Tötung", so Diestel. Schlampereien der Ermittler belegt nicht zuletzt die Tatsache, dass das gesuchte Schiffstagebuch 1,5 Jahre nach dem Unglück vom Taucheinsatzleiter des BGS der Staatsanwaltschaft übergeben worden sei mit der lapidaren Begründung, es hätte trocknen müssen. Auch Gutachter Jochen Hahne steht nach wie vor zu seiner Expertise und bezeichnet die Begleitumstände als "unappetitlich". Auch nach seiner Sicht habe eine Trosse mit erheblicher Kraft die Spuren am Kran verursacht und so nicht zuletzt die vier Bolzen des Motors abgerissen. Diestel greift nochmals die Gerüchte als Legitimation auf, die besagen, dass die "Beluga" durch Fremdverschulden untergegangen ist. "Ich zitiere: das soll jetzt vertuscht werden. Das ist für uns Grund weiterer Ermittlungen und nicht Profilierungssucht." Rechtsmittel gegen die Einstellungsverfügung werden deshalb nach Vorlage des letzten Gutachtens zum Kran eingereicht. Mit den Worten "wir hoffen, die eine oder andere Nachdenklichkeit erzeugt zu haben", gibt er an die Angehörigen weiter. Beate Schneider dankt bewegt allen, die von Anfang an daran beteiligt waren, nachzuweisen, "dass es nicht das Verschulden meines Mannes gewesen sein kann." Familie Gleixner bedauert: "Wir wurden in keiner Weise von irgendwelchen Behörden unterstützt oder informiert. Hätten wir keine Unterstützung erfahren, wären wir heute nicht so weit."
Staatsanwaltschaft stellt ein/ in Hamburg liegt weitere Expertise
Beluga: Staatsanwaltschaft stellt ein/ in Hamburg liegt weitere Expertise Stralsund/Potsdam · Bald zwei Jahre nach dem Untergang des Fischkutters SAS 104 Beluga streiten sich weiterhin die Sachverständigen. Der Potsdamer Anwalt der Witwe von Kapitän Frank Schneider wirft nun der dritten Expertise vor, ein Gefälligkeitsgutachten zu sein. Dr. Peter-Michael Diestel: "Wenn der Gutachter die Staatsanwaltschaft auffordert, ihm zu sagen, welche Änderungswünsche sie noch hat, erscheint der ganze Vorgang in einem skandalösem Licht." Die Staatsanwaltschaft legt den Teil mit strafrechtlicher Relevanz des im März 1999 vor Rügen gesunkenen Fischkutters Beluga zu den Akten. Die Ermittlungen seien eingestellt worden, sagte vergangenen Freitag Staatsanwalt Ralf Lechte. Dies betrifft sowohl das Verfahren gegen einen Mitarbeiter der Seeberufsgenossenschaft wegen fahrlässiger Tötung als auch das Verfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts unterlassener Hilfe und fahrlässiger Tötung. Ausschlaggebend sei das von der Staatsanwaltschaft beauftragte Gutachten, das ein Hamburger Schiffbauingenieur erstellt hat. Nach dem 80-seitigen Papier sei definitiv auszuschließen, dass der Kutter seinerzeit in einen Schleppverband geraten ist und von den Stahltrossen in die Tiefe gerissen wurde, so Lechte. Das hätten die Untersuchungen an den Metalloberflächen des Mastes und Steuerstandes ergeben, bei denen nicht einmal die Zinkgrundierung angekratzt gewesen sei. Auch die vom Rostocker Seeamt angenommene Variante, wonach über die so genannten Speigatten am Heck kontinuierlich Wasser eingedrungen ist, sei falsch. Die Leistung der Lenzpumpen sei ausreichend gewesen, um normal eingedrungenes Wasser sofort wieder außerbords abzupumpen, sagte Lechte. Den Grund für den Untergang der Beluga sieht das neue Gutachten vor allem in der Bauart des Kutters. Nach Ansicht dieses Experten müsse das Schiff bei voller Fahrt auf einer Welle mit dem Heck so tief in die See eingetaucht sein, dass Wasser eingedrungen und schließlich auch in den Fischladeraum geflossen sei. Zudem müsse kurz vor dem Sinken auch Wasser durch die offenen Türen in das Schiffsinnere geflossen sein, sagte Lechte. Nach eingelegter Berufung durch die Seeberufsgenossenschaft soll der Fall im zweiten Quartal 2001 vor dem Oberseeamt in Hamburg neu verhandelt werden, sagte der Vorsitzende Dr. Fritz Frantzioch. Dort liegt das vierte Gutachten vor.
Was passierte in jener Märznacht
Was passierte in jener Märznacht auf dem Fischkutter Beluga? Rostock/Sassnitz · Der Spruch ist gefällt. Die Kammer des Seeamtes Rostock konzentrierte sich bei ihrer Ursachenforschung zum Untergang des Fischkutters Beluga im März dieses Jahres vor allem auf technische Details am Schiff selbst. Bei dem tragischen Unglück waren Kapitän Frank Schneider, Maschinist und Navigator Hartmut Gleixner und der Lehrling Martin Senfft ums Leben gekommen. Ihre Leichen fand man Monate später. Der Spruch der Kammer kam im Kern zu dem Ergebnis, dass technisches und menschliches Versagen die Hauptursache gewesen sei. Der geringe achterliche Freibord wegen Spülwassers an Bord in Verbindung mit den geöffneten Bodenspeigatten soll dazu geführt haben, dass Wasser über die Fischeingabeluke langsam ins Schiff eindrang, mit Verzögerung in den Maschinenraum gelaufen sei und so zum Verlust der Reststabilität geführt habe. Besonders gerügt wurde der zuständige Beamte der Seeberufsgenossenschaft mit dem Vorwurf, Auflagen zum Verschweißen der Speigatte nicht durchgesetzt zu haben. Während der Verhandlung des Gutachtergremiums, das seinen Spruch mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent einstuft, ziehen die Fragen schon deutlich in Richtung technischer Ursachen. Keinerlei Beachtung und Erwähnung fanden die äußeren Umstände des Unglücks. So veranstaltete während der fraglichen Zeit die Marine nahe dem Adlergrund das deutsch-französische Manöver "Jaguar".
Die Kammer des Seeamtes besteht aus fünf Experten, die neben drei hauptberuflichen noch zwei ehrenamtliche Beisitzer hinzuziehen. Sie befragen nach ihren Voruntersuchungen Zeugen und fällen dann nach geheimer Beratung den Spruch. Die zahlreich anwesenden Verwandten und Beteiligten quittierten schon während der Verhandlung die Aussagen mit Enttäuschung und Kopfschütteln. Wolfgang Henckel, Geschäftsführer der Sassnitzer Seefischer eG, fand deutliche Worte. "Es gibt nach wie vor mehr Fragen als Antworten", resümiert er. "Für mich ist aber vieles nicht stimmig". Er hält es für völlig undenkbar, dass sich im Schiff unter Führung eines erfahrenen Kapitäns 14 oder 12 Tonnen Wasser bewegt haben sollen, ohne dass dieser das bemerkt hätte. "Anderen Hypothesen, beispielsweise zum Schiffsverkehr in dem Gebiet, muss vom Seeamt nachgegangen werden", fordert er. Auch der Frage, warum die Suche in der Nacht bei drei Grad Wassertemperatur abgebrochen wurde. Beate Schneider, Witwe des Kapitäns, zweifelt ebenfalls an diesem Spruch. Ihre Anfrage im Bundesverteidigungsministerium nach den Manöverbewegungen wurde abschlägig beschieden. Man sei nicht involviert, und deutsche Schiffe nicht vor Ort gewesen. Dabei kam auch zutage, dass die Internationale Überwachungsstation NAVBORN auf Bornholm ihre Radaraufzeichnungen vier Wochen später gelöscht hat. "Ich verstehe nicht, wieso die Beluga Spülwasser vom Reinigen des Verarbeitungsraumes an Bord gehabt haben soll. Die haben doch wegen eines Maschinenschadens seit zwei Wochen nicht mehr gefischt." Zudem ist ihr wie den anderen nach der Verhandlung sehr niedergeschlagenen Angehörigen unverständlich, warum seitens der Kammer kein erklärendes Wort zu den Begleitumständen des Unglücks gefallen ist. Fritz Peters, enger Freund und Berater Frank Schneiders, bestätigt, dass der Wärmetauscher defekt gewesen sei und die erste Fahrt nach Reparatur der Erprobung und Ziehung von Bodenproben fürs neue Fischwerk gedient habe. "Das hat aber beim Seeamt niemanden interessiert", äußerte er sich erbost. Alle Fragen hätten schon in eine bestimmte Richtung gezielt. So habe man zwar gefragt, wie der Fischraum ausgespült würde, aber nicht, ob er gespült worden ist. Auch die Beschädigungen am Kran, die von der Ankerkette eines Bergungsschiffes herrühren soll, gibt Peters Rätsel auf. "Das war für mich eindeutig eine Stahltrosse und der Knick des Mastes Richtung Vorschiff ist damit auch nicht erklärt." Außerdem sei Reinigungswasser stets im Hafen gelenzt worden. "Welcher Fischer bunkert die Fischkisten im Schmutzwasser?" Sein Resüme: "Diesen Spruch hat Frank nicht verdient."
Beluga: menschliches Versagen?
Beluga: menschliches Versagen? Mit Unverständnis haben Angehörige und Freunde der im Frühjahr verunglückten Beluga-Besatzung das Urteil der Kammer des Seeamtes Rostock aufgenommen. Für sie bleibt noch viel unklar. Sassnitz · Der Spruch ist gefällt. Die Kammer des Seeamtes Rostock, die sich als Gutachterrunde und nicht als Gericht versteht, konzentrierte sich bei ihrer Ursachenforschung zum Untergang des Fischkutters Beluga im März dieses Jahres vor allem auf technische Details an Bord. Bei dem tragischen Unglück waren Kapitän Frank Schneider, Maschinist und Navigator Hartmut Gleixner und der Lehrling Martin Senfft ums Leben gekommen. Ihre Leichen fand man Monate später. Der Spruch der Kammer aus fünf Experten kam im Kern zu dem Ergebnis, dass technisches und menschliches Versagen die Hauptursache gewesen sei. Der geringe achterliche Freibord in Verbindung mit den geöffneten Bodenspeigatten soll dazu geführt haben, dass Wasser über die Fischeingabeluke ins Schiff langsam eindrang, mit Verzögerung in den Maschinenraum gelaufen sei und zum Verlust der Reststabilität geführt habe (OZ berichtete bereits am Freitag). Einen besonderen Rüffel bekam der beteiligte Beamte der See-Berufsgenossenschaft ab, dem vorgeworfen wird, Auflagen zum Verschluss der Speigatte nicht durchgesetzt zu haben. Keinerlei Beachtung fanden bei der Erörterung die äußeren Umstände des Unglücks. So veranstaltete während der Untergangszeit nahe dem Adlergrund die Marine das deutsch-französische Manöver "Januar". Die zahlreich anwesenden Verwandten und Freunde der Opfer quittierten den Spruch mit Enttäuschung und Kopfschütteln. Wolfgang Henckel, Geschäftsführer der Sassnitzer Seefischer eG, billigte dem Spruch zwar Logik zu, die sei aber nicht bis ins Detail stimmig. "Es gibt nach wie vor mehr Fragen als Antworten", resümierte er. Henckel hält es für völlig undenkbar, dass 14 oder 12 Tonnen Wasser sich im Schiff bewegt haben sollen, ohne dass ein erfahrener Kapitän das bemerkt hätte. "Anderen Theorien, beispielsweise zum Schiffsverkehr in dem Gebiet, müsste vom Seeamt nachgegangen werden."
Beate Schneider, Witwe des Kapitäns, hält den Spruch ebenfalls nicht für plausibel. Sie hatte im Bundesverteidigungsministerium angefragt. Dort teilte man ihr im Juli mit, die deutschen Schiffe seien nicht im fraglichen Gebiet gewesen und die internationalen Radaraufzeichungen auf Bornholm seien bereits vier Wochen später gelöscht worden. "Ich verstehe nicht, wieso die Beluga Spülwasser des Fischraumes an Bord gehabt haben soll. Die haben doch wegen eines Schadens schon zwei Wochen nicht gefischt." Ebenso wie die nach der Verhandlung sehr niedergeschlagenen anderen Angehörigen versteht sie nicht, dass überhaupt kein Wort zu den Begleitumständen des Unglücks seitens der Kammer gefallen ist. Auch Fritz Peters, enger Freund und Berater Frank Schneiders, war sehr ungehalten. Zu vielen Dingen sei er nicht befragt worden. Alles habe in eine Richtung gezielt. Er brachte den beschädigten Kran zur Sprache, dessen Schäden von einer Ankerkette herrühren sollen. "Das war eine Trosse und erklärt auch nicht den Knick im Mast." Außerdem sei Reinigungswasser stets im Hafen gelenzt worden, damit die Fischkisten sauber unter Deck liegen. Sein Resüme: "Frank Schneider hat diesen Spruch nicht verdient"
Mysteriöses Unglück
Sassnitz · Von der Ungewißheit um das Schicksal der drei seit Donnerstag letzter Woche vermißten Seeleute des Kutters »Beluga« ist den Angehörigen und Kollegen bisher nur ein Teil genommen. Denn seit Entdeckung der Ölspur durch ein Flugzeug des Küstenschutzes kommt zu einer Erkenntnis ein neues Rätsel. Zwar haben mittlerweile Taucher mehrfach das in 18,6 Metern Tiefe auf dem Heck stehende Schiff untersucht, aber mit Gewißheit kann erst nach einer Bergung gesagt werden, ob sich noch jemand darin befindet. Derzeit ist der Einstieg für die Helfer zu gefährlich, weil nur am Haken eines Krans die Sicherheit besteht, daß der Rumpf nicht abkippt. Und ein solcher war trotz fieberhafter Bemühungen der »Sassnitzer Seefischer e.G.« und dem Küstenwachzentrum des BGS auch in Polen nicht zu bekommen. Rätselhaft ist nach wie vor, warum die als sehr seetüchtig geltende »Beluga«, die sich mit aufgewickeltem Netz auf der Fahrt nach Bornholm befand, bei zwei bis drei Windstärken von alleine gesunken sein soll. Doch Beschädigungen wurden nicht gefunden. Fortsetzung Spekulationen helfen Neben den tragischen Fakten ist für die Angehörigen der drei Besatzungsmitglieder des Schiffes derzeit die Ungewißheit das Schlimmste. Diese bietet Gerüchten und Spekulationen vielfacher Art Nährboden. Einer seriösen Informationspolitik kommt deshalb gerade jetzt große Bedeutung zu. Sassnitz · Einer der ersten Gesprächspartner des OAZ nach der Suche war der 1. Vormann des Rettungskreuzers »Arkona«, Arthur Bellack. Aus seiner Sicht stellt sich der Ablauf so dar: Es war 15.50 Uhr am Donnerstag, dem 18. März. Der Seenotrettungskreuzer kam gerade zurück von einer 13.30 Uhr begonnenen Kontrollfahrt, als ihn der Notruf der MRCC-Zentrale vor Sassnitz erreichte. Das Dornier-Ölsuchflugzeug hatte einen leichten Ölteppich und etwas "undefinierbares Grünes" im Wasser ausgemacht. Eine gute Stunde benötigten die Seenotreter, um die 20 Seemeilen zur gemeldeten Position zu bewältigen. 17 Uhr waren sie vor Ort und fanden bei der angegebenen Position vorerst nichts. Gemeinsam mit zwei Suchflugzeugen verfolgte man ein Raster in Windrichtung und traf wieder auf die 200 Meter lange Ölspur, die nun zwei bis drei Seemeilen weitergetrieben worden war. Auch der BGS mit der »Neustrelitz« war dazugestoßen, der Minensucher »Drilling« sowie die »Scharhörn« des Wasser- und Schiffahrtsamtes, der »Goldbutt« der Wasserschutzpolizei (WSP) und der Fischkutter »Riesenhai«. Dann kam die Meldung aufsteigender Brennstoffblasen aus der Luft. An der Wrackposition stellte sich die Lage wie folgt dar: Bei zunehmender Dunkelheit lag der 1987 erbaute Kutter »Beluga« gesunken in einer Wassertiefe von 18,6 Metern auf dem Heck mit einer Neigung von 60 bis 70 Grad. Eine Luftblase und vermutlich auch die leeren Ballasttanks hielten ihn. Der BGS setzte ein Schlauchboot ein und die »Arkona« brachte ihr Tochterboot aus, weil der Bug des 17,4 Meter langen Kutters knapp zwei Meter unter die Wasseroberfläche reichte. Lange Zeit ging man von einem dänischen Kutter aus, bis die Kennung »SAS 104« viel später die endgültige Gewißheit brachte. Wegen der besseren Ortung durch Radarreflektoren wollte die Wasserschutzpolizei mit einem Enterhaken eine Leine zur Befestigung einer Boje greifen. Dies löste die Rettungsinsel, die völlig überraschend ungeöffnet nach oben kam und derzeit in der Asservatenkammer der WSP einer Untersuchung entgegensieht. In der Nacht dann setzte der Minenjäger »Drilling« Taucher zur Suche aus und ein Sonar-Ortungsgerät, das Bilder des Wracks lieferte und die ausgewerteten Schiffsdaten der Rettungsinsel bestätigte. So konnte auch festgestellt werden, daß das Fanggeschirr nicht benutzt war und keine erkennbaren Spuren einer Havarie am Schanzkleid oder den Aufbauten zu sehen waren. Dies widerlegte auch die Annahme, es habe sich vielleicht um einen der berüchtigten "Netzhaker" gehandelt, durch den sich ein Fangschiff beim Netzhieven selbst zum Kentern bringen kann.
Nach einer Suche aller Kräfte im Längs- und Querverfahren, die zu einer 200 prozentigen Abdeckung der Fläche von 90 Seemeilen im Quadrat führte,wurde die erfolglose Suche nach Kapitän, Maschinisten und Lehrling am Freitag um 10.30 Uhr durch langsamem Rückzug aus dem Suchgebiet abgebrochen. Die Stelle wurde um 12.15 Uhr mit einer Tonne für die Schiffahrt markiert. Artur Bellack, dem man trotz langer Routine die Anteilnahme am Geschehen noch deutlich anmerkte, schilderte nochmals, daß die unsichere Lage des Wracks keine Begehung durch Taucher zugelassen habe und die Wassertemperatur von 3 Grad nach dieser langen Zeit nichts anderes mehr zugelassen habe.
Bei der »Sassnitzer Seefischer Genossenschaft« im Hafen konnte man jedoch die Hoffnung noch nicht aufgeben. So versuchte Geschäftsführer Wolfgang Henckel mit vielen Kollegen und Freunden noch nachts, zusammen mit dem Wasser- und Schiffahrtsamt einen schweren Bergekran zu organisieren, der eine sichere Begehung durch Taucher oder gar das Heben der »Beluga« zugelassen hätte. Doch bis nach Polen hin war die von letzter Hoffnung getriebene Suche danach erfolglos. Auch am Sonnabend flogen Helikopter und Flugzeuge das Gebiet ab, die »Arkona« lief ebenfalls wieder aus und der BGS setzte erneut Taucher vor Ort ein. Nach wie vor war aber mit Wissensstand Montag keine Spur der Besatzung gefunden worden. So stellt sich nach wie vor die Frage, was das Unglück so schnell herbeigeführt hat, daß kein Notruf abgesetzt oder die Rettungsinsel aktiviert wurde. Für den Sassnitzer Hafenkapitän Uwe Schumacher sind diese Umstände ebenfalls ein Rätsel. Fest steht für ihn aber: "Die »Beluga« hatte erst im August eine Besichtigung der Versicherung und war mit gültigen Papieren bis 2000 respektive 2005 ausgestattet". Ohne weiteren Spekulationen Vorschub leisten zu wollen, hält auch er es für gerechtfertigt, anhand der Sachlage von einem Rätsel zu sprechen, dessen Aufklärung für alle Beteiligten von höchster Wichtigkeit ist. Peter Bär, Pressesprecher des BGS - Grenzschutzamtes See, das entgegen früheren Gepflogenheiten die Ermittlungen von der WSP an sich gezogen hat, mißt den laufenden Gesprächen mit dem See- und Wasserschiffahrtsamt daher auch große Bedeutung zu. Dort wird diese Woche verhandelt, ob nach Entweichen der Luftblase und Absenken des Rumpfes auf den Grund Taucher ins Wrack gehen. Eine Bergung mit schwerem Gerät scheint nach aktueller Auskunft des BGS aber unwahrscheinlich.
Kein Schlussstrich unter die 'Beluga'
Kein Schlussstrich unter die ,Beluga' Schon nach dem Seegerichtsprozess im Oktober vergangenen Jahres, wo eine Kammer des Seeamtes Rostock auf technisches und menschliches Versagen plädierte, regte sich starker Widerspruch unter Angehörigen des Beluga-Unglückes. Nun haben sie zum ersten Jahrestag mit Peter Michael Diestel einen neuen Anwalt genommen. Sassnitz · Am Sonnabend versammelten sich die Beschäftigten der Sassnitzer Seefischer e. G. zusammen mit den Angehörigen von Kapitän Frank Schneider, Maschinist und Navigator Hartmut Gleixner und Lehrling Martin Senfft in Sassnitz am Mahnmal für die Seeopfer. Doch dort ging es nicht nur um das Gedenken der Opfer des Unglücks vom 18. März 1999, an dem die Beluga von einem Ölüberwachungsflugzeug am Ende einer Ölspur geortet worden war. In 18,6 Metern Tiefe hatte man sie in fast senkrechter Position aufgefunden. Den bangen Fragen, ob noch jemand an Bord sein und in einer Luftblase überlebt haben könne, folgte nach der Kritik an den Bergungsarbeiten die Auswertung. Und dafür wurde vom Seeamt auch wegen der Ungereimtheiten - die Beluga hatte weder gefischt, noch war schweres Wetter - die Bergung durch den Schwimmkran Thor veranlasst, der das Wrack vor Ostern in den Sassnitzer Westhafen schleppte. Ein gespenstisches Bild, das da aus dem Nebel auftauchte. Ein Netzhaker wie auch U-Bootkontakt, wie die brodelnde Gerüchteküche immer wieder aufbrachte, konnte nach Untersuchungen bald ausgeschlossen werden, schließlich war nicht gefischt worden und auch der Nachweis eines Fremdkontaktes am Unterwasserschiff unterblieb. Auf Deck gaben und geben aber nach wie vor nach Angaben Beteiligter Trossenspuren am Mast und Beschädigungen am Kran Rätsel auf. Und die Beluga war nach allen Untersuchungen schwimmfähig.
Offiziell ist das Verfahren für die Angehörigen abgeschlossen, weil sie rein rechtlich nicht zu den Beteiligten zählen. Anders der Sassnitzer Berufsgenossenschaftsbeamte Hans-Jörg Kattereit, der gegen die Rüge seiner Arbeit durch das Seeamt Beschwerde eingelegt hat. Doch Beate Schneider, Witwe des Kapitäns, hat sich bisher nicht beugen lassen. Sie versucht alle Wege, führen sie nun ins Verteidigungsministerium - zum Zeitpunkt des Unglücks fand ein Manöver statt - oder neuerdings zum letzten DDR-Innenminister Peter Michael Diestel in seine Potsdamer Anwaltskanzlei. Diestel selbst sieht "vielfältige mysteriöse Auffälligkeiten, die ihn vermuten lassen, dass ein anderer Vorfall dahintersteckt", und bemängelt weitere Ungereimtheiten.
Noch immer Zweifel am Untergang der Beluga
Noch immer Zweifel am Untergang der Beluga Sassnitz · Heute jährt sich der Untergang des Fischkutters "Beluga". Und wie als Mahnmal liegt das Wrack mit der Kennung SAS 104 noch immer an der Kaimauer vor der Hafenmeisterei. Das Unglück ist nach Ansicht vieler Fachleute und auch Angehöriger der drei Todesopfer Kapitän Frank Schneider, Maschinist und Navigator Hartmut Gleixner und Lehrling Martin Senfft noch nicht vollständig aufgeklärt. Nach einer Meldung des Ölsuchflugzeuges über eine Ölspur am Adlergrund in der Ostsee hatte am 18. März 1999 das große Suchaufgebot sehr schnell die Gewissheit, dass es sich um Öl des in Sassnitz beheimateten Schiffes handelt. Es lag mit einer Neigung von 50 bis 60 Grad mit dem Heck in 18,6 Metern Wassertiefe auf Grund. Bange Stunden der Suche im Seegebiet mit Tauchern brachten keine Gewissheit, wo die Besatzung verblieben war, berichtete damals der erste Vormann des Seenotrettungskreuzers "Arkona", Arthur Bellack. Vielfältig waren die Spekulationen zur Unglücksursache. Sie reichten von einem Netzhaker über U-Bootkontakt bis zum gleichzeitig im dortigen Revier stattfindenden Manöver "Jaguar" der deutschen und französischen Marine. Nichts von alledem bestätigte die Kammer des Seeamtes Rostock wo ein Richter und fünf Beisitzer in der Verhandlung im Oktober 1999 auf technisches Versagen mit menschlichen Unzulänglichkeiten plädierten und zudem den zuständigen Beamten der Seeberufsgenossenschaft Hans-Jörg Kattereit mit einem dienstlichen Verweis belegten. Der hat mittlerweile als Beteiligter Widerspruch eingelegt. Ebenfalls nicht zufrieden gibt sich bis heute die Witwe des Beluga-Kapitäns, Beate Schneider. Sie kann keinen Widerspruch einlegen. Dennoch hat sie als Anwalt Peter Michael Diestel, den letzten DDR Innenminister, für weitere Ermittlungen eingeschaltet. "Die mysteriösen Auffälligkeiten lassen vermuten, das ein anderer Vorfall dahintersteckt", sagt Diestel, der nun prüft, inwieweit gegen die untersuchenden Behörden Ansprüche bestehen. Als Anwalt bemängelt er beispielsweise auch Widersprüchlichkeiten in den Totenscheinen der lange später aufgefundenen Besatzung. Heute gedenken Kollegen und Angehörige der Fischer am Sassnitzer "Mahnmal für die auf See verbliebenen Opfer der Seefahrt" an der Promenade der Verunglückten.
War es doch ein Schleppzug ?
War es doch ein Schleppzug ? Gerade ist die neue Pressemitteilung des Seeamtes Rostock in den Akten abgelegt, mit dem die Beschädigung am Hydraulikkran des Fischkutters SAS 104 Beluga nochmals ausdrücklich einem Ankerlieger bei den Bergungsarbeiten zugeordnet wurde, da behauptet ein Gutachter das glatte Gegenteil. Auftraggeber ist der Anwalt Peter Michael Diestel, dem die Aufklärungsarbeiten zu lasch und schlampig erscheinen. Er vermutet hinter dem Unglück ein faules Ei. Potsdam/Rügen · Noch während der ersten Auswertungen des Unglücks vom 18. März 1999, bei dem die drei Besatzungsmitglieder zuerst als vermisst galten und später tot geborgen wurden, erklärte der Sprecher des BGS:"Wir schließen nichts aus und es wird alles geprüft." Doch auf die Prüfungen zur Schiffsstabilität oder zu den Möglichkeiten, die einen Kutter dieser Bauart in so kurzer Zeit in dieser Lage sinken lassen können, kam keine befriedigende Antwort mehr zustande. Ulf Erler von der Wasserschutzpolizei erklärte damals, man habe auf dem Deck Rückstände des Hydrauliköls vom beschädigten Kran gefunden. Doch wie sollten sie sich dort festgesetzt haben, wenn der Schlauch erst unter Wasser geplatzt, der Zylinder erst dort von einer Ankerkette abgerissen worden sein soll. "Die Kräfte, die diese Beschädigungen verursacht haben, müssen erheblich gewesen sein", stellte das Rostocker Gutachterbüro Hahne fest, das sich auf maritime Sicherheitstechnik spezialisiert hat. Seine Aussagen traf der Gutachter aufgrund von Kräfteberechnungen, welche analysierten, dass der Kutter schlagartig großen Kräften und negativen Beschleunigungen ausgesetzt gewesen sein muss. Eine Beschädigung durch die BGS 22 ,Neustrelitz' schließt er aufgrund ihrer Position und der Tatsache aus, dass es sich um Trossenspuren und nicht die von Ketten handelt. Solche Spuren seien auch an der Reling und am Steuerbordschornstein gefunden worden. Fritz Peters, Seemann und Freund des Kapitäns, hatte darauf immer wieder hinzuweisen versucht, aber bei den Behörden kein ausreichendes Gehör gefunden. Er verwies damals noch auf einen anderen Umstand. Kapitän Frank Schneider sei Kommunikationsfreak gewesen, wie Peters sich ausdrückte. Dieser habe meist zwei Kanäle auf dem Funk und sein Handy in Bereitschaft gehalten. "Warum also hat es nicht einmal für einen Notruf gereicht?" Gutachter Hahne geht davon aus, dass der Laderaum über Heck in 60 bis 90 Sekunden geflutet war. Im Idealfall hatte die Besatzung unter Deck demzufolge ungefähr 20 Sekunden Zeit, was erklärt, dass die persönlichen Rettungsmittel wie Schwimmwesten und Überlebensanzüge, an denen sie vorbeigekommen sein müssen, nicht mehr angerührt worden sind. Dies und der letzte Rettungsversuch durch "Maschine rückwärts" von der Brücke aus würde auch den fehlenden Notruf erklären. Zu mehr war einfach keine Zeit. In einer persönlichen Einschätzung am Ende des Gutachtens widerspricht Hahne auch der These des Seeamtes, dass der Fischraum mit Schmutzwasser geflutet gewesen sein könnte. "Ein pflichtbewusster und erfolgreicher Fischer würde diesen für ihn wichtigen Raum nicht über einen größeren Zeitraum mit Schmutzwasser geflutet lassen und dann darin neue saubere Fischkisten einlagern." Da der Kapitän abends noch eine Überfahrt nach Bornholm geplant hatte, geht der Gutachter davon aus, dass ein auf Kostensenkung bedachter Unternehmer nicht unnötige Massen mit sich transportiert, die zudem ein Sicherheitsrisiko darstellen. Er schließt aus den vorhandenen Rechnungen eben dies Pflichtbewusstsein, das auch der Stand der Ausrüstung dokumentiere. Zwar ist der Gutachter nicht in der Lage, das Unglück komplett zu rekonstruieren, vermutet aber ausdrücklich die Kollission mit der Schleppleine eines Verbandes. Westrügen wehrt sich gegen Kiesabbau
Westrügen wehrt sich gegen Kiesabbau
Die zwei Seiten von "Flora, Fauna, Habitat" Die Debatte um die unter dem Stichwort "Flora, Fauna, Habitat" auszuweisenden Schutzgebiete ist voll im Gange. In vielen Fällen ist aus Unsicherheit die Oppositionsrolle dagegen gewählt worden. Doch es kann auch anders gehen. Rund um den kleinen Ort Zessin wehrten sich Einwohner der Gemeinde Neuenkirchen gegen den geplanten Kiesabbau. Trent / Zessin · Ruhig liegt der kleine Ort am Bodden inmitten einer Landschaft von Heide und Wald. Es ist landläufig das, was man eine Idylle nennt. Doch schon bei der Abzweigung von der Bundesstraße auf die Kreisstraße prangt weithin sichtbar seit Monaten das wohl am häufigsten fotografierte Plakat auf der Insel: "Kein Kies aus Zessin" lautet sein Text. Und bis hin zum Ortsschild werden die Autofahrer dann geleitet von violetten Stoffbändern, die um alle Alleebäume gewunden sind. Ein Signal dafür, daß diese Bäume vom zu erwartenden Schwerlastverkehr bedroht wären. Entweder an den Ästen oder dem Wurzelwerk, das meist bei solchen Straßen auch unter den Belag reicht. Derzeit prüft das Bergamt in Stralsund als zuständige Behörde die Unterlagen, wie von Umweltminister Wolfgang Methling kürzlich zu erfahren war. Weitere neue Erkenntnisse lägen seinem Hause nicht vor. Anfang des Jahres hatte das Schweriner Regierungskabinett aufgrund massiver Öffentlichkeitsarbeit der Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau beschlossen, eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zum Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens zu machen. Um diese Prüfung dreht sich nun im Hintergrund der juristische Poker. Denn das vom potentiellen Betreiber des Kiesabbaus beauftragte Planungsbüro kommt in einem Gutachten zu dem zusammen gefassten Schluss, dass wegen des Mangels an neuen Erkenntnissen die UVP nicht durchgeführt werden müsse, weil sie nicht gerechtfertigt sei.
Während des Gesprächs holt Frank Balzer eine große, graue Kiste herbei, die randvoll mit Akten ist. "So eine haben alle von uns zu Hause stehen und arbeiten ab, was bei den Sitzungen beschlossen wurde." Ganz oben auf liegen derzeit Arbeiten einer "Fachgruppe Geobotanik" des NaBu Greifswald, die von angehenden WissenschaftlerInnen der dortigen Uni betrieben wird. Geobotaniker beschäftigen sich mit dem, worüber der Mensch meist achtlos drüberstapft. Und deren Ausbeute war in der von kleinläufiger Nutzung durch die Landwirtschaft abgesehen fast unberührten Natur erstaunlich groß. Von 243 aufgelisteten "höheren Pflanzen" fanden sie 14 Arten, die auf der roten Liste stehen, also vom Aussterben bedroht sind. Herausragendes Beispiel dafür ist das erstmalig auf Rügen nachgewiesene gemeine Filzkraut (Filago Vulgaris), das selbst die WissenschaftlerInnen nur aus der Literatur kannten. Dieses Kraut bildet eine Art Sandtrockenrasen und wird meist kaum wahrgenommen. Doch die Region, auch nach Landes Naturschutzgesetz ein geschütztes Biotop, bietet dafür hervorragende Bedingungen. Ebenso für Vogelkundler oder den Insektenkundler Kurt Rudnick ist dieses Stück Landschaft etwas Besonderes, wie er in einem Gutachten vom 25. Juli 1999 darlegt, in dem er sich ausgiebig mit Hummeln und Wildbienen als geschützte Arten auseinandergesetzt hat und ebenfalls fündig geworden ist. Auch wenn man kleine Pflanzen und Kleinlebewesen noch belächeln mag, sofern einem die Bedeutung in der gesamten Kette von Lebewesen nicht bewußt ist, fällt es schwer, über die Worte des studierten Ur- und Frühgeschichtlers Günter Bovensiepen hinweg zu sehen. Er hat nur anhand von Oberflächenuntersuchungen über verschiedene Jahreszeiten hinweg so viele Funde gemacht, daß er vorsichtig aber bestimmt davon ausgeht, dass dort "sensationelle Aufschlüsse" der Besiedlungsgeschichte über Jahrtausende möglich seien. Seine Funde lassen sich schon jetzt von der mittleren Steinzeit bis zur Slawenzeit datieren. "Steilufer und solche Uferlagen weit ins Wasser hinein waren immer typische Orte früher Besiedelungen" ist sich Bovensiepen sicher. "Es wäre ein Jammer, wenn gerade dort nach Kies gebuddelt würde." Frank Balzer legt alle Unterlagen wieder in die Kiste. "Uns ist es derzeit zu ruhig um die Angelegenheit und wir befürchten, daß es einen Kuhhandel geben soll, um die FFH-Debatte zu entschärfen. Daher haben wir als Bürgerinitiative den zuständigen Brüsseler Kommissar Julien gebeten, das FFH-Gebiet 49 Nordrügensche Boddenlandschaft nicht aufzuheben." Der Anwalt der Gruppe hat zudem vorsorglich Beschwerde bei der Kommission des EU-Parlaments eingelegt.
Kiesabbau in Zessin genehmigt...
Kiesabbau in Zessin genehmigt darf jetzt gebaggert werden ? Zessin · In einer Pressemitteilung des Bergamtes Stralsund wird bestätigt, dass die Fa. Heidelberger Baustoffwerke GmbH für die Errichtung und den Betrieb eines Kiessandtagebaus in Trent-Zessin zugelassen ist. Der Planfeststellungsbeschluss beinhaltet die Gewinnung von Kiesen und Kiessanden im Trocken- und Nassschnitt, die Aufbereitung und die Durchführung der notwendigen Arbeiten für die Wiedernutzbarmachung bzw. Folgenutzung über einen Zeitraum von 30 Jahren. Von den beantragten 29,34 ha wurde die Gewinnung auf einer Fläche von 24 ha genehmigt, da ein 100 Meter breiter Schutzstreifen der Neuendorfer Wiek von jeglicher bergbaulicher Nutzung freizuhalten ist. Im Benehmen mit der zuständigen Forstdirektion muss die in Anspruch genommene Waldfläche im Verhältnis 1:2 ersetzt werden. Für das entstehende Gewässer wurde gemäß Landeswassergesetz das Einvernehmen vom Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (StAUN) Stralsund erteilt. Zu den zahlreichen Einsprüchen gegen dieses Verfahren äußerte sich das Bergamt in der Pressemitteilung wie folgt: "Das gesamte Verfahren wurde unter Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt. Die vorliegenden Stellungnahmen von Behörden, Institutionen, anerkannten Naturschutzverbänden, Einwohnern und einer Bürgerinitiative, die insbesondere Gefährdungen für den Naturschutz, den Alleenschutz und die touristische Entwicklung befürchten, wurden sorgfältig geprüft. Über Gutachten wurden mögliche Beeinflussungen auf die Neuendorfer Wiek und das NSG "Insel Beuchel" untersucht, um negative Auswirkungen des Vorhabens auszuschließen". Unter Würdigung dieser Gutachten kam das Bergamt Stralsund zu dem Ergebnis, dass keine erheblichen Beeinträchtigungen von Schutzgütern zu erwarten sind. Als Begründung für die Genehmigung des Kiesabbaus in Zessin führte das Bergamt die langfristige Sicherung der Rohstoffversorgung auf der lnsel Rügen an und den erhöhten Kiesbedarf durch den vierspurigen Ausbau der B 96 (sic!). Das bergrechtliche Planfeststellungsverfahren ist damit abgeschlossen. Der Beschluss wird auch im Amt Gingst einschließlich des festgestellten Plans und zugehöriger Unterlagen öffentlich ausgelegt. Gegen den Planfeststellungsbeschluss kann Klage beim Verwaltungsgericht Greifswald erhoben werden.
Bergamt, uns graut vor dir
Bergamt, uns graut vor dir Rügen braucht Arbeit - unbestritten. Damit beschäftigen sich auch Politik wie Wirtschaft auf ihre Art. Ob Rügen um jeden Preis jede Form von Beschäftigung benötigt, wird anhand des Planfeststellungsbeschlusses durch das Bergamt Stralsund einmal mehr fraglich. Dieses hat trotz erheblicher Bedenken - nicht nur der Träger öffentlicher Belange - für einen Kiesabbau bei Trent / Zessin grünes Licht gegeben. Befürwortung hört man bisher keine. Und das ist außergewöhnlich. Rügen · Kein Kies aus Zessin lautet die kontinuierliche Forderung der Bürgerinitiative vor Ort zusammen mit NABU, BUND und Grüner Liga. Diese fordern den Landkreis Rügen auf, sich gegen denPlanfeststellungsbeschluss zur Wehr zu setzen. Die NABU-Vorsitzende Marlies Preller: "Wenn der Landkreis Rügen seine Verantwortung für die Bürger der Insel und für eine umweltverträgliche Entwicklung des Tourismus in der Region Nord-West-Rügen wahrnehmen will, muss er auch eine Klage ernsthaft in Erwägung ziehen." Dies bestätigt auch der Rechtsanwalt der Bürgerinitiative, Peter Kremer. Nach seiner Aussage hat der Landkreis vor dem Verwaltungsgericht Greifswald in dieser Angelegenheit die besten Chancen, den Kiesabbau zu verhindern. Er begründet dies mit der Tatsache, dass die schmale Kreisstraße nach Neuenkirchen, über die der Kiesabbau erfolgen soll, nach übereinstimmender Behördenauffassung für eine Begegnung von Kieskippern nicht geeignet ist. Die Begründung des Bergamtes, hierfür nicht zuständig zu sein und diese Tatsache deswegen nicht einzubeziehen, bezeichnet er als falsch. Vielmehr liegen aus anderen Verfahren Urteile vor, aus denen hervorgeht, dass der zuständige Planungsträger bereit sein müsse, die entsprechende Zufahrt zu schaffen. Zur Lösung des Problems gibt es zwei "Möglichkeiten". Das Abholzen der Alleebäume oder den Bau einer zusätzlichen Straße. Beides ist nur mit Zustimmung des Landkreises möglich. Damit aber greift der Planfeststellungsbeschluss in die Kompetenzen des Landkreises ein. Dieser kann damit nach neuestem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes eine umfassende Prüfung des gesamten Planfeststellungsbeschlusses verlangen. Ebenso seien die Anwohner der betroffenen Gemeinden klageberechtigt. Auch die Bürgermeisterin Ute Arndt fordert den Kreistag auf, sich für eine gerichtliche Überprüfung des Beschlusses auszusprechen, damit der Kiesabbau nicht der Zankapfel der nächsten 30 Jahre werde. PDS sieht's sehr kritisch Als Vizepräsidentin des Landtages äußerte sich auch die Abgeordnete Kerstin Kassner sehr kritisch zur Entscheidung des Bergamtes. "Jahrelange Bemühungen, das Entstehen einer Mondlandschaft im betroffenen Gebiet zu verhindern, scheinen umsonst gewesen zu sein. Umstrittene Entscheidungen aus früheren Jahren (Treuhand vergibt Bergrecht) sind wohl mehr wert, als die Beschlüsse der Gemeinde, des Kreistages und aller Meinungen der Menschen, die dort leben und arbeiten. Ich kann mich nicht damit abfinden. Ich fordere alle Beteiligten auf, sich an einen Tisch zu setzen und nach Auswegen zusuchen. "Nach eigenem Bekunden bemüht sich die PDS, das Thema Kiesabbau auf die aktuelle Tagesordnung des morgigen Kreistages zu setzen. "Ein Beschluss, getragen von allen Fraktionen des Kreistages, könnte ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass das Interesse der Rüganerinnen und Rüganer im Mittelpunkt der Inselpolitik steht", so Frau Kassner. Ein Schlag gegen Bürgerinteressen "Entgegen den Interessen der betroffenen Bürger, entgegen aller fachlich fundierten Gutachten von zuständigen Umwelt- und Raumordnungsinstanzen, entgegen den Beschlüssen der zuständigen Gemeinde und des Landkreises erteilt das Bergamt die Genehmigung", nimmt das Bündnis für Rügen Stellung. Warum, so fragt die Wählervereinigung, werden die Interessen eines Heidelberger Unternehmens in einem bisher für Rügen nichtbekannten Ausmaß Bergbau zu betreiben, über die Interessen der Anwohner gestellt? Wir sagen ja zu nachwachsenden Rohstoffen von Rügen aus Land-und Forstwirtschaft, Bereiche, die nachhaltig wirtschaften und Arbeitsplätze erhalten oder schaffen. Nein allerdings sagen wir zu einem 30-jährigen Kiesabbau, der mit großflächigen Veränderungen der Kulturlandschaft und den zwangsläufig notwendigen Schwerlasttransporten auf der Straße über Jahrzehnte den Erholungswert der Region und die Wohn- und Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen beeinträchtigt.Wir können durch den Kiesabbau keine Vorteile für diesen Teil Westrügens oder die Insel als Ganzes erkennen. Eher sehen wir die Hoffnungen der Neuenkirchener Bürger in Richtung eines nachhaltigen Landtourismus in dieser Region als Entwicklungschance dauerhaft gefährdet. Ist dies nicht widersinnig? Ein Ministerium in Schwerin verlangt die Festsetzung von Schutzgebieten, gerade in den einmaligen Boddenlandschaften Rügens, und ein anderes genehmigt ihre nachhaltige Zerstörung. Deshalb unterstützt das BfR die Bürger der Gemeinde Neuenkirchen und die Bürgerinitiative gegen Kiesabbau und stellt sich ausdrücklich hinter die Interessen der Mehrheit der Bewohner der Region Nord-West-Rügen. Einstweilige Sicherstellung Umweltminister Prof. Wolfgang Methling hat zur Neuendorfer Wiek Mitte November die einstweilige Sicherstellung des geplanten Naturschutzgebietes "Neuendorfer Wiek" erlassen. Damit soll die typische Naturausstattung dieses Gebietes gesichert sowie Nutzungsänderungen oder -intensivierungen verhindert werden. Die einstweilige Sicherstellung verbietet alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Gebietes führen können. Diese Gebiet umfasst 540 Hektar, davon 411 Hektar Wasserfläche. Die 16,8 Hektar der Vogelinsel Beuchelstehen schon seit 1940 unter Schutz.
Bürger sollen rechtzeitig aufwachen....
Gemeindevertretung Neuenkirchen plagt Kiesabbau und Zweckverband Neuenkirchen · Die letzte Bürgerfragestunde am Anfang der Sitzung wird es wohl gewesen sein, beschloss das Parlament zu Beginn seiner Sitzung in Neuenkirchen am vergangenen Mittwoch. Um nicht allzu rigide mit Anfragen umgehen zu müssen, die sich mit Themen der Tagesordnung befassen, sollen Bürger zukünftig am Ende der Sitzung ihre Fragen stellen. Das ist kein pädagogisches Element. Die Kommunalverfassung verbietet es den Abgeordneten - übrigens aller Wahlgremien - vor der eigentlichen Debatte zu Tagesordnungspunkten Stellung zu beziehen. Damit soll eine Beeinflussung vermieden werden. Am Ende der Sitzung sind jedoch die Beschlüsse gefasst und auf Fragen kann ausgiebig eingegangen werden. Dass sich interessierte Bürgerinnen und Bürger dann die ganze Sitzung anhören müssen, kann sicher nicht schaden. Bürgerfragen zu Grubnow Grund von Anfragen war der B-Plan Nummer eins, Schloss Gut Grubnow. Hannelore Schauer aus der Nachbarschaft wusste geschickt, mit ihren Fragen auch eine Vielzahl von Informationen zu verbinden. Ob die Gemeinde vor hat, eine Verträglichkeitsprüfung machen zu lasen für das Vorhaben, das von 130 Betten ausgeht, wollte sie wissen. Auch, ob das faktische Vogelschutzgebiet und das potentielle FFH-Gebiet bei der Planung berücksichtigt seien. Auch, ob und wo der Rat erwägt, Ausgleichsmaßnahmen vorzunehmen. Da das Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung sei, fragte sie an, ob eine EU-Zustimmung eingeholt werde. Ganz praktisch ihr Einwand, dass die Wasserversorgung zwei Zoll dick und für Druck von rund acht Bar ausgelegt sei. 130 Betten erhöhten aber diesen Druck so sehr, dass Rückschläge mit bis zu 20 Bar die Leitung immer wieder lahmlegen könnten. Bürgermeisterin Ute Arndt verwies darauf, dass das Vorhaben den üblichen Weg öffentlicher Beteiligungen ginge und Einwendungen also geltend gemacht werden könnten. FFH-Verordnung produktiv genutzt Die Bürgermeisterin erkannte natürlich die Zielrichtung der Fragen. Ist sie doch selbst gerade dabei, die FFH-Richtlinien zur Verhinderung des Kiesabbaus Zessin in allen Details auszuschöpfen. Dieser Tagesordnungspunkt nahm dann auch einen gewichtigen Raum der Sitzung ein. Die Gemeindevertretung stimmte der Listung des FFH-Gebietes 49 nicht nur zu, sondern richtete in einer Petition an das Umweltministerium auch das Anliegen, das Gebiet auf die Fläche des seit 1995 geplanten Naturschutzgebietes auszuweiten. Als Grund dafür wurden geschützte Arten und Landschaftsanteile wie Salzwiesen und Trockenrasen genannt, sowie über 20 geschützte Tierarten, die nach Bundes- und Landesgesetz einem Vernichtungsverbot unterliegen. Vogelkundliche, Botanische- und Biotopgutachten, ehrenamtlich von Biologen der Uni Greifswald und Bodendenkmalpflegern zugearbeitet, fanden besondere Erwähnung und Dank der Bürgermeisterin. Klage gegen Kiesabbau Wegen Verletzung der Planungshoheit der Kommune, das Recht auf ungehinderte Zuwegung der Einwohner und Verletzung des F-Planes wird die Kommune einen Rechtsbeistand beauftragen, ihren Standpunkt Bergamt und Wirtschaftsministerium schnellstmöglich darzulegen. Sollte dies nicht fruchten, wird der Weg einer Verpflichtungsklage beschritten, um auf diesem Weg dagegen vorzugehen. Die Gemeindevertretung fasste bei sechs von sieben Anwesenden diesen Beschluss einstimmig.
Sag mir wo das deutsche Filzkraut steht
Sag mir, wo das Deutsche Filzkraut steht Neuenkirchen · Also wir sind selbst Schuld, wenn sie uns nun in Zessin das Deutsche Filzkraut vom Kieshügel baggern. Was müssen wir auch so entsetzlich viel bauen? Und dann auch noch eine vierspurige Straße! Wenn das mit dem Fortschritt hier oben im Rückständigen Norden nun auch noch einreißt, muss man schon ein bisschen dafür bluten. Von Nix kommt Nix. Der Rügendamm ist verstopft, da müssen wir mit unserem eigenen Kies vorlieb nehmen. Es gibt zwar Gutachten von der Uni Greifswald, dass der Bedarf, für die nächsten 20 Jahre auf jeden Fall gedeckt ist, auch der durch den Straßenbau erhöhte. Aber wer hat nicht gern ein bisschen Kies auf der hohen Kante. Der wird ja nicht schlecht. Aber mir wird schlecht, wenn ich mir das Verfahren beim Bergamt Stralsund anschaue. Absolut alle Träger öffentlicher Belange haben im Vorfeld des Verfahrens ihr deutliches Nein zum Kiesabbau in Zessin kundgetan. Dennoch setzt sich dieses Amt über nationales Naturschutz- und EU-Recht hinweg. Arbeitsplatze in der Tourismusbranche und in der landwirtschaft werden vernichtet. Wegen der notwendigen Straßenerweiterung der Kreisstraße 5 entstehen dem Landkreis zusätzliche Kosten in Höhe von 1,1 bis 1,6 Mio Mark. Die Kosten-Nutzen-Analyse für dieses Projekt beweist, dass es durch den Straßenausbau und die gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichspflanzung für die zerstörte Allee vollkommen unrentabel ist. Auf dem Kieshügel in Zessin haben Wissenschaftler allein 25 Pflanzenarten der "Roten Liste" nachgewiesen. Im Umweltgutachten der zukünftigen Betreiber war davon keine einzige genannt. Dabei sind einige Arten so gefährdet, dass für die ein absolutes Vernichtungsverbot besteht. Dennoch darf nach dem Beschluss des Bergamtes nun munter gebaggert werden. In der Stellungnahme des NABU Rügen meint Marlies Preller: "Zehn Jahre nach der Wende wird hier deutlich gemacht, wer im einig Vaterland das Sagen hat". Ich bin froh, dass sich die Beteiligten nicht entmutigen lassen. Das Wirtschaftsministerium wird wegen Formfehlern klagen. Die Gemeinde Neuenkirchen klagt, weil die Planungshoheit nicht beachtet wurde. Die Bürgerinitiative klagt bei der EU. Die Umweltverbände setzen sich nun nochmals an einen Tisch, um zu beraten, wie gegen den Entscheid des Planfeststellungsverfahrens vorgegangen werden kann. In einer Kabinettsitzung soll der Beschluss gefasst werden, das betreffende Gebiet an der Neuendorfer Wiek vorläufig unter Schutz zu stellen. Schließlich sollte dort schon seit langem ein ordentliches Naturschutzgebiet ausgewiesen werden, aber wegen des geplanten Kiesabbaus sind die Verträge bis heute nicht unterschrieben. Vielleicht gelingt es auf diesem Weg zumindest einen Aufschub zu erlangen. Wem es eine Herzensangelegenheit ist, einen wunderschönen Flecken dieser Insel vor der Zerstörung zu retten kann die Bürgerinitiative auch finanziell unterstützen: Konto 35 00 17 21 bei der Sparkasse Rügen, BLZ 130 510 42, Zahlungsgrund: Zessin.
Wie Betonfirma erweichen?
Wie Betonfirma erweichen? Bergen · Enttäuschung hatte sich bei der Initiative gegen den Kiesabbau Trent/zessin breit gemacht, als die Detailkarte des Umweltministeriums offenbarte, dass zwar Wasser und Röhricht, aber nicht die Landspitze mit der FFH-Ausweisung abgedeckt ist. "Niemand hat in diesem Verfahren eine wirklich saubere Weste" betonte Wolfgang Methling, weil überall Fehler gemacht worden seien. Statt auf eine direkte Konfrontation mit der "Heidelberger Zement" setzt er auf Verhandlungen, um eventuell eine neue Abbaustelle zu finden. "Wir werden auf dem Gebiet alles tun", versprach Methling, "aber man muss bessere Karten haben und da bin ich mir bei uns nicht sicher". Der wichtigste Weg sei derzeit, die Rechtsetzung zu verhindern. Konsequenter wäre der Schutz des Gebietes 1995 gewesen, aber wenn der Kreistag etwas anderes wolle, als die Landrätin, dann gehe das eben nicht, zeigte er sich durchaus informiert. Zudem gehe es derzeit auch darum, zu verhindern, dass die Landesregierung wegen Untätigkeit verklagt wird. Spekulationen, dass bei einer vorläufigen Sicherstellung des Areals durch das Umweltministerium das Bergamt sofort genehmige, scheinen nicht unbegründet, zumal die Behörde durch Gesetze noch aus dem deutschen Reich zur Rescourcensicherung sich tatsächlich besser stellt. Verschärfend kommt hinzu, dass nach derzeitiger Rechtsauffassung weder Kommune noch Bürger klageberechtigt sind.
Wie eine Kommune plötzlich anders über die FFH-Verordnung denkt
Wie eine Kommune plötzlich anders über die FFH-Verordnung denkt Gingst · Auch die vierte Gingster Gemeindevertretersitzung der neuen Wahlperiode begann mit einer Bürgerfragestunde. So bedankte sich zu diesem Anlass die Wehrführung der freiwilligen Feuerwehr über ein Geschenk der Kommune in Form einer Luftaufnahme und eine grosszügige Spende der Wirtschaft anlässlich der Feier zum Gründungstag. 560 Mark waren von der Bürgermeisterin Gerlinde Niepel bei Gewerbetreibenden gesammelt worden und die EWE, die kürzlich die Hauptgasleitung in den Ort fertiggestellt hat, beteiligte sich mit 1000 Mark. Die Bürgermeisterin nahm diesen Anlass nochmals als Aufhänger, von ihren Bemühungen zu berichten, Eigenheimbesitzer zum Eintritt in die freiwillige Feuerwehr zu bewegen, um so das Aufkommen von Geldern etwas anzuheben. Anders als in vielen westlichen Bundesländern, wo jeder männliche Bürger eine Feuerwehrabgabe zu entrichten hat, fallen die Mittel für die Wehren häufig auch unter das Spardiktat. Mit der Frage eines Bürgers zur FFH-Verordnung, und der Aussage, er würde nirgendwo richtige Auskünfte erhalten, zog zum wiederholten Male auch dieses Thema in die Sitzung ein. Diesmal passte es thematisch, weil sich auch die Abgeordneten positionieren sollten, obwohl Gingst keiner direkten Betroffenheit unterliegt. In einem kurzen Referat erläuterte die Bauamtsmitarbeiterin Ingrid Krempin die groben Zusammenhänge und wies mit Blick auf die Bürgerfrage darauf hin, dass sehr wohl Informationen im Amt auslägen, bisher jedoch nur ein Bürger im Namen des Anglerverbandes von diesem Angebot Gebrauch gemacht hätte. Vor allem die Abgeordnete Renate Balck machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube und wetterte gegen die Verordnung, die doch allen ihre Entscheidungsfreiheit nähme. "Bald werden wir überhaupt nichts mehr machen können und die Kinder gehen weg", befürchtet sie. Doch die Debatte nahm mit der Kritik, dass bei Trent/Neuenkirchen ja gerade die wesentlichen Teile ausgespart seien, eine neue Wende. Dies als Willkürakt empfundene Vorhaben brachte die Sprache auf den Fakt, dass der dort geplante Kiesabbau auch ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen für Gingst zur Folge hätte. In der Aussage, "der Kiesabbau wäre für uns eine Katastrophe", gipfelte dann der plötzliche Stimmungsumschwung. So beschlossen die Abgeordneten einmütig, eine Resolution bis zur nächsten Bauausschusssitzung zu erarbeiten, mit der sich Gingst gegenüber dem Umweltministerium dafür aussprechen möchte, die FFH-Ausweisung Trent/Neuenkirchen um das geplante Kiesabbaugebiet zu erweitern.
Neues vom Kiesabbau
Zessin (ostSeh) · Im November läuft die Veränderungssperre für das Naturschutzgebiet (NSG) "Neuendorfer Wiek mit Insel Beuchel" durch das Umweltministerium M-V aus, ist von der Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau Trent/Zessin zu erfahren. "In seiner momentanen Ausdehnung umfasst das NSG auch Teile des geplanten Kiesabbaugebietes Trent-Zessin. Der Schutzstatus trägt nicht unerheblich dazu bei, dieses wertvolle Stück Natur vor einer industriellen Ausbeutung zu bewahren", sagt Hartmut Kammin. Mit dem Ende der vorläufigen Unterschutzstellung des Gebietes fallen inhaltliche und juristische Hürden. Womöglich könnte noch in diesem Monat zum Bergrecht entschieden werden.
Kürzlich war ein NDR-Team vor Ort, der MDR berichtete und das ZDF sendet am 23. November um 12.45 Uhr in "Blickpunkt" einen Beitrag. Fliegerei auf Rügen
Berliner Oberschüler erlernen Segelfliegen auf Rügen.
Von Werner Breitkopf, North Vancouver, Britisch Columbia, Canada Es ist heute wohl kaum bekannt, dass Oberschüler aus luftgefährdeten Gebieten des "Deutschen Reiches" während des Krieges mit ihren Lehrern auf Rügen stationiert waren, um den allierten Bombenangriffen zu entgehen und an einem regulären, ungestörten Schulunterricht teilnehmen zu können. Eines Tages kamen zwei Abgesandte der Segelflugübungsstelle Alt-Reddevitz/Rügen nach Binz zu unserer Humboldt-Oberschule aus Berlin-Tegel, um uns in einem Lichtbilder-Vortrag über das Segelfliegen zu informieren. Obwohl sie hauptsächlich für das Trainieren als vormilitärische Ausbildung werben wollten, wurde uns dann später angeboten, als nicht viel Interesse fürs Militär gezeigt wurde, die Schulung bis zu den Pilotenscheinen als reinen Sport zu absolvieren. Sogar Lehrer konnten mitmachen. Als Voraussetzung war ein Mindestalter von 14 Jahren erforderlich sowie eine beglaubigteTeilnahmeerlaubnis durch ein Elternteil und eine Tauglichkeitsuntersuchung durch den "Flugarzt" in Göhren. Mein Tagebuch berichtet: "Wir werden auf Herz und Nieren geprüft. Blutdruck, Herzabhören, Lunge und Atmen, Husten, Gehör und Sehfähigkeit prüfen, Größe und Gewicht messen, auch ob Farbblindheit besteht, welches Teilnahme ausschließt" Ich war in der letzten Hälfte der zu Untersuchenden, was vielleicht mein Glück war, denn ich lag mit mehreren Pfunden unter dem geforderten Mindestgewicht. Dieses war insofern von Bedeutung, als das natürliche Gleichgewicht des Segelfugzeugs je nach Gewicht der einzelnen Flugschüler mit bis zu vier Trimmgewichten wiederhergestellt werden musste. Deshalb wurde ein Mindestgewicht der Schüler verlangt. "In kurzer Zeit wird es sich herausstellen", dachte ich, "und der Traum vom Fliegen ist vorbei!" Aber oft kommt es anders, als man denkt. Der Flugarzt war entweder gelangweilt, immer die gleichen Fragen zu stellen, oder er stand unter Zeitdruck. Jedenfalls kündigte er an, dass von nun an jeder Grösse und Gewicht selbst angeben solle. Natürlich wurde ich gleich ein paar Pfund schwerer. Und dann kam mir eine Idee: Ich werde mir während der Schulung in Alt-Reddevitz Steine in die Taschen stecken, um das fehlende Gewicht zu kompensieren , um dem Fluglehrer nicht aufzufallen. Gesagt, getan! Ich habe mir dann auch anfangsabgerundete Feldsteine in den Drillichanzug gesteckt, merkte aber bald, das es beim Fliegen nichts ausmachte. Im Gegenteil, ich habe als Drittbester meine Prüfung bestanden. Mitte April 1944 ging es dann nach Alt-Reddevitz. Für uns Schüler der Humboldt-Schule war dies eine willkommene Abwechslung. Die Verpflegung war hier ungewohnt schmackhaft und vor allem reichlich, und besonders waren wir vom Schulunterricht befreit. Die Segelflugübungsstelle umfasste zwei aneinadergebaute Standard-Militärbaracken, eine mit den Schlafräumen, die andere für Tagesräume (z.B. "Speisesaal"), Küche, Büros und Räume für die Lagerleitung und für die Fluglehrer. Dazu kam die Flugzeughalle mit angebauter Werkstatt für Reparaturen, der Fliegerberg selbst, und der sog. genannte "Idiotenhügel" für Anfänger an seiner Südflanke. Ein großes flaches Feld vor dem Idiotenhügel wurde für den Windenschlepp benutzt, wo eine dieselgetriebene Winde das Startseil mit dem Flugzeug am anderen Ende an- und hochzog. Neben dieser Startart gab es vor allem noch das Katapult-Verfahren, bei dem mit zwei von einer Startmannschaft gezogenen Gummiseilen vom Berg gestartet wurde. Das Segelfluglager hatte keine Motorflugzeuge für den Flugzeugschlepp, heute die meistgebrauchte Startart. In der Flugzeughalle standen ca. 20 flugfähige Segelflugzeuge verschiedener Bauart zur Verfügung; weiterhin befanden sich in einer Ecke ein paar neue Schulflugzeuge, deren Rümpfe und Flügel noch nicht montiert waren, um weniger Platz zu benutzen. Laut des Augenzeugen Engelbert Hinz aus Essen, der damals in der Werkstatt arbeitete, waren in ihr auch immer einige Schulflugzeuge zur Reparatur. Von den vorhandenen Flugzeugtypen waren dominierend der Schultyp "Schulgleiter SG 38" in offener Ausführung und verkleidet (mit "Boot") sowie die "Grunau Baby" IIa und IIb. Dazu kam der einzige Doppelsitzer "Kranich" und die Hochleistungsflugzeuge "Weihe" und "Mü 13", die aber ausschließlich von der Lagerleitung geflogen wurden. -- Später wurde mir berichtet, dass im Juni 1945 alle Segelflugzeuge auf Weisung der sowjetischen Besatzungstruppen auf einen Scheiterhaufen gebracht und dort verbrannt wurden. Nach unserer Ankunft in Alt-Reddevitz erfolgte die Anweisung der Schlafräume, die Verteilung der Drillichanzüge für den Schuldienst, der Fliegermäntel für den Ausgang sowie die Einteilung der Humboldtschüler in drei Fluggruppen. Jede dieser Fluggruppen bestand aus 14 Mann Startmannschaft, dem Schulpiloten und dem Fluglehrer. Nach anfangs theoretischem Unterricht fing der eigentliche "Schuldienst" am 18. April 1944 mit Pendelübungen auf dem Fliegerberg an. Das Flugzeug wurde mit dem Piloten auf einen Pendelbock in den Wind gestellt und vom Fluglehrer an der Tragfläche horizontal gehalten, bis der Pilot die Balance fand. Jeder Flugschüler musste für 15 Minuten diese Pendelübungen machen. Dann ging es zum Training für die Anfänger zum schon genannten "Idiotenhügel" , wo zunächst Erdrutscher ohne Erdabhebung vorgenommen wurden. Höher hinauf erfolgten dann Rutscher mit Erdabhebung. Später wechselte man zum Fliegerberg für immer höher gelegene und damit weitere Starts. Dabei hielten zwei Mitglieder der Startmannschaft das Flugzeug hinten an einem kurzen Knotenseil fest, 12 Mann wurden am doppeltren Gummiseil in V-Form voraus aufgestellt. "Ausziehn, laufen, los!" lautete das Kommando des Fluglehrers, wobei die zwölfköpfige Startmannschaft den Berg hinunter rannte, bis bei "los" das Schulflugzeug hinten losgelassen wurde, daraufhin voraus schnellte und in die Luft stieg. Viele Male haben wir solche Starts und "Flüge"geübt. Nach jeder glücklichen Landung musste das Schulflugzeug auf einem zweirädrigen gummibereiften Karren, dem sog. "Kullerchen", von der Start- bzw. Flugmannschaft wieder auf den Berg hinaufgezogen werden. Das war für uns Jungs richtig schwere Arbeit. Am 29. April 1944 legten wir dann unsere erste Pilotenprüfung ab, die sogenannte A-Prüfung, mit 4 Bedingungsflügen, wobei wir für über eine Minute in der Luft bleiben mussten. Nach erfolgreichem Abschluss erhielten wir unsere Pilotenscheine, die uns damals zu den jüngsten Piloten Deutschlands machten, denn man hatte gerade das Mindestalter dafür von 15 auf 14 Jahre herabgesetzt. Jeder neue "Pilot" erhielt sofort nach dem Bestehen, also noch auf dem Flugfeld, den tradtionellen "Abschlag aufs Hinterteil", und zwar von der ganzen beteiligten Flugmannschaft. Die Ausbildung war hart, aber die Ausbilder waren einfühlsam und freundlich, immer auf das Wohl der Flugschüler aus Berlin bedacht. Allen Teilnehmern dieses und der folgenden Lehrgänge für wei-tere, höhere Pilotenprüfungen bis zum März 1945 bleiben neben den anderen Fluglehrern und zwei Fluglehrerinnen besonders Herr Bernhard Meussling aus Sehlen als hervorragender Fluglehrer und meisterhafter Segelflieger und Feldwebel Conrad in Erinnerung. Leiter des Lagers & auch Flug-lehrer war Sturmführer Richard Neumann aus Stettin, der die drei besten Neupiloten, zu denen auch ich gehörte, im "Kranich" für eine halbe Stunde mit in die Luft nahm. Als wir Anfang März 1945 zum Fluglager am Fliegerberg zurückkehrten, um unsere nächsten Prüfungen abzulegen, hatte sich Einiges geändert. Die vormals weißen Flugzeuge hatten jetzt einen Tarnanstrich wegen der gestiegenen Angriffsgefahr. Seit Sommer 1944 hatte das Lager zwei Fluglehrerinnen, da Fluglehrer wie Feldwebel Conrad zum Militäreinsatz einberufen worden waren. Ab und an ging es auch damals noch zum Hangsegeln an die Zickersche Steilküste, wo die Aufwinde gewaltig sind und die Fluglehrer oder Sturmführer Neumann ihre Flugkunst demonstrierten. Da es nicht sehr einfach ist, den Konturen der Klippen zu folgen, muss man hierfür zumindest die "C"-Prüfung (Abzeichen mit den 3 Möven) haben, um nicht Pilot und Flugzeug in Gefahr zu bringen. Man muss kurz vor den Klippen der dort 30 – 50 m hohen Steilküste fliegen, um in den Auftrieb des sich an den Klippen brechenden Seewindes zu kommen. Gerät man von dieser Linie zu sehr landeinwärts, so landet man im Dornengestrüpp, fliegt man zu weit seewärts, verliert man den Auftrieb und endet im Meer. So war es gewöhnlich den Fluglehrern vorbehalten, hier zu fliegen; sie blieben meist 2 Stunden in der Luft. Eines Tages wollte uns eine der beiden Fluglehrerinnen eine Demonstration geben. Nun muss man wissen, dass diese Steilküste an einer Stelle von einer Schlucht unterbrochen ist, dem sog. "Griepel" in dessen Verlauf nur verhältnismäßig kleine Hügel am Boden existieren. Dort muss man entweder der Konturlinie landeinwärts folgen oder mit Extra-Schwung die Schlucht überqueren. Die Fluglehrerin entschied sich fürs Letztere. Aber sie verkalkulierte sich, hatte nicht genug an Höhe gewonnen, um im Sturzflug die nötige Geschwindigkeit für die Überquerung zu erreichen, verlor den Auftrieb und endete im Meer. Es dauerte eine Weile, bis wir die Böschung bis zum Strand hinunter kamen, wo das Flugzeug im Wasser schwamm.Die Tragflächen hielten es an der Oberfläche. In der Mitte darauf saß die Fluglehrerin. Wir mußten nun in das kalte Wasser des hier ostseenahen Boddens, um ein Seil zum Flugzeug zu bringen. Als der Erste unserer Mannschaft mit dem Seil das Flugzeug erreichte, nahm sie ihm mutig das Seilende aus der Hand und tauchte unter die Wasseroberfläche, um dessen Öse in den Haken am unteren Vorderrumpf zu stecken. Und dann zogen wir alle Mann das Flugzeug aus dem Wasser und an den Strand. Noch heute erinnere ich mich: Das Wasser war verdammt kalt im März 1945! In den folgenden Tagen waren wir mit den Vorbereitungen für unsere B-Prüfung (2 Möven) beschäftigt. Mein Tagebuch hält dazu Folgendes fest: 22.3.: Sehr kalt, nachmittags schön, Nord- und Südhang, 23. 3.: Starts am Südhang, 24. 3.: Heute fliegen wir schon B-Bedingungsflüge, 3 Starts. Die B-Prüfung haben wir im Grunau Baby am Hang (Berg oder Hügel) abgelegt. Dabei wurden wir mit 2 Startmannschaften gestartet, je 5 Mann an 4 Seilenden, dadurch kam man höher und weiter hinaus. Der 4. Start war die B-Prüfung: Eine 8 voraus über 1 Minute. Ich mache sie als 3. Gott sei Dank, es ist geschafft! 25. 3.: Bis 3 Uhr geschult. Die fertigen A-Schüler bekommen ihre "Prügel". 27. 3.: Wir helfen der A-Gruppe. Abends Abschiedsfeier bis ½ 2 Uhr. 28.3.: Vormittags Sachen packen, nachmittags im Güterwagen (der Rügenschen Kleinbahn) nach Binz. Dass dies ein Abschied für immer sein würde, habe ich damals nicht gewusst.
Frühstückslektüre von Güttin nach Bornholm geflogen
Wo frühstückt der Postmann
Güttin/Bornholm · Meine kurze Annahme, ich sei der Erste, wird schnell widerlegt. Vorne am Büro sehe ich gerade Gerhard Kleinert, den Geschäftsführer der »Ostsee-Flug Rügen GmbH« die Türe öffnen. Er hat die Fracht schon ladegerecht abgestellt und den Bestand mit dem Lieferschein verglichen. Ein Tag wie viele der sommerlichen Wochentage, wenn Urlauber auf Bornholm mit deutschen Tageszeitungen versorgt werden. Was abenteuerlich anmutet und bei dem an diesem Tag bedeckten Himmel auch nicht wie ein Freizeitvergnügen aussieht, ist für die Piloten Routine. Peter Dieckmann kommt auf den Platz. Er fliegt heute. Das Wetter hat er schon von zu Hause telefonisch eingeholt. Die schwarzen Wolken am Himmel sind nur die Vorboten, sagt er. Derzeit wird Barth mit dem seit Wochen ersehnten Naß überschüttet. Wir müssen uns beeilen. Zwar ist die Maschine zum Blindflug mit Instrumenten ausgerüstet, aber die Wolkendecke drückt immer tiefer. 1000 Fuß derzeit, was 300 Metern entspricht. Seit 1979, als Peter Dieckmann begann, mit Agrarflugzeugen seine Runden zu drehen, ist der Pilotensitz sein Arbeitsplatz. Genau zehn Jahre weniger sind das, wie die »Cessna207« auf dem Buckel hat, die wir fliegen werden. Er wirft einen kurzen Blick auf die Schlagzeilen der gesammelten deutschen Presse. Dann widmet er sich der Maschine mit dem Kennzeichen D·EBBG, läßt den Motor warmlaufen und rollt an den Zeitungsstapel. Der Motor ist mit das Wichtigste beim Flugzeug und der ist erst ein knappes Jahr alt. Schnell sind die Packen verstaut und wir fädeln uns noch auf die beiden vorderen Sitze. Schwimmwesten müssen angelegt werden. So will es die Vorschrift. Ein kurzer Funkkontakt mit dem Flugleiter und wir rollen auf die Piste. Neben dem Startpunkt läßt sich unbeeindruckt ein großer Greif nieder, gerade als ob er einen Synchronstart wagen will. Nach dem letzten Check Vollgas und die »Cessna« hebt von der Startbahn 08 ab und dreht querab Güttin eine große 180 Grad-Schleife. Damit ist für alle Frühaufsteher das Geheimnis der morgendlichen Maschine über Bergen gelöst: Es ist der Postflieger. Über den Wolken.. Beim letzten Bodenkontakt durch ein kleines Wolkenloch ist gerade noch das Landratsamt zu erkennen. Dann umfängt uns wabberndes Weiß, das manchmal von roten Strahlen durchbrochen wird. Wer gewinnt heute? Sonne oder Bewölkung? Für uns klärt sich die Frage schnell. Während via Sassnitz die Insel verlassen wird,streben wir 5.500 Fuß entgegen und sind damit über den Wolken mitten in strahlendem Sonnenschein. Peter meldet sich über Funk bei »Berlin Information«. Da er ins Ausland und zudem über Wasser fliegt, existiert ein fester Flugplan. Zudem erfordern Instrumentenflüge spezielle Flugflächen, weil nur unsere Controllerin am Radar, die uns ein Weilchen begleiten wird, den Überblick hat. Orientierung im Blindflug Irgendwann kommt unvermittelt über die Kopfhörer vom Piloten die Ansage, daß dort unten irgendwo sonst immer Fischer sind. Natürlich ist heute nichts zu sehen, aber das Navigationssystem zeigt exakt die geflogene Strecke von 32 nautischen Meilen. Ein Pilot mit Instrumentenflugerfahrung sieht damit ebenso. Daher weiß er auch, daß vor uns gleich Bornholm auftauchen wird. Und tatsächlich. Gerade noch dunkle Silhouette entpuppt sich das schwarze Band als Land. Nach Abmeldung in Berlin sinkt die Cessna« und Peter ruft auf einer neuen Frequenz Bornholm Tower. Dort kennt man den Flieger schon und spricht ihn gleich mit "Postman" an. Ein weiteres melden am Pflichtpunkt, eine 90 Grad-Kurve und die Piste liegt vor uns. Kleine Insel großer Platz Trotzdem daß Bornholm um ein vielfaches kleiner ist als Rügen, hat der Flugplatz gewaltige Ausmaße. Kein Wunder. Im kalten Krieg diente er der »NATO« als Vorposten. Heute landen dort nur noch Verkehrsmaschinen bis hin zur »Boeing 737«. Der Tower gibt unsere Landezeit durch. 7.21 Uhr mitteleuropäischer (MEZ) Zeit, aber 5.21 Uhr nach koordinierter Weltzeit (UTC), wie in der Luftfahrt üblich. Kaum gelandet, kommt ein kleiner Transporter aufs Rollfeld. Sanne Kofoed begrüßt den Piloten wie einen alten Bekannten. Sie holt fast immer die Zeitungen ab. Die Luken werden bald wieder geschlossen und wir melden uns kurz an der Fluginformation. Auch dort ein freundliches "Hello Mister Postman". Die Abfertigungshalle für den normalen Flugverkehr hat die Dimensionen eines großen Flughafens. Doch sie ist leer. Nur vereinzelt strebt Personal dem gleichen Platz zu wie wir: Ein Kaffee ist jetzt fällig. Doch nicht zu lange, denn vor der ersten Verkehrsmaschine des Vormittags wollen wir wieder am Start sein. Das klappt nicht ganz. Während unserer Anmeldung über Funk im Tower schwebt sie schon im Endanflug. Für uns heißt das warten. Dann geht es 8.21 MEZ wieder gen Rügen. Der Tower entläßt uns am Pflichtmeldepunkt sechs Meilen außerhalb seines Kontrollbereichs mit einem freundlichen "Tschüß bis demnächst." Manchmal hat auch der formale Funkverkehr menschliche Züge. Wie im schwarzen Sack Für menschliche Züge bin ich auch später empfänglich, als wir schon lange wieder mit Kurs 229 Grad Rügen ansteuern. Diesmal ist nämlich tatsächlich nichts mehr zu sehen und zum Grau der Wolken in 4.500 Fuß kommt noch Regen. Es wird rabenschwarz um uns herum. Zu allem Überfluß gibt es auch heftige Turbulenzen, die uns hin und her werfen. Es wird ungemütlich. Zwei bis drei Minuten sind die statistischen Überlebenschancen für einen des Instrumentenflugs unkundigen Piloten, wenn er in die Wolken einfliegt. Denn sofort ist jegliche Orientierung dahin und nur Instrumente wie der künstliche Horizont und die elektronischen Navigationshilfen geben die Orientierung, die sonst völlig fehlt. Die Reaktion ist meist Panik. Der Gleichgewichtssinn spielt verrückt. Auch mich beschleicht ein komisches Gefühl ob dieser direkten und sehr ruppigen Natur um mich herum. Die Streben, die die Tragfläche des Hochdeckers abstützen, sind nur noch zur Hälfte zu sehen. So viel zur Sicht. Gerade in einer Kurve, als es meinen Sinnen höchste Konzentration abverlangt, meldet sich die Stimme der Controllerin am Radar über Funk aus Berlin. Beruhigend, daß wenigstens sie den Überblick wahrt, solange wir Kurs und Flugfläche wie geplant halten. Peter Dieckmann erzählt, daß bei guter Sicht der Rückflug oft mit dem von ersten Sonnenstrahlen beleuchteten Königstuhl belohnt wird. Darauf muß heute verzichtet werden. Nur die Berechnung des Navigationssystems sagt uns,daß Rügen naht. Nach Abmeldung bei Berlin Information und umschalten auf die Güttiner Frequenz erfahren wir, daß die Wolkendecke weiterhin gesunken ist. Zielgenau auch diesmal wieder der Anflug, der nach einem erstaunten Blick des Piloten auf die Uhr schneller als erwartet gegangen war. Es gibt also doch noch Überraschungen im Alltag eines solchen Routineflugs.
Peter Dieckmann geht zum Friseur. Die Zeit reicht gerade noch, seinen schon am Vortag ausgemachten Termin zu halten. Es ist 8.55 Uhr. Etwas später als sonst. Aber alles Routine. Auch für die Insulaner Rügens hat der Tag schon lange mit der Tageszeitung begonnen.
Vor der Autobahn entstand die Flugachse
Ostseeflug Rügen (OFR) wird zehn Jahre Nicht überall sprechen Geschäftspartner, die sich vor zehn Jahren aus Ost und West zusammengefunden haben, respektvoll voneinander. Ein gutes Beispiel ist die Kooperation der Ostfriesischen Lufttransport GmbH (OLT) mit dem Güttiner Flugplatzbetreiber. Der Landeplatz auf Rügen hat sich durch maßvolle Geschäftspolitik in die Erfolgsbilanzen des Landes geschrieben. Güttin · (ostseh) Dabei hatte die Graspiste als sogenannter Grundflugplatz der Agrarfliegerei seit 1982 auf eine wenig komfortable Zukunft geblickt. Als die Ackerfliegerei am Boden lag, kam es zwar 1990 zu ersten touristischen Rundflügen - ein Pilot, ein Gast - mit der Z 37 oder einer Antonow II, doch die Aktivitäten im Land konzentrierten sich zu Anfang mehr auf Barth und Heringsdorf. Allerdings hatte Güttin schon Begehrlichkeiten geweckt, den Platz dort als Außenstelle einzugliedern. Da kam es gelegen, dass Agrarpilot Peter Dieckmann bei seiner Fortbildung in Hamburg Heinz Fieseler von der OLT kennenlernte. Der Mann mit dem legendären Fliegernamen schaute sich Güttin an und war angetan. Schließlich fliegt seine Gesellschaft schon immer auf Graspisten die Inseln der Nordsee an. Der kleine Schuppen mit Fliegerstübchen tat dem keinen Abbruch, den Güttin lag und liegt ideal für einen Landeplatz zwischen den Zentren. Und so fuhren Peter Dieckmann und der damalige Wirtschaftsdezernent Lutz Brauer am 6. Mai 1991 nach Emden, um eine Firma zu gründen und mit der ersten Cessna 175 auch ein Flugzeug nach Güttin zu bringen. Blauäugig hatte sich damals Lutz Brauer noch als Geschäftsführer eintragen lassen, was ihm als Beschäftigtem des Landratsamtes nicht wenig Ärger einbrachte. Aber man hatte eben zu handeln, schaut er heute zurück. Ein erstes Konzept im Kreis sah Güttin als Flugplatz vor und die Handelnden erkannten, dass vor allem die Zulassung des Platzes nicht verlöschen durfte. Im Juli 1992 gab Lutz Brauer seinen Geschäftsanteil an der Firma dann zurück, die OLT hält seither 66 Prozent und Gerhard Kleinert wurde zum Geschäftsführer bestellt. Die Zeit damals ging auch nicht ohne Bruchlandungen ab, teils sprichwörtlich, teils real. So hatte der damalige Landrat Klaus Eckfeldt Bornholmer Entscheidungsträger zum Besuch geladen, die von ihrem Großflugplatz kommend, die Landung auf der Graspiste Rügens für eine Notlandung hielten. Andere verloren gar ihr Bugrad, weil ihnen die Buckelpiste nicht so geläufig war, wie den Agrarpiloten. Postflüge wurden gestartet, Linienflüge nach Berlin versucht, doch wenig hatte Bestand. Bis die geplante Ansiedelung der Meyer-Werft dem Platz für die Geschäftsanbindung des Managements mehr Bedeutung gab. Doch während im Herbst 1992 der Startschuss für die befestigte Piste als Gunst der Stunde abgefeuert wurde, diese im Mai 1993 nach einem kurzfristigen Baustopp fertiggestellt wurde, scheiterte die Werftansiedelung. Anders der in ihrem Schatten gebaute Flugplatz. 1995 erhielt er eine moderne Befeuerungsanlage nebst Flugzeughalle und 1998 das Gebäude mit Tower, wie es die OLT bis heute nicht hat. Und die Beteiligten sind sich dessen alle bewusst, dass diese Erfolge des Ausbaus nur der Gründerzeit geschuldet waren. Heute, bei der Debatte um die nochmalige Verlängerung der Start- und Landebahn auf 1320 Meter Länge und 30 Meter Breite aus Sicherheitsgründen werden die echten Zeitabläufe solcher Verfahren erst deutlich. Doch anders als bei den umliegenden Großprojekten hat Güttin mit rund 14000 abgefertigten Passagieren pro Jahr und mittlerweile rund 10 000 Flugstunden eine positive Tendenz. Jürgen Trittin, Angela Merkel oder Gregor Gysi sind neben vielen Geschäftsleuten und Privatpassagieren nur einige prominente Beispiele. Und selbst wenn es nicht mehr so schnell geht: Mit einer gewissen Beharrlichkeit holt Gerhard Kleinert immer wieder neue Erfolge an Land. Wie die Kerosin-Tankstelle für Helikopter, die Rügen bei Dienstmaschinen aller Art zu einer festen Größe werden ließ. Und auch da geht er häufig noch selbst an die Zapfsäule. küma
Für Höhenflüge in die Zickerschen Berge
Landeplatz Güttin stabilisiert seine Betriebszahlen 12 Landeplätze, Verkehrsflughäfen und Sportflugplätze gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Kritiker bezeichnen das als zu viel und verlangen seit Jahren eine wirtschaftliche Bereinigung. Doch diese steht erst noch an. Wenn Zuschüsse wegfallen und das eigentliche Potenzial vor Ort zählt, wird sich mancher Platz noch nach der Decke strecken müssen. Güttin · Kürzlich war es wieder in der Presse zu lesen: Der 1999 geschasste Barther Flugplatzgeschäftsführer Gerhard Jendrass habe schon 1990 vor dem Ausbau des Landeplatzes Güttin gewarnt (OZ-HST /10. Januar 2000). Schon 1990 habe Jendras dem damaligen Rügener Landrat Eckfeldt gesagt, dass Güttin nicht ausbaufähig ist und Eckfeldt sich eine andere geeignete Fläche für einen Landeplatz suchen soll." Auch 1997 habe er der Landrätin Karin Timmel ein Kooperationsangebot gemacht, ohne je eine Antwort zu erhalten. Grund für diese Rechtfertigung ist die in Fachkreisen als offenes Geheimnis kursierende Tatsache, dass Jendras im Kampf um seinen Job als Top Manager auch nicht davor zurückschreckte, Kollegen direkt oder indirekt anzuschwärzen. Denn die Flughafen GmbH Ostsee als Betreiber von Barth ist im Mitbesitz von Jendras mit seinem Partner Holger Wiese. Und in diesem Zusammenhang will er es nicht dem Zufall überlassen, welche Flugbewegungen im Land wo stattfinden. Als die Ostsee-Flug Rügen GmbH im Jahr 1999 ihre Tankstelle für Helikopter mit dem Treibstoff AV-Gas in Betrieb nahm, war wieder so ein Anlass. Rettungsdienste tanken in Güttin Denn für die Helikopterbesatzungen der Rettungsdienste vom SAR-Suchdienst oder auch den Notärzten war es schon lange klar, dass sie beispielsweise während aufwendigen Suchen im Seegebiet Rügens einen zu kleinen Radius und zu geringe Sicherheitsreserven an Treibstoff zur Verfügung hatten. Auch die Polizei mit den neuen Eurocoptern ist seither regelmäßig auf ihren Streifenflügen zu Gast und ebenso der BGS. Im Landratsamt führte das nach Durchsickern der Betriebserlauhnis für die AV-Gas-Tankstelle plötzlich zu Anfragen, ob denn die notwendigen bau- und umweltrechtlichen Genehmigungen für den Betrieb einer solchen Tankstelle vorlägen. Die Urheber? Ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Und mittlerweile kann nun auch die Rettungsleitstelle mit gutem Gewissen bei Anfragen für Krankentransporte eine positive Auskunft geben, wenn es um den speziellen Treibstoff für Hochleistungsflugzeuge oder Helikopter geht.
Vergleicht man dagegen die Zahlen von Barth, wird einem sehr schnell klar, woher die harschen Töne kommen. So hat Barth als Verkehrsflugplatz und somit auch anderen Zielgruppen seit 1992 eine rapide Abwärtsentwicklung von 16 090 Flugbewegungen bis zu 5 854 Starts und Landungen 1999 genommen. Dies bedeutet zwar eine leichte Steigerung gegenüber dem absoluten Tiefstand von 5 462 Flugbewegungen (1998), sind jedoch 3 664 Fluggäste (inc. Pilotlnnen) weniger, als auf dem Güttiner Platz. Klein aber fein ist der einzige Kommentar, den man Gerhard Kleinert dazu entlocken kann. Obwohl er weiss, dass der Berg noch lange nicht überwunden ist. Nachtrag: Einige Vergleichszahlen Das Passagieraufkommen im Land erhöhte sich kontinuierlich von 83 638 (1992) bis 220 046 (1998) und steht aktuell nach dem ersten Rückgang bei 217 064.
Erinnerungen eines Flugschülers an Alt Reddevitz
Segelflug auf Rügen war einmal sehr populär Von Prof. Dr. Wolfgang Heun
1943 wurde unsere Schule aus Berlin im Rahmen der Kinderlandverschickung (KLV) nach Binz evakuiert. »Haus Sirene« und »Haus Strandidyll« waren unsere "Lager". Anfang des Jahres 1944 fragte die Flugschule bei uns an, ob wir, die wir schon l4jährig waren, Interesse an einer Segelflugausbildung in Alt-Reddevitz hätten. Viele, darunter auch ich, hatten natürlich Interesse, denn jede Abwechslung im KLV-Alltag und vielleicht auch die Aussicht auf besseres Essen waren uns recht. Nachdem die Eltern ihre Zustimmung gegeben hatten; wurden wir Aspiranten in Göhren sorgfältig auf unsere Flugtauglichkeit gemustert und die dabei durchkamen, konnten fliegen lernen. Auch heute präsent Diese Zeit - laut meinem seither sorgfältig aufbewahrten Flugbuch vom 18. April bis 29. April 1944 - blieb mir in guter Erinnerung. Die Ausbildung war zwar hart, aber unsere Ausbilder, das ganze Personal dort am Fliegerberg, war einfühlsam, freundlich und immer auf unser Wohl bedacht. Zudem konnten wir uns endlich wieder einmal satt essen und das Essen war gut und reichlich. Wer hat damals eigentlich gekocht? Lebt vom Wirtschaftspersonal auch noch jemand auf der Insel?
Fliegerische Ausbildung Gut kann ich mich noch an die ersten Pendelübungen auf dem Pendelbock erinnern. Bei Windstärke fünf bis sechs, wie mein Flugbuch aussagt, war es keinesfalls einfach, Querlage zu halten. Aber man bekam das notwendige Gefühl dafür und es ging in Fleisch und Blut über. Oder die ersten Hopser und Flüge mit Gummiseilstart, bis wir es konnten, den Schulgleiter (SG 38) ohne Bumslandung und ohne Schaden wieder auf die Erde zu bringen. Es war für uns Kinder nicht leicht, den Schulgleiter mit dem Kullerchen (zweirädriger Transportkarren) den Fliegerberg zum Start wieder hochzuziehen, 20 bis 30mal am Tag.
Bruch gabs auch Einmal konnten wir die Deichsel vom Kullerchen nicht mehr halten und sie schlug hoch in die Fläche. Im Laufschritt ging es hoch zur Halle und Siegbert Hinz besserte den Schaden aus. Mit dem Fliegen war es an diesem Tag leider vorbei. Absoluter Höhepunkt unserer Ausbildung waren die Starts mit der Seilwinde auf dem Feld unterhalb des Fliegerberges. Damit wurden die Bedingungen für die A-Prüfung und den A-Flug absolviert. Einmal bin ich von der falschen Seite eingestiegen (eine fliegerische Todsünde -eingestiegen wird immer von der linken Seite/die Redaktion) und einmal habe ich erst nach dem Ausklinken des Seils den »SG 38« "nach-gedrückt", zum Glück noch rechtzeitig. ("Nachdrücken" mit dem Steuerknüppel war notwendig, um aus der unnatürlichen Flugsituation des Windenschlepps schnell wieder Fahrt aufzunehmen, um nicht wegen Strömungsabriß runterzufallen. Zudem entlastet es den Seilzug vor dem ausklinken/die Red.) Mir hat das 10 Flache (Liegestützen) eingebracht. Eine gute Lehre und ich machte diese Fehler nicht nochmals. Das Fliegen brachte viele Spaß und die bestandene A-Prüfung war der Lohn für alle Anstrengung.
Nicht ohne Bedingungen Für die B- und C-Prüfung, die uns für einen späteren Lehrgang angeboten worden war, wollte ich mich nicht entscheiden, wegen der damit verbundenen Bedingung, sich freiwillig zur Luftwaffe zu melden. Das kam für mich 1944 nicht mehr in Frage. Schade, daß vor Ort nur noch der Fliegerberg an diese Zeit erinnert, aber es gibt ja Bernhard Meußling und ich bin ihm dankbar, daß er die Erinnerung wachgerufen hat. Vielleicht melden sich ja noch andere Ehemalige zu Wort. Ostsee-Anzeiger Insel Rügen 22. Oktober 1997
Für Höhenflüge in die Zickerschen Berge
Segelflug auf Rügen war einmal sehr populär
Mit ständiger Entwicklung der Segelflugtechnik, die, auf das gesamte Gebiet Deutschlands betrachtet, rasante Fortschritte machte, suchte auch die »Flugsportgruppe Rügen« einen Platz, wo sie mehr als nur Luftsprünge machen konnten. Grundzüge des Thermikfluges in warmen Aufwinden unter Cumuluswolken waren schon bekannt - Georgii hatte im April 1928 erstmals einen längeren Thermikflug unter einer Wolke absolviert, der weitaus höhere Steiggeschwindigkeiten ergab, als am Hang. Im Herbst 1928 führte er diese, bis dahin ausgefeiltere Technik, erstmals der staunenden Fluggemeinde während eines Wettbewerbs auf der Wasserkuppe vor. Die Spezialisten machten sich daran, Techniken für Streckenflüge zu entwickeln. Nach anfänglichen Strecken unter zehn Kilometern näherte man sich nun der magischen Grenze von 200 Kilometern Strecke. Der Flug entlang von Hängen, die den Wind nach oben umleiten, wurde aber weithin noch als Standard des Höhengewinns ohne Motor gelehrt. Zumal Rügen durch seinen Wind auch Thermik viel schwerer entstehen läßt. Was lag also näher, als auch hier nach flugfähigen Hängen zu suchen.
Auf zum Fliegerberg
Die politische Entwicklung, die sich bald schleichend, dann immer rasanter auch des Segelflugs als willkommenem Mittel bemächtigte, beförderte auch die Rügener Segelflieger und das Fluggelände. Was sich im Zivilen als Sport darstellte, hatte natürlich auch schon lange das militärische Interesse geweckt. Viele Entwicklungen liefen parallel. Während man die Anfänger noch mit einem 1 000 Meter langen Gummiseil "in den Wind schoß", wurde auch die Technik entwickelt, experimentierten andere damit, Flugzeuge an Kraftfahrzeugen, später mittels einer Seilwinde oder auch schon an Motorflugzeuge gehängt, in die Luft zu befördern. Bernhard Meußling erhielt nach entsprechender Flugpraxis in Leva seine Ausbildung zum Segelfluglehrer und begann, auch andere zu schulen.
Die nächste Generation Die Flugzeuge zum Schulen für die Jugend wurden vom Militär konstruiert und die Ausbildung war der Hitler-Jugend, der Flieger-HJ, angegliedert worden. Das ganze zivile Flugwesen unterstand dem Nationalsozialistischen Fliegercorps (NSFK) und war eindeutig auf die Schulung zu Piloten der Luftwaffe ausgerichtet. Der Traum vom Fliegen sollte für viele dieser Generation im Desaster enden. 1938 stieß Edmund Lorenz aus Middelhagen, Sohn einer Fischerfamilie, mit zehn Jahren zur Fliegerei. Bernhard Meußling, der wegen seines fehlenden Auges auch später nicht zur Luftwaffe eingezogen wurde, war sein Fluglehrer. Ich hörte erstmals von Lorenz auf dem Flugplatz Güttin, wo er heute noch häufig anzutreffen ist. Auch ihn ließ die Fliegerei nie los. Er macht 1943 seine A-Prüfung in Reddevitz an Pfingsten 1944 die B-Prüfung und im Juli 1944 noch die C-Prüfung. Er erinnert sich gut an den Namen des damaligen Flugplatzleiters: Erwin Neumann. Auch daran, daß sie noch geflogen seien, als die Bomber schon nach Peenemünde über den Platz donnerten. Edmund Lorenz erzählt von der großen Halle, die 1942/43 für die Flugzeuge gebaut worden war. Bei einem Besuch zeigte er mir die Fundamente. Nur den Platz, an dem 1945 die ganzen dort gelagerten Segelflugzeuge von den Russen verbrannt worden sind, kennt niemand mehr. Auch die Gattin des Werkstattleiters Erich Schneider besuchen wir, die uns in Alt Reddevitz noch ein Foto der Halle aushändigt. In der Zeit nach 1945 fällt diese Halle der Not an Materialien aller Art zum Opfer. Für Bernhard Meußling war es das Ende der Fliegerei, da er den Platz aus verständlichen Gründen lange Zeit mied. Zwar war das NSFK auch von der Sowjetarmee nicht als direkt kriegsbeteiligt eingestuft worden, doch Verhöre und Inhaftierung gab es Anfangs schon, verbunden mit der bangen Frage, was danach käme. Die Flugbücher mit den ganzen Stempeln von Edmund Lorenz hatten vorsorglich gleich die Eltern verbrannt. Doch Edmund Lorenz war wieder dabei, als 1949 junge Leute von der Universität in Rostock kamen und sich erinnerten, daß in Reddevitz einmal geflogen worden war. Sicher auch beflügelt vom ersten Segelflugwettbewerb der Nachkriegszeit 1947 in der Schweiz.
Der Neubeginn In Mariendorf hätten sie immer geschlafen. Die seien auch schon wieder ganz gut ausgerüstet gewesen, wohingegen die Hiesigen sich alles zusammenbauen mußten. Selbst Bernhard Meußling wurde nochmals nach Techniken und Plänen des Flugzeugbaus befragt, ansonsten aber als "Überbleibsel" der Nazi-Zeit eher gemieden. Man begann wieder, mit den alten Typen wie Grunau Baby, Weihe, ja selbst dem Schulgleiter, den Segelflug. Günther Drews aus Stralsund erinnert sich, daß er 1954 nach der Ausbildung an die Volkswerft in Stralsund gekommen sei. Hier stieß er auf die Fliegergruppe. Viel geforscht habe man damals nicht nach der Vergangenheit. Die Dorfbevölkerung habe sogar gedacht, mit den Fliegern komme die alte Zeit wieder. Die waren schon damals "hinterm Berg," so Drews. Neun Jahre alt war er, als der Krieg 1945 zu Ende gegangen war und es gab nichts. Als die Fliegerei erneut begann, war es für ihn, "als ob die Sonne aufging." Mädchen wie Jungen fanden sich wieder ein, um zu fliegen. Nun hießen die Fluglehrer Heinz Gemmrich und Helmut Funk. Andere Fliegergruppen kamen dazu und die Grundlagen der späteren Sportfliegerei der DDR in dieser Region entwickelten sich. Die Bahnpolizei stellte den Hänger, um den Schulgleiter der »Sektion Flugsport der Volkswerft« von Stralsund nach Reddevitz zu bringen. Denn Sport sollte ja gefördert werden. 1958, mit Einweihung des Stralsunder Flugplatzes, ging die Zeit für Reddevitz zu Ende. Noch war der Luftraum frei.
Glänzendes Wellblech mit drei Sternmotoren
Ju 52-Besuch auf dem Landeplatz Güttin stieß auf heftiges Interesse
1984 entschied die Lufthansa, anlässlich des damals bald anstehenden 60. Firmenjubiläums der Fluggesellschaft eine flugfähige Ju 52 zu beschaffen. 70 bis 80 Maschinen diesen Typs bestritten vor dem zweiten Weltkrieg den Linienverkehr. In den USA wurde man fündig. Nach Rekonstruktion fliegt die Maschine seither wieder unter ihrem "Geburtskennzeichen" DAQUI. Vergangene Woche war sie in Güttin. Ihr Charme lockte hunderte von Menschen.
küma Journalisten leben gefährlich ;-)
Journalisten leben immer wieder gefährlich :-))
Kritik Küstermann am Buch "Sassnitz im Wandel"
Betreff: WG: Kritik Küstermann ====================== Original Nachrichtentext =================== An die Redaktion der Ostsee-Zeitung Werte Redaktion! Durch mehrere Leser des Buches "Sassnitz im Wandel" wurde ich zu einer Stellungnahme zu Herrn Küstermanns Beitrag das Buch betreffend gedrängt. In eine Kritik gehört eine verantwortungsvolle Analyse des Werkes, die natürlich subjektiv ist. Dazu gehört aber nicht ein persönlicher Angriff auf den Autor (ich wäre sonst oft mit der Kritik sehr schnell). Ich stehe wahrscheinlich nicht alleine mit Herrn Küstermann "auf Kriegsfuß". Gerade habe ich von Herrn Klingbeil aus Gingst ernste Kritik an dem Herrn gehört. Von Herrn Küstermann habe ich von 2003 einen Brief vorliegen, den ich damals nur aus Zeitgründen nicht für einen Beschwerde bei Journalistenverband genutzt habe. Sie können meine Entgegnung als Leserbrief veröffentlichen oder auch nur Herrn Küstermann zustellen. Mit freundlichem Gruß Wulf Krentzien Kritik an der Kritik Herr Küstermann! Kritikwürdig ist alles. Geübt wird sie besonders bei Veröffentlichungen, die geduldig auf Papier vorliegen. Das Buch : "Sassnitz im Wandel" ist bisher sehr gut verkauft worden. Das wird sich auch nach Ihrem Beitrag nicht ändern. Viele Sassnitzer haben mir bisher ihre Anerkennung für diese Arbeit ausgesprochen. Die anvisierte Zielgruppe habe ich gut erreicht. Warum- muss ich Ihnen nicht erläutern. Jedoch setzt der Verlag enge Grenzen bei der Buchstruktur. Das Motto des Verlages lautet: "Bilder sagen mehr als Worte". Das kann ich nicht umgehen. Es ging auch nicht darum, sich mit Geschehnissen in Sassnitz ausführlich kritisch auseinander zusetzen. Ich konnte nur andeuten. Mehr gab der vorgegebene Platz für den Text nicht her. Außerdem hätten Sie den einleitenden Text: "Zum Verständnis" auf Seite 6 lesen sollen. Da wurde darauf hingewiesen, dass das z.B. das Thema Fährverkehr weitgehend ausgeblendet wurde. Es wurde verwiesen auf das Buch "Die Sassnitzer Fährhäfen und ihr Fährverkehr", das im selben Verlag erschienen ist und z. B. auch ausführlich den Abzug der russischen Truppen darstellt. Woher nehmen Sie eigentlich den Unsinn, dass die Brücke zum "Glasbahnhof" nach Nürnberg gebracht wurde?. Einige kritische Anmerkungen sind völlig haltlos. Sie haben das Buch wahrscheinlich nur oberflächlich betrachtet. Es ging bei Ihrem Beitrag wahrscheinlich nur um Kritik der Kritik wegen. Ich habe es nicht nötig, mich hier zu rechtfertigen. Vielleicht sponsern Sie mir das Geld, das manche Verlage als Vorauszahlung für Veröffentlichungen verlangen? Wulf Krentzien Erwiderung: Guten Tag Hilgenfeldt, Ivo, am Montag, 8. September 2008 um 10:44 schrieben Sie/schriebst du: nein, als retourkutsche habe ich meinen buchbeitrag zur neuerscheinung wulff krentziens natürlich nicht gesehen.. das widerspricht meinem selbstverständnis. es wäre auch unprofessionell. aber es gibt natürlich lokales kolorit, wenn der bezug mehr ist, als der name des autors. in dem nun bemühten und herrn krentzien aus dritter hand von 2003 vorliegenden brief habe ich damals und eigentlich schon lange vergessen, auf einen schmähbrief im Ton eines IM an die IHK reagiert, in dem der kreis um wulff krentzien der IHK und der redaktion der WIR nahelegte, mich dort nicht mehr schreiben zu lassen. das dürfen sie auch gerne welchem verband auch immer mit meiner antwort zusammen vorlegen. es war sozusagen ein ruf nach einem berufsverbot. in einer art, wie ich es auch lehrern, die gewohnt sind, vormittags recht und nachmittags frei haben, nicht zubillige. herr krentzien trat dort allerdings nicht direkt in erscheinung, war nur als experte, der in diesem fall eben leider irrte, zitiert. anlass war der vom schreiber sinngemäß als unsinn bezeichnete fakt, dass ein auslaufendes passagierschiff aus dem sassnitzer westhafen ein lotsenboot längsseits hatte, was die bildunterschrift auch besagte, die redaktion jedoch durch austausch der fotos nicht mehr zeigte. die sassnitzer experten wollten das foto mit dem vom kapitän der, wie ich glaube, ms columbus (ich hatte ihren namen damals wegen platz abgekürzt, was ebenso unter kritik fiel) , trotz lotsenfreiheit freiwillig angeforderten begleitung auch im nachgang nicht mehr sehen. es durfte nicht sein, was nicht sein darf. dennoch besitze ich eben ein passagierschiff vor dem sassnitzer westhafen mit längsseits festgemachtem lotsenboot. ein novum, das sicher gut in die sammlung krentzien eben deswegen passen würde. das bild liegt mir heute noch vor. ich glaube, den brief hatte ich sogar zeitweilig unter dem motto: journalisten leben gefährlich" im internet stehen.
der brief - auch ich erinnere mich zunehmend wieder - war in einem ton gehalten, der eine entsprechende erwiderung dann eben nach sich zieht. allerdings an die absender und nicht an die schulleitung oder arbeitgeber von herrn krentzien, was seinem oder derer vorgehen entsprochen hätte... ich fechte das in augenhöhe und nicht per denunziation aus. wulff krentzien kam dabei jedoch nicht vor. er wurde damals nur indirekt zitiert, was mich veranlasste, dem schreiber meinen gruß an ihn aufzutragen. das hat er machen lassen und es mir hiermit dankenswerterweise bestätigt. daher kann ich natürlich mit der erwiderung von wulff krentzien sehr gut leben. dassteht ihm zu. wie es ein kritiker immer aushalten muss, wenn er sich aus dem fenster lehnt. wulff krentzien jedoch kann sich doch freuen, da er auf diese art die doppelte aufmerksamkeit bekommen wird, was ihm an seiner nicht bezweifelten reputation auch keinen schaden zufügen wird. das buch wird sich dennoch oder grade deswegen gut verkaufen. für die IHK schreibe ich übrigens immer noch! ich selbst freue mich über kritiken immer weitaus mehr als über abschriften des waschzettels. das büchlein durchzublättern fiel mir jedoch nicht allzu schwer und beispiele meiner überraschung habe ich ja auch genannt. auch jetzt nehme ich es wieder zum anlass, reinzuschauen. ich nehme mich nicht gar zu wichtig und versuche eben, interessante beiträge zu machen. und er soll es nicht persönlich nehmen. so wichtig sind wir als autoren alle nicht. in der zeitung dinge auszutragen, die dort nicht hingehören, ist nicht meine art.. das muss auch nicht reingedeutelt werden, auch wenn sein gedächtnis länger ist als meines. daher kannst du ja gerne den brief abdrucken. er spricht für sich. dass er klingbeil zitiert, verstehe ich. allerdings ist es in diesem zusammenhang schade, weil er auch nicht erzählt, dass eckhardt k. immer auf den letzten peng kommt und er sich ja besser bei mir beschweren sollte, wenn sich fehler einschleichen. statt bei dritten. ich hätte es auch andersherum machen können: weil mir der sutton-verlag bilder aus krentziens buch für mein aktuelles buch gegen nennung des verlags zur verfügung stellte, hätte ich ja eine lobhudelei schreiben können. das wiederum tat ich ebenso wenig. der marketing-mann von sutton rief mich übrigens schmunzelnd an und sagte, er verstünde nun, warum ich herrn krentzien nicht selbst angerufen hätte. es wäre erst einmal eine viertelstunde schmähendes trommelfeuer über mich abgeschossen worden. also schon vor der kritik am buch krentzien... wir haben es dennoch geschafft, zu kooperieren. wie profis eben. ohne beschimpfungen. alswelche ich die kritik am buch des lehrers wulff krentzien ebenso wenig gelesen und geschrieben haben möchte. viele grüße andreas küstermann
Abgang ist überall
zensiert - aus der ausgabe OAZ 26. september 2001 Rügen ·
Journalisten leben gefährlich :-))
küma
Journalisten leben gefährlich :-)) II
küma
Journalisten leben gefährlich :-)) III
küma
ich habe das kornkreis-rätsel NICHT gelöst
jan schwochow (pressemitteilung) Hamburg · in den letzten tagen ist eine pressemitteilung der nachrichtenagentur ddp rausgegangen, auf deren inhalt ich KEINEN einfluss hatte. inzwischen gab es berichte in der svz und in der ostseezeitung, die diese unrichtige meldung aufgegriffen haben. der NDR hat ebenfalls einen bericht gesendet, der sich scheinbar auch auf diese meldung bezog. tatsache ist, dass ich mit KEINEM REDAKTEUR dieser zeitungen und fernsehanstalten persönlich gesprochen habe.
jan schwochow |
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